Machtkampf

Bruderkrieg in Gasa

von Wladimir Struminski

Neun Monate nach dem Amtsantritt der Hamas-Regierung versinkt der Gasa-Streifen im Chaos. Milizen der Fatah, die dem Präsidenten Machmud Abbas unterstehen, liefern sich Gefechte mit Hamas-Kämpfern. Hamas-Premier Ismail Hanija wird zum Ziel eines Attentatversuchs; Abbas’ Residenz in Gasa gerät unter schweren Beschuß von Hamas-Kämpfern. Mehrmals vereinbarte Waffenruhen werden nicht eingehalten.
Verhandlungen über eine international akzeptable Regierung der Nationalen Einheit bringen keine Ergebnisse. Deshalb hat Abbas Neuwahlen angekündigt. Umfragen zufolge könnte die Fatah diesmal die Hamas besiegen. Allerdings ist nicht sicher, ob dies zu einer Beruhigung der Situation beiträgt. Der israelische Terrorismusexperte Guy Bechor meint, die Hamas werde ihre Position notfalls mit der Waffe verteidigen. Die von der Hamas strikt abgelehnte Ausschreibung von Neuwahlen könnte ein Startsignal für den Bürgerkrieg sein. Daher sei keineswegs sicher, sagt Bechor, daß der Präsident das Parlament wirklich auflösen wird.
Die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Gasa sind auch für Israel eine Gefahr. Eine »Irakisierung« der palästinensischen Gebiete birgt unkalkulierbare Risiken für den jüdischen Staat und die ganze Region. Auch könnte eine Hamas, die um ihre Macht fürchten muß, ihre ganze Kraft auf terroristische Aktivitäten gegen Israel richten. »Traditionell bezieht die Hamas ihre innerpalästinensische Legitimität aus dem ‚bewaffneten Kampf’ gegen Israel«, erklärt Anat Kurz vom Tel Aviver Forschungsinstitut für Nationale Sicherheit. Sie glaubt allerdings nicht, daß Israel dem palästinensischen Präsidenten Abbas militärisch den Rücken stärken sollte. Israel hatte jüngst 900 Kämpfern der »Badr-Brigaden« die Einreise nach Israel und weiter nach Gasa gestattet. Die Truppen wurden in Jordanien ausgebildet und unterstehen der Fatah. »Die Fatah ist nicht imstande, die Hamas zu zerschlagen«, warnt Kurz. »Ein Versuch, sie militärisch zu stärken, wird zu einem Blutbad führen.«
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert kündigte an, trotz der Krise einen »offenen Dialog« mit der Palästinensischen Autonomiebehörde anzustreben. Auch ein Treffen mit Abbas sei wünschenswert. Auf jeden Fall wolle Israel der palästinensischen Zivilbevölkerung helfen, allerdings »ohne die Extremisten zu stärken«.
Anat Kurz hält diese Schritte nicht für ausreichend. Eindeutige Hilfe für Abbas sei dringend nötig. Dazu gehöre die Entlassung einer größeren Gruppe palästinensischer Häftlinge aus israelischen Gefängnissen. Gleichzeitig solle Israel ver- suchen, mit Vertretern der Hamas über einen Waffenstillstand zu verhandeln, und dabei selbst auf die vorherige Anerkennung des jüdischen Staates durch die islamistischen Fundamentalisten verzichten. Auch darauf, meint Kurz, gebe es keine Erfolgsgarantie. »Israel steckt in der Klemme«, lautet ihr pessimistisches Fazit. »Und es wird immer schlimmer.«

Leipzig

Gegensätzliche Nahost-Demos linker Gruppen 

Ein Team des MDR wurde aus der antiisraelischen Demo heraus angegriffen

 17.01.2026

TV-Tipp

Als David Bowie weinte: Arte-Doku beleuchtet die Schattenseiten eines musikalischen Genies

Oft feiern Filmporträts ihre Protagonisten mehr oder weniger unkritisch. Eine Arte-Doku über Popstar David Bowie wählt einen anderen Weg - und ist genau deshalb so gelungen

von Manfred Riepe  14.01.2026

Brandenburg

»Was soll der Scheiß?«: Nach Brandanschlag - Büttner übt scharfe Kritik an Linken-Spitze

Die Hintergründe

 10.01.2026

Antisemitismus

Die kruden Thesen eines AfD-Abgeordneten

Ein AfD-Parlamentarier teilte einen Instagram-Post, in dem die Rothschild-Familie mit dem Untergang der »Titanic« 1912 in Verbindung gebracht wird

 08.01.2026

Brandenburg

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen nach Anschlag auf Büttner

Nach dem Brandanschlag und die Morddrohung gegen den Antisemitismusbeauftragten haben die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt

 07.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist immer wieder Drohungen ausgesetzt. Nach einem Brandanschlag und einer Morddrohung per Brief verschärft er nun Sicherheitsmaßnahmen. Die Solidaritätsbekundungen für ihn reißen nicht ab

 07.01.2026

Westjordanland

Netanjahu schreibt Siedlergewalt einer »Handvoll Kids« zu

Nach Kritik der Trump-Regierung an Israels Vorgehen in der Westbank wiegelt Israels Premierminister ab - und zieht noch mehr Kritik auf sich

 01.01.2026

Israel

Israel führt Gedenktag für marokkanische Juden ein

Die Knesset hat beschlossen, einen Tag zur Erinnerung an die marokkanisch-jüdische Einwanderung zu schaffen

 31.12.2025

Gaza

37 Hilfsorganisationen in Gaza und im Westjordanland droht Lizenz-Entzug

Israel will sich vor Terrorverbindungen in Hilfsorganisationen schützen. Die Einrichtungen warnen vor humanitären Konsequenzen

 31.12.2025