Stadtbilder

Big Apple an der Isar

Orte des Exils heißt die Ausstellungsreihe, die derzeit im Jüdischen Museum am Jakobsplatz gezeigt wird. »Von München nach Washington Heights« ist das Thema der dritten Folge, die noch bis zum 30. August zu sehen ist. Nach der Präsentation von Istanbul und Tel Aviv führt diese Ausstellung in den New Yorker Stadtteil, der seit den späten 1930er-Jahren zu einem Zentrum der deutsch-jüdischen Emigration wurde.

Melting Pot 1940 gründeten dort aus Süddeutschland stammende Emigranten gemeinsam mit Leo Baerwald die jüdische Gemeinde »Beth Hillel«. Auf verschiedenen Bildtafeln sind die Kuratoren Celia Bergoffen und Bernhard Purin zu sehen. Die Ausstellung »Munich and Washington Heights« stellt dieses New Yorker Emigrantenviertel vor und spürt der Geschichte der Synagogengemeinde und ihrer Mitglieder nach. Von Bildern der alten Münchner Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße und deren Abriss im Sommer 1938 und Aufnahmen aus dem südlichen New Yorker Stadtteil können die Besucher die Geschichte der Emigration der Menschen aus Süddeutschland verfolgen. Auch Steinfragmente des Toraschreins der zerstörten Münchner Synagoge hatten die Emigranten mitgenommen und sie in der New Yorker Synagoge der Gemeinde Beth Hillel verwahrt. Diese betreute der Münchner Rabbiner Leo Baerwald nach seiner Emigration aus Deutschland. In ihr kamen vor allem ehemalige Mitglieder der Münchner und Nürnberger Gemeinde zusammen. In der 182. Straße konnte 1946 ein zweigeschossiges Gebäude erworben werden. Im Obergeschoss, über dem Bridge Supermarket, richtete der ebenfalls aus Deutschland eingewanderte Architekt Fritz Nathan die Synagoge sowie Unterrichts- und Verwaltungsräume ein. Seit den 1960er-und 1970er-Jahren verließen die Familien der deutschen Zuwanderer mehr und mehr die Gegend. Im Jahr 2000 wurde die Synagoge geschlossen.

Bauhaus Doch nicht nur Ausstellungen locken die Menschen ins Jüdische Museum. Auch verschiedene Events finden im Foyer den passenden Rahmen. So traf sich zum Beispiel während der Tel-Aviv-Ausstellung dort der Deutsche Freundeskreis des Tel Aviv Museum of Art (TAMA). Unter den Gästen begrüßte dessen Vorsitzender Samy Gleitman die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland und der Münchener Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, Museumsdirektor und Hausherrn Bernhard Purin sowie den Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Wolfgang Heubisch. Die Gäste konnten an diesem Abend anhand zahlreicher Bilder die Bauten insbesondere der Bauhaus-Architektur in Tel Aviv anschauen. Einige der in Dessau ausgebildeten Architekten dieser Stilrichtung waren in der 1940er-Jahren nach Palästina ausgewandert und hatten das Bild Tel Avivs entscheidend mitgeprägt. der Fotografen Tel Avivs, Yigal Gawze, war an diesem Abend selbst anwesend. Die Bilder seiner Serie »Fragments of Style« lenken den Blick ganz bewusst auf die Bauhaus-Architektur Tel Avivs. Im Mittelpunkt des Abends stand neben der Ausstellung ein Benefizprogramm. Die Freunde des Tel Aviver
Museums haben es sich seit Langem zur Aufgabe gemacht, dieses und sein Friedensprojekt »Art Road to Peace« bekannt zu machen und dafür Sponsoren zu finden. Nach dem großen Erfolg der vorangegangenen Auktion bot sich den Besuchern auch dieses Mal ein beachtenswertes Angebot, diesmal an Fotokunst. Andreas Rumbler, der Geschäftsführer von Christie‘s in Deutschland, hatte als Auktionator die Versteigerung übernommen.

vision Das Ergebnis brachte zwei Seiten Freude: Denjenigen, die sich mit ihren Geboten beim Run auf die jeweiligen Bilder der verschiedenen israelischen Fotografen durchsetzen konnten – und vor allem dem Projekt »Art Road to Peace« am TAMA, dem der Versteigerungserlös zu- gute kam. Dieses Projekt gibt Kindern aus allen sozialen Schichten und aus allen Bevölkerungsgruppen in Israel Gelegenheit, selbst künstlerisch tätig zu sein. Die Vision eines friedlichen Miteinanders aller Kinder in Israel wird hier Realität. Genau dazu hat diese Wohltätigkeitsveranstaltung erfolgreich beigetragen.

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