geschichte

Bewegung an der Peripherie

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Bewegung an der Peripherie

Münster: Eine Tagung über jüdisches Leben in Westfalen

von Benno Reicher

Für den Düsseldorfer Historiker Stefan Rohrbacher ist Westfalen »kein Kernland jüdischen Lebens, eher Peripherie«. Hier waren nicht die großen jüdischen Zentren, hier gab es kaum wirklich alte jüdische Siedlungen und auch die großen rabbinischen Gelehrten sollte man eher in anderen Gebieten suchen. Da wundert es nicht, daß die Quellenlage bescheiden und das Interesse der Historiker gering war. Dennoch hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert. So arbeitet die Historische Kommission von Westfalen, ein Gremium von 146 Landeshistorikern, zur Zeit an dem mehrbändigen Historischen Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Darin sollen, gegliedert nach den Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold und Münster, alle jüdischen Gemeinden und Gemeinschaften vom ersten Nachweis bis zur Nachkriegszeit erfaßt werden. 180 Autoren liefern etwa 250 Ortsartikel. Die ersten beiden Teilbände sollen noch in diesem Jahr in Druck gehen. Um Ergebnisse und offene Fragen zu diskutieren, veranstaltete die Historische Kommission am Wochenende mit dem Düsseldorfer Institut für Jüdische Studien eine Tagung in Münster.
Dort beschrieb der Hamburger Historiker Arno Herzig wichtige Eckpunkte jüdischer Geschichtsschreibung in Deutschland. »Die Beiträge der akademischen Ge- schichtsschreibung im 19. Jahrhundert waren weitgehend ideologisch und judenfeindlich bestimmt«. Herzig verwies auf die Initiativen jüdischer Forscher jener Zeit. »Ihnen verdanken wir eine objektive Darstellung deutsch-jüdischer Geschichte, die integrativ bestimmt war, was bedeutet, daß deutsch-jüdische Geschichte als Teil der allgemeinen Geschichte gedeutet wurde. Und es waren historisch gebildete Rabbiner, die die ersten Arbeiten zur Geschichte jüdischer Gemeinden und der Landjudenschaften schrieben.«
Stefan Rohrbacher, Leiter des Düsseldorfer Instituts für Jüdische Studien, richtete den Fokus auf Probleme der heutigen Forschung. »So berechtigt die Forderung nach einer integrierenden Betrachtung ist, die jüdische Existenz in ihren Bezügen zum jeweiligen Umfeld sieht, so problematisch muß aber eine Sichtweise erscheinen, die jüdisches Leben allein in seinen Berührungszonen mit der nichtjüdischen Außenwelt in den Blick nimmt. Eine solche Sicht blendet wichtige Belange jüdischen Lebens weitgehend aus.« Rohrbacher fordert einen genaueren Blick auf innerjüdisches Leben, zum Beispiel auf den Alltag des jüdischen Metzgers im 18. Jahrhundert. Dieser läßt sich häufig nur durch hebräische oder jiddische Quellen erschließen, denn erst im 19. Jahrhundert veränderte sich die schriftliche jüdische Überlieferung nach und nach. Rohrbacher weiß, daß es hierzulande nicht allzuviele Historiker gibt, die hebräische Quellen lesen können, aber auch, daß gerade in jüdischen Randgebieten wie Westfalen nur wenige alte hebräische Quellen zu finden sind. Ein jüdisches Archivwesen ist für die Zeit vor dem 19. Jahrhundert nur punktuell entwickelt.
Vor allem durch die Beiträge jüngerer Wissenschaftler wie Carsten Wilke aus Duisburg, der über die Rabbiner in Westfalen von 1619 bis 1943 referierte, wurde auf der Tagung dennoch deutlich, daß die jüdische Geschichtsschreibung auch in Westfalen wieder in Bewegung geraten ist.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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