Flucht

Aus dem Kaukasus in den Kibbuz

von Sabine Brandes

Die Angst vor dem Krieg treibt sie in Scharen in die israelische Botschaft. Hunderte stehen Schlange, um sich und ihre Angehörigen in Sicherheit zu bringen. Der Krieg um Südossetien hat auch die jüdische Gemeinde Georgiens getroffen. In nur zwei Tagen haben mehr als 200 Menschen die Alija beantragt.
Der 37-jährige Ingenieur Vazha Mamiaschvili musste mit seiner Familie am eigenen Leib spüren, was es heißt, unter Beschuss zu sein. Eine Woche lang schlugen fast permanent Raketen in der Nähe seiner Wohnung in der georgischen Hauptstadt Tiflis ein, die der unweit gelegenen Munitionsfabrik galten. Als es eine Nacht besonders schlimm war, beschlossen er und seine Frau Irena, einen Schlussstrich zu ziehen. Aus Angst um ihre beiden Söhne packten sie hastig ein paar Habseligkeiten und machten sich auf den Weg zur Botschaft.
Damit gehörten Vazha und Irena mit ihren acht- und dreijährigen Söhnen Nikoloz und David zur Gruppe von 34 Olim Chadaschim, die am 12. August aus der Kriegsregion gerettet worden waren. Einige der Einwanderer kamen direkt aus der umkämpften Stadt Gori. Eine speziell gecharterte El-Al-Maschine brachte die Menschen an diesem Abend zusammen mit 120 Israelis, die in Georgien zwischen die Fronten geraten waren, in den jüdischen Staat. Gemeinsam schritten sie, kleine blau-weiße Fähnchen in der Hand, die Gangway herunter. Die Schrecken des Erlebten waren ihnen in die Gesichter geschrieben, doch die Freudenschreie der erleichterten Angehörigen ließen die Ängste der letzten Wochen erst einmal verblassen.
Die Zahl der in Georgien lebenden Juden wird heute auf 8.000 bis 12.000 geschätzt. Erzählungen zufolge geht die jüdische Gemeinde auf die Zeit der Zerstörung des ersten Tempels in Jerusalem vor 2.600 Jahren zurück. Die georgischen Juden halten sich mehr oder minder an die Gesetze der Halacha, viele befolgen die Kaschrut. Von Antisemitismus ist wenig in dem Land im Kaukasus zu spüren, berichten Gemeindevertreter. In Synagogen und anderen jüdischen Einrichtungen gebe es keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen.
Für die Mamiaschvilis war der Krieg der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. »Wir haben schon Jahre an Alija gedacht«, sagte Vazha bei der Ankunft, »und dieses Angebot der Jewish Agency war der letzte Strohhalm für uns. Wir wussten einfach, nun ist die Zeit gekommen. Jetzt oder nie«. Die vierköpfige Familie durfte ohne Umwege ihr neues Zuhause im Kibbuz Masada im Norden des Landes beziehen. Sie kamen mit sprichwörtlich leeren Händen an. Das Wenige, was sie mitnehmen konnten, war am Flughafen verloren gegangen. Schwerer jedoch als der Verlust von Dingen wiegt die Sorge um die zurückgebliebenen Angehörigen. Vazhas Bruder und seine Eltern sind nach wie vor in Georgien. Dennoch ist die Familie nach eigener Auskunft guten Mutes und freut sich auf die Zukunft. »In Georgien haben wir immer auf Frieden für Israel getrunken. Jetzt, in der neuen Heimat, trinken wir auf Frieden in Georgien.« In einer Gemeinschaftsaktion mit der Kibbuzbewegung werden die meisten Olim in nördlichen Kibbuzim untergebracht, einige haben vor, sich in der Nähe ihrer bereits in Israel lebenden Verwandten niederzulassen.
Praktisch über Nacht hatten Außenmi-
nisterium und Jewish Agency die Aktion koordiniert. Eli Cohen, Leiter der Einwan-
derungsabteilung, begrüßte die Neuein-
wanderer persönlich am Flughafen. »Die momentane Operation läuft in unerwarteter Geschwindigkeit«, erklärte er. »Wir ha-
ben Juden aus Feuerzonen herausgeholt, ihnen Visa beschafft, um Georgien verlassen zu können, die Voraussetzungen für eine Alija geprüft und sie nach Israel gebracht – alles innerhalb von 72 Stunden.«
Jewish-Agency-Präsident Zeev Bielski er-
klärte am selben Tag in der Knesset, dass er davon ausgehe, weitere Hunderte von Menschen wollten einwandern. »Unsere Organisation, als Brücke zwischen dem Staat Israel und dem jüdischen Volk in der Diaspora, wird alles tun, um jüdischen Gemeinden in Zeiten der Krise zu helfen«, sagte er. »Und es macht uns stolz, diese Hilfe leisten zu können.«
Während die russische Armee immer weiter auf die georgische Hauptstadt vorrückte und sich die Lage im Land drastisch verschlechterte, arbeiteten die Exper-
ten aus Israel Tag und Nacht, um Gemein-
demitglieder und israelische Besucher in Sicherheit zu bringen. Alex Katz, Leiter der Jewish Agency in der Region, und der Ge-
sandte Grigori Brodsky fuhren persönlich nach Gori, um die dortigen Familien zu retten. Gori schmiegt sich an die Region Südossetien, um deren Freiheitsbestreben der Krieg ausgebrochen war. 200 Juden aus Gori sind vorübergehend nach Tiflis ge-
bracht worden, wo sie von der Gemeinde versorgt werden.
Der 13-jährige Jossi Djanaschvili aus Ho-
lon in Israel verbrachte gemeinsam mit seiner zehn Jahre alten Schwester Chava die Sommerferien bei den Großeltern, als die Unruhen begannen. Sofort riefen die Eltern an und drängten sie, ohne Umwege nach Hause zu kommen. Doch nicht nur die Kinder. »Wir sagten ihnen, sie sollten Großmutter und Großvater gleich mitbringen – für immer. Alle vier sind mittlerweile wohlauf in Israel gelandet. Gekommen, um zu bleiben.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

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