Lo-Minor

Bretter, die die Welt bedeuten

von Marina Maisel

Der dunkelblaue Vorhang auf der Bühne des Hubert‐Burda‐Saals im Gemeindezentrum am Jakobsplatz kriecht langsam nach oben. Eine schwarz‐weiß gekleidete Gruppe steppt in höchster Präzision zu straffen Rhythmen. Die Theatergruppe Lo‐Minor wird drei Jahre alt und ihre Akteure starten mit diesem Tanz ihre Feier. Anastasia Gomberg gehört zu den Schauspielern der ersten Stunde. Seit der Gründungsversammlung 2005 spielt sie in der Gruppe. Sie stellt fest: „Wir haben gelernt, dass nicht nur jeder für sich selbst verantwortlich ist, sondern auch für alle anderen auf der Bühne. Wir haben gelernt, einander zu unterstützen und zu fördern.“ Evgenia Tschekan ergänzt das und sagt: „Wir haben vor allem gelernt, Respekt vor unseren Partnern auf der Bühne zu haben.“Die Zusammengehörigkeit der Gruppe ist überall spürbar. In jeder Bewegung und im harmonischen Zusammenspiel. Manchmal kann man das richtig hören, wenn die Lo‐Minor‐Schauspieler zum Beispiel beim Geburtstagsauftritt spontan und meisterhaft nur mit Zitaten aus populären Melodien eine sechsköpfige Familie auf dem Bahnhof darstellen. Ohne ein Wort, nur mit Mimik und Gestik, Bewegung und Gesang oder einfach mit allem, was eigentlich zum Schauspiel gehört, und das ist sehr viel. Das Geburtstagsprogramm bereitete Lo‐Minor gemeinschaftlich vor. „Wir wurden in Gruppen eingeteilt“, erzählt Ekaterina Domashevskaya, „und haben uns die Etüden ausgedacht, dann wurden die besten Stücke ausgewählt und danach, in der Gruppe, weiter bearbeitet“. Entstanden sind in diesem kreativen Prozess verschiedene Theaternummern, denen die Geburtstagsgäste begeistert applaudierten.
Stanislav Skibinski, der Leiter der Abteilung Kinder, Jugend und Familie, zu der auch Lo‐Minor gehört, zollt dieser und ihrer Arbeit höchsten Respekt, und das nicht nur für ihre Leistungen auf der Bühne. Auch hinter den Kulissen zeige Lo‐Minor, dass ihre Mitglieder zu den Menschen gehören, „die wenn es nötig ist, auch einmal ein Auto ausladen können und überall mit anpacken“. Zu den Höhepunkten der tempo‐ und facettenreichen Geburtstagsaufführung gehört ein Schattenspiel. Der Inhalt der romantischen Geschichte ist schnell erzählt: sie findet ihn, ein Kind findet die beiden, sie sind glücklich zu dritt, aber sie sind nicht allein auf dieser Welt, das Böse droht, doch das Kind schafft Frieden in dieser Schattenwelt. Warum die Theatergruppe jedes Lob verdient, begründet ihre Leiterin Anastasija Komerloh nach der Vorstellung: „Wir haben in kürzester Zeit große Arbeit geleistet. Jedes Jahr wachsen wir als Theatergruppe, jedes Jahr merkt man, was wir erreicht haben. Der Mensch wächst bis zu einer bestimmten Grenze, aber ich wünsche meinem Ensemble, dass es immer weiter wächst, um ein Riese zu werden – im professionellen Sinn.“ Die Mitglieder der Gruppe, freut sich Skibinski, hätten sich als Schauspieler schon gefunden. Was er dazu noch wünscht, ist, „dass sie sich auch im Leben in München, in Deutschland und im jüdischen Leben finden können.“ Zunächst aber wird erst einmal gefeiert. Ellen Presser, die Leiterin des Kulturzentrums der IKG, hatte alle „wie sich es bei einem Geburtstag gehört“ zu einem Beisammensein mit Essen und Trinken eingeladen. Im Foyer des Gemeindezetrums klingt die Stimmung aus dem Saal noch lange nach. Einer der nächsten Auftritte von Lo‐Minor wurde bei dem Geburtstagsfest bereits avisiert: Marina Kammerloch, die Leiterin der Pfälzischen Musikschule hat die Gruppe in die Rheinpfalz eingeladen. So schenkte sie Anastasija Komerloh eine Krawatte aus kleinen leuchtenden Steinchen: „Diese sind die jungen Sterne der Theatergruppe, die am Hals der Regisseurin leuchten werden.“

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