Hannah Arendt

Besuch einer jüdischen Dame

von Miryam Gümbel

Die letzte Veranstaltung der Literaturhandlung vor der Sommerpause war für Rachel Salamander zugleich auch eine Ergänzung zu den Angeboten der Stadt München anlässlich der Feiern zum 850. Geburtstag der Landeshauptstadt. Bei der großen historischen Retrospektive war, wie sie in den einleitenden Worten zu der Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Jüdischen Museum in dessen Räumen sagte, das Thema NS-Zeit und Geschichte der Juden in der Stadt etwas kurz gekommen. Einen wichtigen Aspekt stelle damit der Vortrag von Natan Sznaider vor.
Unter dem Titel »Der Besuch der jüdischen Dame. Hannah Arendt in München« sprach er über eines seiner Forschungsergebnisse, den Besuch Arendts in München. 1949 kam Hannah Arendt im Rahmen ihrer ersten Deutschlandreise nach dem Krieg auch an die Isar. Natan Sznaider ist Professor für Soziologie in Tel Aviv und Autor zahlreicher Veröffentlichungen. Das in München vorgetragene Thema behandelt er auch in seinem neuesten Buch »Gedächtnisraum Europa. Die Visionen des europäischen Kosmopolitismus. Eine jüdische Perspektive«. Hannah Arendt (1906-1975) wächst in einem sozialdemokratischen jüdisch-assimilierten Elternhaus in Königsberg auf. Sie studiert Philosophie und Theologie in Marburg, Frei-
burg und Heidelberg. Zu ihren akademischen Lehrern zählen Martin Heidegger und Edmund Husserl. Sie promoviert bei Karl Jaspers.
1933 flieht Hannah Arendt nach einer Inhaftierung durch die Gestapo nach Paris, arbeitet dort bei verschiedenen jüdischen Organisationen. 1941 emigriert sie in die USA, wo sie zunächst politische Kolumnen für die deutsch-jüdische Wochenzeitschrift Aufbau schreibt. 1950 erhält sie die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1953 nimmt sie eine Professur am Brooklyn College in New York an. Am 4. Dezember 1975 stirbt sie in New York.
Von 1948 bis 1952 ist Hannah Arendt Geschäftsführerin der Jewish Cultural Reconstruction Organization zur Rettung jüdischen Kulturguts. Diese Arbeit hat Natan Sznaider bei seinem Münchner Vortrag beleuchtet, dabei auch den Aufenthalt in München. Ihr Amt hatte Hannah Arendt im Rahmen ihrer ersten Deutschlandreise nach dem Krieg auch an die Isar geführt. Aufgabe dieser Dienstreise war es, von den Nazis geplünderte Kulturschätze – vor allem Bücher und Kultgegenstände – von Deutschland nach Jerusalem oder New York zu bringen. Die Alliierten hatten nach Kriegsende große Depots von jüdischem Kulturgut gefunden, das von den Nazis geraubt worden war. Das geplünderte Erbe war ohne bekannte Besitzer. Die Menschen und Organisationen, denen es einmal gehört hatte, lebten und existierten nicht mehr. Neue Organisationen mussten gegründet werden, die mit den Staaten verhandeln konnten, und die das Recht hatten, erblosen jüdischen Besitz zu verwalten. So gründete der Historiker Salo Baron die Organisation »Jewish Cultural Reconstruction«. Der gebürtige Galizier aus Tarnow war bereits 1926 von Wien in die USA ausgewandert und lehrte an der Columbia University in New York.
Baron war es auch, der den ersten wissenschaftlichen Aufsatz von Hannah Arendt in den USA veröffentlichte. Bald schon fertigte sie für die Organisation Inventarlisten der jüdischen Kultur an, unterstützt von einem Netzwerk europäischer Emigranten. Nach langen Auseinandersetzungen über die Klärung des juristischen Status der Arbeit konnte die Organisation in Deutschland die Spur der Kulturgüter aufnehmen, allerdings nur in der amerikanischen Zone. Hannah Arendt und der gebürtige Berliner Gerschom Scholem reisten zu diesem Zweck nach Deutschland. Im Dezember 1949 und Januar 1950 kam Arendt auch nch München. Die zu dieser Zeit staatenlose Jüdin und gebürtige Deutsche suchte hier mit amerikanischer Legitimation den Kontakt und die Unterstützung der zuständigen Beamten. Im Bayerischen Kultusministerium unter Minister Alois Hundhammer war das Entgegenkommen nicht besonders groß. Immerhin gelang es über den Leiter der Bayerischen Staatsbibliothek einen kleinen Aufruf Hannah Arendts über das Anliegen der Organisation in der Zeitung der deutschen Bibliotheken zu veröffentlichen.
Natan Sznaider sprach auch die damalige Stimmung unter der jüdischen Bevölkerung an, die – wie auch die Juden außerhalb Deutschlands – in den Nachkriegs-
jahren davon überzeugt waren, dass jüdisches Leben in Deutschland nur vorübergehend existieren werde. 1950, nach der Gründung des Zentralrats der Juden in Deutschland, änderte sich diese Situation.

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026

Nach der Wahl

Grüne und SPD in Berlin stellen Bedingung für Sondierungen

Linke, Grüne und SPD in der Hauptstadt wollen an diesem Donnerstag erstmals über eine Regierungsbildung sprechen. Es soll sich aber noch nicht um formelle Sondierungsgespräche handeln

 28.09.2026

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026