Handelsbeziehungen

Boom in Fernost

Boom in Fernost

Israelisch‐chinesische Handelsbeziehungen wachsen weiter

von Ralf Balke

»Auf der Guangzhou Trade Fair hört man mittlerweile mehr Hebräisch als Deutsch oder Spanisch«, berichtet Avishay Hamburger. Er ist Direktor von Netafim Asia, einer Firma des Kibbuz Hatzerim, die zu den Pionieren moderner Bewässerungstechnologie zählt. »Zur Zeit einen Flug von Israel nach Peking zu ergattern, ist wie ein Lotteriegewinn. Die Maschinen in beide Richtungen sind auf Monate ausgebucht«, sagt er. Das Reich der Mitte ist zum gelobten Land für israelische Firmen geworden. Der Warenaustausch verzeichnet jährlich neue Rekorde. Im Jahr 2003 betrug das Volumen des bilateralen Handels 1,6 Milliarden Dollar, ein Plus von sagenhaften vierzig Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2004 waren es sogar 2,4 Milliarden Dollar, und für 2005 rechnet man mit rund drei Milliarden.
Dabei unterhalten China und Israel erst seit 1992 diplomatische Beziehungen. Bereits zuvor aber gab es intensive inoffizielle Kontakte. So sorgte in den achtziger Jahren der israelische Geschäftsmann Shaul Eisenberg dafür, daß Peking Appetit auf Waffentechnik made in Israel bekam – sehr zur Verstimmung der USA. Vor wenigen Monaten drohte die US‐Regierung, Israel aus dem F‐35 »Joint Strike Fighter«-Projekt auszuschließen, weil Jerusalem Ersatzteile für die an China verkauften Flugdrohnen vom Typ Harpy liefern wollte. Zu groß ist die Angst, daß via Israel amerikanisches Know‐how seinen Weg nach Peking findet.
Dafür boomt der Absatz von zivilen Gütern. Mehr als 730 israelische Firmen sind in China aktiv. Das israelische Export Institute unterhält ein Geschäftszentrum in Peking und erleichtert so Newcomern den Start. »China hat oberste Priorität, wenn es um die Ausweitung des Handels geht«, erklärte im Juni 2004 Ehud Olmert, damals Wirtschaftsminister, auf seiner Reise an der Spitze einer Delegation von 200 Managern und Investmentbankern.
Modernste Agrartechnologie ist in China ebenso gefragt wie das Neueste aus der IT‐Branche. Da hat Israel einiges zu bieten. »Es gibt phantastische Möglichkeiten der Synergie zwischen chinesischem Produktions‐Know‐how und israelischer Technologie«, sagt Erel Margalit von Jerusalem Venture Partners, einem Venture Capital Fonds, der seit rund fünf Jahren strategische Allianzen zwischen israelischen und chinesischen Firmen schmiedet. »Chinesen und Israelis reden nicht nur darüber, wie man etwas in China herstellt und dort verkauft, sondern wollen oft auch ein Produkt für den gesamten Weltmarkt entwickeln.« Beispielsweise das Hightech‐Unternehmen Siano aus Netanja, das seinen Empfänger für mobiles Digital‐TV in einer israelisch‐chinesischen Kooperation erst in China, dann in Europa und den USA vermarkten will.
Doch es gilt Regeln zu beachten. »Man muß sich seine chinesischen Partner ganz genau anschauen und viel Geduld im Kontakt mit offiziellen Stellen mitbringen«, sagt Rami Hadar, Chef des Glasfasertechnikspezialisten Native Networks. Denn Urheberrechtsverletzungen und Produktpiraterie sind auch für israelische Firmen zum Alptraum geworden. Aller mentalen Unterschiede zum Trotz gibt es kulturelle Gemeinsamkeiten, die für die Israelis ein dickes Plus sind. Thomas Lu, Manager des chinesischen Ablegers vom Netztechnikanbieter RAD bringt sie auf den Punkt: »Israelis und Chinesen haben einen ausgeprägten Familiensinn und legen Wert auf eine Ausbildung. Und beide lieben gutes Essen.«

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