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Aufbau in Los Angeles

von Benjamin Rosendahl

Wenn man heutzutage an erfolgreiche Juden im Sport denkt, fallen einem als erstes Namen von Managern, Teambesitzern und sonstigen, eher im Hintergrund agierenden Funktionären ein – Roman Abramowitz (Chelsea) oder David Stern (NBA) kommen einem da in den Sinn. Sportsmänner (oder -frauen) hingegen, die statt eines Armani- einen Jogginganzug tragen, sind eher selten. Zwar bot der Olympiasieger Gal Friedmann allen Grund zum Stolz – aber Hand auf’s Herz: Wer interessiert sich schon für Wettsegeln? Lang ist es her, als Motti Spiegler gegen den derzeitigen Weltmeister Italien in der Fußball-WM ein Tor schoss, als Hakoach Wien Europameister im Fußball war, als Mark Spitz sieben Goldmedaillen (bis heute Weltrekord) im Schwimmen gewann, kurzum: als der Begriff »Muskeljude« noch in aller Munde war.
Das Warten hat ein Ende: Der neue Vertreter des Muskeljudentums heißt Jordan Farmar, ist 1,88 groß, 20 Jahre alt – und der erste jüdische professionelle Basketballspieler der NBA (National Basketball Association). Er spielt als Aufbauspieler bei den Los Angeles Lakers. Man nennt ihn bereits »den jüdischen Jordan« (den Namen hat er immerhin schon). Seine Mutter, Belinda Baker, ist Jüdin iranischer Herkunft, die in erster Ehe mit dem Afro-Amerikaner Damon Farmar (übrigens ein früherer Baseballspieler) verheiratet war – Jordans Vater.
Am 30. November 1986 wurde Jordan Robert Farmar geboren. Die Ehe seiner Eltern hielt jedoch nicht lange, und so ließ sich Belinda bereits zwei Jahre später von Damon Farmar scheiden. Aufgezogen hat ihn Belindas zweiter Ehemann, Yehuda Kolani, ein Israeli. Jordan wuchs somit nicht nur in einem jüdischen Zuhause auf, sondern auch mit der hebräischen Sprache. Auch besuchte er Israel einige Male. Und er schämt sich nicht seiner jüdischen Identität: In einem Interview mit der Zeitschrift »Anachnu be Amerika« (Wir in Amerika) sagt Jordan, dass er sehr stolz auf die Unterstützung der jüdischen Gemeinde und die Auszeichnung als »bester jüdischer Sportler« ist.
Diese Ehrenbezeichnung kommt nicht von ungefähr: Bereits in der Taft High School zeigte sich Jordans Talent: Er hatte einen Durchschnitt von 27,5 Punkten pro Spiel, brach einen Rekord mit 54 Punkten in einem Spiel und wurde zum »Los Angeles Time«-Spieler des Jahres ernannt. So war es nur folgerichtig, dass er auch auf der Universität, der UCLA (University of California), weiterspielte – und das mit großem Erfolg: Er wurde in das All-Pac-10-Team (sozusagen das Team der besten 10) geholt, führte die UCLA zum Finale in der Universitätsliga NCAA und erzielte dort sagenhafte 18 Punkte – zum Sieg reichte es aber dann doch nicht.
Von da an war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die NBA von Jordan Farmar hören würde: Seit Juni 2006 spielt er bei den Los Angeles Lakers. Der israelischen Zeitung Yedioth Ahronoth sagte Farmar: »Ich bin Jude, und das Judentum ist Teil von mir. Ich will aber ein Basketballspieler sein, der von jedem bewundert wird, nicht nur von einer Gemeinschaft. Schließlich bin ich auch halb schwarz.«

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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