Fußballtalente

Barca statt Maccabi

von Martin Krauss

Gai Assulin. Dieser Name beschämt israelische Fußballfunktionäre. Gleichzeitig begeistert er israelische Fans. 2003 bekam das damals zwölfjährige Fußballtalent ein Angebot vom großen FC Barcelona. Familie Assulin zog nach Spanien, der Junge lernte in der katalanischen Hauptstadt das Fußballspielen und kickte sich hoch – mittlerweile spielt er in der B‐Mannschaft von Barca, wie die Mannschaft unter Fans und Bewunderern kurz heißt.
Allein im aktuellen Kader der Blau‐Roten sind acht Spieler, die aus besagter B‐Mannschaft kommen. In diesem Sommer könnte Assulin dazu stoßen. Barcelonas Cheftrainer Frank Rijkaard kündigte bereits an, den 17‐Jährigen in der nächsten Saison in die erste Mannschaft zu integrieren. Dann könnte Assulin neben Berühmtheiten wie Ronaldinho, Lionel Messi, Thierry Henry oder Samuel Etoo kicken.
Einmal, im Halbfinale um die Copa Catalunya gegen den FC Girona, konnte Assulin die Atmosphäre der ersten Mannschaft schnuppern. Er wurde eingewechselt.
Assulins Länderspielherz schlägt trotz seiner Erfolge in Spanien nach wie vor für Israel. Bei der Entscheidung half auch Israels Fußball‐Nationaltrainer Dror Kashtan nach: Als Noch‐16‐Jähriger gab Assulin Ende März dieses Jahres sein Debüt in der israelischen Auswahl und gewann mit ihr 1:0 gegen Chile. Damit ist die junge Fußballhoffnung auf Israel festgelegt. Nach den Statuten des Weltfußballverbandes Fifa darf, wer sich einmal entschieden hat, die Nationalelf nicht noch einmal wechseln.
Vielleicht fehlen Assulin in der israelischen Auswahl die Weltstars an seiner Seite, er ist jedoch nicht der einzige Israeli, der bei namhaften Clubs im Ausland spielt. Ben Sahar, zwei Jahre älter als Assulin, ist beim Chelsea FC unter Vertrag. Von dort wurde er mittlerweile an andere englische Klubs ausgeliehen. Sahar bekam seine Fußballausbildung bei Hapoel Tel Aviv. Er ging vor zwei Jahren, als 16‐Jähriger nach England. Sieben Länderspiele hat der Stürmer mittlerweile für Israel absolviert.
Immer mehr israelische Fußballer finden ihr berufliches Glück bei ausländischen Spitzenvereinen. Verteidiger Tal Ben Haim gehört beim Chelsea FC neben Stars wie dem Deutschen Michael Ballack und dem Briten Frank Lampard zur Stammelf. Israels Nationaltorwart Dudu Aouate spielt beim spanischen Erstligisten Deportivo La Coruña, Mittelfeldstar Yossi Benayoun beim FC Liverpool.
Von den 32 aktuellen israelischen Nationalspielern kicken 14 im Ausland, vier in England, vier in Belgien, einer sogar in Deutschland: Roberto Colautti stürmt und trifft für den deutschen Zweitligisten Borussia Mönchengladbach. Auch Colautti konnte wählen und entschied sich für die israelische Nationalelf. Er wurde im argentinischen Cordoba geboren und wurde in Argentinien auch Profi, aber für die argentinische Auswahl war und ist Colautti nicht gut genug. 2004 wechselte Colautti zu Maccabi Haifa, verliebte sich in eine Israelin, die er 2006 heiratete, und das eröffnete ihm die Chance, für Israel zu spielen: acht Mal spielte er bislang, schoss dabei sechs Tore. Seit August 2007 spielt er in Mönchengladbach, wo er einen Vertrag bis 2010 hat.
Roberto Colautti ist ein eher untypischer Vertreter der jungen israelischen Spielergeneration. Typisch sind da schon eher Kicker wie Yossi Benayoun. Der lernte seinen Beruf sowohl bei Hapoel Beersheva als auch in der legendären Jugendabteilung des niederländischen Spitzenklubs Ajax Amsterdam. Mit 22 Jahren wechselte Benayoun von der israelischen Liga ins Ausland: Zunächst nach Spanien zu Racing Santander, später zum FC Liverpool. Beim höchsten Champions‐League‐Sieg aller Zeiten am 6. November vergangenen Jahres (8:0 gegen Besiktas Istanbul) gelangen Benayoun im Trikot des FC Liverpool drei Treffer und zwei Torvorlagen.
Schon seit geraumer Zeit präsentieren sich auch die israelischen Trainer international. Der bekannteste und erfolgreichste ist bislang Avram Grant. Der frühere Nationaltrainer betreut zurzeit den englischen Spitzenklub Chelsea. Wenn es ihm gelingt, das Team um Michael Ballack zu einem wichtigen Titel zu führen, wird ihm nicht nur in Israel fußballerischer Ruhm beschieden sein. Mit Chelseas Einzug ins Champions‐League‐Endspiel ist Grant dem schon sehr nah. Schon jetzt führt die »Jerusalem Post« den Trainer in einer Liste der israelischen Sporthelden auf Platz 42.
Besonders verbunden sind israelische Trainer anscheinend dem griechischen Fußball: Izhak Shum führte 2004 Panathinaikos Athen zur griechischen Meisterschaft, Eli Guttmann betreute 2004 Enosis Neon Paralimni FC und 2006/07 den AEL Limassol, Nir Klinger coachte 2007 AEK Larnaca, davor auch Paralimni. Und Yossi Mizrahi betreut zurzeit den zyprischen Klub Apollon Limassol.
Den bemerkenswertesten Auslandsjob eines Israelis bestritt jedoch der bereits verstorbene Jerry Beit haLevi: 1960 wurde er Trainer der nigerianischen Nationalmannschaft. Im ersten Spiel erlitt er eine 0:3-Heimschlappe gegen Ghana vor 100.000 Zuschauern. Er trat sofort zurück.

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