George Boateng

Das ewige Talent

von Daniel Fallenstein

George Boateng, bisher Stürmer bei TuS Makkabi Berlin, spielt künftig beim BFC Türkiyemspor. Der Wechsel machte sich für den Kreuzberger Verein Türkiyemspor schnell bezahlt. Der 25‐jährige Stürmer erzielte am 24. Januar im Freundschaftsspiel zwischen den beiden Vereinen das Tor zum Endstand von 4:0. Ali Eltan, Geschäftsführer von Türkiyemspor, sagte, dass der Kreuzberger Verein mit den spielerischen Qualitäten George Boatengs die Mannschaftsleistung für die Zukunft entwickeln wolle.
George Boateng ist kein unbekannter Name im Fußball. Ein gebürtiger Ghanaer gleichen Namens kickt für Middlesborough F.C. in der englischen Premier League. Der Berliner George Boateng scheint – mit zwei Brüdern bei Hertha BSC, Jerome (19) im U23‐Kader und Kevin‐Prince (19) im Bundesligateam – prädestiniert für einen Wechsel vom Verbandsligisten Makkabi zu Türkiyemspor in die höhere Oberliga. Die drei Brüder haben einen ghanaischen Nationalspieler zum Onkel, und in der deutschen Hälfte ihrer Familie sind sie mit dem „Boss“ Helmut Rahn, dem Schützen des Siegtores bei der Weltmeisterschaft 1954, verwandt. Die beiden jüngeren Brüder spielten bereits mehrmals in den deutschen Jugendnationalmannschaften der Altersstufen U16 und U19. Die deutsche Mutter spielte früher bei Meteor 06 und der ghanaische Vater bei den Reinickendorfer Füchsen.
Mit diesem imposanten Familienhintergrund und seinem Talent standen George Boateng vor einigen Jahren – damals spielte er für Tennis Borussia – alle Möglichkeiten offen. Ein zeitweise ausschweifender Lebensstil führte jedoch dazu, dass ihm der Weg nach ganz oben verstellt blieb. Nichtsdestoweniger gilt er im Berliner Fußball als „ewiges Talent“ und lief in der vergangenen Saison regelmäßig als Stürmer für TuS Makkabi auf.
Trotz des unterschiedlichen Hintergrunds von Makkabi und Türkiyemspor erwartet Boateng eine wohl eher unwillkommene Kontinuität. Spieler beider Vereine haben mit Antisemitismus oder Rassismus zu kämpfen. TuS Makkabi ist immer wieder mit mehr oder weniger stark kaschiertem Antisemitismus konfrontiert, wie beim Spiel der 2. Mannschaft gegen die VSG Altglienicke am 26. September 2006, wo Anhänger des gegnerischen Vereins Parolen wie „Führer, Führer, Führer“ und „Auschwitz ist wieder da“ skandierten. Fans und Spieler von Türkiyemspor kennen den alltäglichen Rassismus in Berliner und Brandenburger Stadien aus jahrelanger bitterer Erfahrung. So randalierten am 22. Oktober 2006 Fans des BFC Dynamo nach einer Niederlage im Kreuzberger Katzbachstadion. Der BFC Dynamo ist berüchtigt für seine Fan‐Szene voller Hooligans und Neonazis.
George Boateng verlässt die Julius‐Hirsch‐Sportanlage zu einer Zeit, da die Fußballer von Makkabi vor Selbstbewusstsein nur so strotzen. Die Niederlage gegen Türkiyemspor kratzt die Moral wenig an, da man im vorhergegangenen Vorbereitungsmatch, einem Freundschaftsspiel anlässlich der Umbenennung der Sportanlage „Am Eichkamp“ in „Julius‐Hirsch‐ Sportanlage“ gegen den SV Babelsberg 03 mit 2:1 gesiegt hatte. Babelsberg spielt wie Türkiyemspor in der Oberliga, führt diese jedoch unangefochten an. Kein Wunder, dass man bei Makkabi sogar ohne den Stürmer optimistisch in die nächsten Spiele gehen kann. Zum Beispiel ins Auftaktspiel der Rückrunde gegen Hilalspor, die am ersten Spieltag der Hinrunde bereits mit einem 1:3-Auswärtssieg bezwungen wurden. Makkabi empfängt den Tabellenvorletzten am 4. Februar in der Julius‐Hirsch‐Sportanlage, Anstoß ist um 11:15 Uhr.

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