landpartie

Beten im Preussensaal

Einst waren in dem brandenburgischen Landgut in Liebenwalde ein preußisches Gestüt, später eine Nazi-Reichsfachschule und eine DDR-Landesparteischule untergebracht. Heute empfängt dort das Vital- und Seminarhotel »Preußischer Hof« seine Gäs-
te. Am vergangenen Wochenende waren darunter 130 Teilnehmer – Familien und Alleinstehende – eines Schabbatons des Jü-
dischen Bildungszentrums Berlin.
Bereits zwei Tage zuvor waren in Liebenwalde (Landkreis Oberhavel) die ersten Lieferungen aus Berlin eingetroffen. Denn alle Speisen waren vorbereitet und wurden in einem abgetrennten und gekascherten Teil der Hotelküche gelagert. Dann die Siddurim für die Gottesdienste, Obstkörbe für die Zimmer, Süßigkeiten für die Kinder, Grill und Kohle für das Barbecue, Material für den Eruv: »Es war eine große logistische Aufgabe, das alles vorzubereiten«, sagt Rabbiner Shmuel Segal. Der Bereich um das Hotel wurde zudem mit Schnüren und Holzstangen abgegrenzt, um der Halacha entsprechend in diesem Bereich Zimmerschlüssel und Ähnliches transportieren zu können, was gläubigen Juden sonst am Schabbat verboten wäre. »Was ein Eruv ist, weiß ich schon«, gab sich Hoteldirektor Thomas Arnold sachkundig. Er hatte diese und viele andere Sonderwünsche bereits im Vorjahr beim ersten Schabbaton kennengelernt. So war es ebenfalls kein Problem, das hauseigene Schwimmbad am Freitagnachmittag für die Berliner Gäste zu reservieren, damit sie nach Geschlechtern getrennt ins Becken springen konnten. Auch Arnolds Mitarbeiter waren vorbereitet, wie zum Beispiel Koch Matthias Wede: »Über Kaschrut wusste ich vorher gar nichts. Aber jetzt geht alles schon ganz gut.«
Etwas ungewohnt war das Ganze für ei-
nige Hotelgäste. Annette Brockötter aus Drensteinfurt bei Münster hatte bei einer Fahrradtour Station gemacht. »Ich war erst etwas überrascht, hier in Brandenburg, wo man es wirklich nicht erwartet, so viele Ju-
den zu sehen.« Aber dann fand sie es in-
teressant, und war »sehr neugierig«, was beim Schabbaton alles veranstaltet wurde.
Ein Wochenende mit Vollverpflegung für Leib und Seele. Koschere Speisen – vom Frühstück über das Mittagessen, Seuda Schlischit, Kuchenbuffet bis zum Melawe Malka mit mitternächtlichem Grillfest. Dazu zahlreiche Gottesdienste, Schiurim und Vorträge, zu denen eigens der Londoner Rabbiner und Buchautor Nissan Dovid Dubov und Rebbezin Sarah Kaplan aus dem israelischen Sefad angereist waren, und die über das »Bajit Hajehudi«, das jü-
dische Haus, sprachen.
Ein gelungenes Angebot, meint Schabbaton-Teilnehmerin Julia Katz: »Es war sehr entspannend und inspirierend. Viel Jüdischkeit, interessante Gespräche und lehrreiche Vorträge. Es war ein Wochenende, an dem man endlich mal aus der Routine herauskam.« Detlef David Kauschke

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