Museum

Büstenhalter mit Geschichte

von Daniela Breitbart

Sonntagvormittag, Jüdisches Museum in Frankfurt am Main. Die beiden jungen Frauen, die an dem rechteckigen Tisch im Foyer des Museums sitzen, warten geduldig, bis Heidemarie Schings ihre Handtasche geöffnet und ein kleines Bündel auf den Tisch gelegt hat. In der Aussteuerwäsche ihrer verstorbenen Mutter habe sie das gefunden und wüsste gern, „ob es etwas Jüdisches ist“. Zum Vorschein kommt eine bunte, sorgfältig gehäkelte und verzierte Kopfbedeckung. Eine Kippa, da sind sich die Expertinnen schnell einig. Jetzt beginnt der Ausstellungsparcours: Auf die Kippa wird ein gelber Post‐It‐Zettel mit einer Nummer geklebt, Frau Schings unterzeichnet einen Leihvertrag, dann muss sie warten, bis sie an der Reihe ist, mit ihrem Objekt für die Dokumentation fotografiert zu werden. Das Museum hat zu diesem Zweck eigens ein Mini‐Fotostudio eingerichtet, Maske inklusive. Das alles dauert eine Weile. In dem kleinen Vorraum bildet sich allmählich eine Schlange. Es wird ziemlich eng. Doch die Besucher, die an diesem Vormittag mit ihren Objekten ins Museum kommen, um die Ausstellung „Ein gewisses jüdisches Etwas“ zu bestücken, nutzen die Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, zeigen die Gegenstände, die sie mitgebracht haben.
Barbara Höhfeld hält die „Geschichte der deutschen Juden“ von Adolph Kohut in der Hand, die ihr von einer jüdischen Freundin geschenkt worden war. „Durch Kohut habe ich einen anderen Blick auf die deutsche Geschichte bekommen“, sagt sie. Eine kleine Menschentraube bildet sich um Arno Lustiger und Irmgard Senger, die eine Bodenkachel aus der 1938 niedergebrannten Synagoge am Frankfurter Börneplatz mitgebracht haben. Die Schriftstellerin Stefanie Zweig hat einen Torazeiger unbekannter Herkunft dabei, den ein Freund in einem „ziemlich miesen Antiquitätenladen“ erworben und ihr zum 75. Geburtstag geschenkt hat. Auch Matthias Jenny, Direktor des Frankfurter Palmengar‐ tens, und Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth haben zu Hause jeder ein „jüdisches Etwas“ gefunden.
Andere Besucher bringen das Ticket einer Emigrantin für eine Schiffspassage von Neapel nach Montevideo mit oder eine Uhr mit jiddischer Gravur. Das „Israelitische Kochbuch“ der Großmutter mit 3.759 Rezepten ist ebenso vertreten wie eine CD‐Sammlung „Jews Who Rock“, ein Geld‐Büstenhalter, dank dem die Besitzerin in der Emigration überleben konnte, ein jugendlicher Toraleser aus Porzellan, „vor Jahren auf einem WIZO‐Basar gewonnen“.
All diese Gegenstände „verschwinden“ hinter einem weißen Vorhang, wo unsichtbare Hände die Präsentation der Objekte vorbereiten, auf einem rund 15 Meter langen, mit blauem Samt bezogenen Tisch. Zu jedem Objekt sollen die Besucher auch dessen Geschichte aufschreiben. Manche müssen das noch eilends nachholen. Um 15 Uhr soll die Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
„Wir haben rund 140 Gegenstände zusammengetragen“, freut sich Fritz Back‐haus, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums, kurz vor der Eröffnung. Auch die beiden Schweizer Kuratoren Katarina Holländer und Michael Guggenheimer sind zufrieden mit der Sammlung: „Die Bandbreite ist enorm: wir haben Sachen, die nur entfernt mit Jüdischem zu tun haben, bis hin zu Objekten aus Israel.“
Ab dem 21. Januar 2009 werden die Exponate und ihre Geschichten in einer Ausstellung im Museum Judengasse zu sehen sein.

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