Seele

Auf Empfang

von Baruch Rabinowitz

Bamidbar heißt der Wochenabschnitt. Es ist auch die Bezeichnung für das vierte Buch Mose. Die Namen jedes einzelnen Buches haben eine ganz besondere Bedeutung. Sie sind eine Art Meilenstein auf unserem spirituellen Lebensweg. So bedeutet Bereschit »der Anfang« oder sogar zwei Anfänge. Wir erfahren in diesem Buch nicht nur von dem Ursprung der Welt, sondern von unserem eigenen. Wir lesen von unserem Paradies, von der Unschuld die wir verlassen mußten, um den eigenen persönlichen Weg zurück zu Gott und uns selbst zu finden. Wir wandern zusammen mit Abraham in das Land, das wir nicht kennen, um das Gebot Gottes Lech Lecha – finde zu dir selbst, zu erfüllen.
Im zweiten Buch, Schemot, lernen wir das Wesentliche zu erkennen. Schem bedeutet nicht nur »Name«, sondern Wesenskern. Am Anfang des Buches offenbart Gott seinen Namen: YHWH – der uns aus Ägyten führt. Damit geht die geistige Reise weiter, auf der wir auch unseren Wesenskern erkennen und uns von unserer persönlichen Sklaverei befreien sollen.
Als freie Menschen können wir dann mit dem dritten Buch, Wajekra, beginnen. Wajekra bedeutet »gerufen werden«. Es geht um den priesterlichen Dienst, zu dem wir als Gottes Kinder berufen sind. Wenn wir dieses Kapitel verstanden haben, sind wir zu einer persönlichen Audienz mit Gott eingeladen.
Bamidbar hat mehrere Bedeutungen. Midbar ist die Wüste. Das gleiche Wort, nur mit anderer Vokalverteilung bedeutet »zu sprechen«. Bet am Anfang bedeutet zwei. Also zwei, die miteinander in der Wüste sprechen. Erstaunlich, daß Gott ausgerechnet die Wüste und nicht eine Stadt, einen Wald oder ein Feld für diese Begegnung wählt, sondern lebloses Land. Aber eben dort treffen wir Gott von Angesicht zu Angesicht. In unserem Leben hören wir tausende von Stimmen. Nur ganz wenigen gelingt es, sie voneinander zu unterscheiden. Sie verursachen in unserer Seele einen Lärm, als ob wir hundert verschiedene Radiosender gleichzeitig empfangen. Um Gottes Stimme zu hören, müssen wir zunächst sie ausschalten oder zumindest leiser machen. Genau so wie wir in der Lage sind, uns für eine bestimmte Sendung zu entscheiden, obwohl es zahlreiche andere gibt, können wir uns auf Gottes Sendung konzentrieren. Wenn wir uns mit Torastudium, Gebet, Meditation und Erfüllung von Geboten beschäftigen, wird das auch unseren Alltag bestimmen. Man ist nicht das, was man ißt, sondern das, was man denkt. Auf dem Weg, den der Mensch gehen will, wird er begleitet, steht im Talmud. Unsere Gelehrten erklären diesen Satz: Jeder einzelne Gedanke erschafft die Energie und die Voraussetzungen, um ihn im realen Leben umzusetzen. Wenn wir etwas sehr stark wünschen und daran denken, sind die Chancen sehr groß, daß wir genau das auch bekommen, egal ob das gut oder schlecht ist. Deswegen sollte man sehr vorsichtig mit seinen Wünschen und Gedanken umgehen.
Je mehr verschiedene Gedanken man hat, desto weniger Energie ist auf die einzelnen verteilt. So wie mit einer Batterie, an die viel zu viele Geräte angeschlossen sind. Der erste Schritt ist, sich von unnötigen Sehnsüchten und Gedankenstimmen zu befreien. Sich auf Gott und das Göttliche zu konzentrieren, wird uns ihm näher bringen und seine stille Stimme klarer machen. Unsere Seele ist wie ein Radiogerät, unser Geist ist die Antenne. Unsere Gedanken, Ziele und Sehnsüchte sind der Abstimmregel – sie richten uns auf den Sender aus. Wir müssen unsere seelische An- tenne auf die göttliche Frequenz einstellen, um seine Weisungen, die wir so verzweifelt suchen, empfangen zu können. Gottes Welle ist aber am deutlichsten in der Wüste zu hören, die wir in uns, in unserem Herzen finden können.
Der kabbalistische Kommentar von Baal HaTurim erklärt auch, warum das Buch Bamidbar heißt. Man soll sich selbst wie eine Wüste – endlos und leer – vor Gott öffnen. Erst dann kann man die Tora und die Gebote verstehen. Nur ein Mensch, der sich offen macht, kann von Gott persönlich angesprochen werden. Dafür braucht man Stille und Leere, um Gottes Stimme hören zu können und Bereitschaft, die Weisungen Gottes zu befolgen.
Wir können uns dieser Welt und ihrem Lärm nicht entziehen. Aber wir können in uns eine Insel schaffen, eine Wüste in der wir immer wieder Gott begegnen werden, ganz alleine. Wenn es uns gelingt, dann wird diese Wüste zum Allerheiligsten in unserem Leben. Dort wird eben nicht erwartet, daß wir irgendetwas darstellen, gut drauf und lebendig sind. Ganz im Gegenteil, müde und leer werden wir dort wieder aufgebaut und können unser seelisches Gleichgewicht wiederfinden.
Nach unserem Aufenthalt in der Wüste können wir dann zurückkehren und die Lehre des fünften Buches Mose, Dewarim, lernen. Dewarim kann auch mehrfach übersetzt werden: Worte und Taten. In diesem Buch werden die meisten Gebote noch mal wiederholt. Es wird eine Frage gestellt: Sind das, was wir gelernt und von Gott offenbart bekommen haben, also nur Worte oder haben wir sie in Taten umgewandelt?
Jeder positive Gedanke, jedes Wort und jede Tat werden für uns ein weiterer Schritt auf dem Weg ins Gelobte Land sein. Und die Wüste, in der Gott immer auf uns wartet.

Bamidbar: 4. Buch Moses 1,1 - 4,20

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026