Auszug

Am Anfang war der Weg

von Rabbiner Joel Berger

An diesem Schabbat beginnen wir in den Synagogen die Lesung des fünften Mosebuches. Es wird auch »Mischne Tora«, Wiederholung der Tora, genannt. Moses wiederholt in seinen mahnenden Worten die we‐ sentlichen Inhalte der Tora, als das Volk Israel an der Grenze des Heiligen Landes steht. Am Anfang seiner Rede vernehmen wir den Hinweis, dass er »jenseits des Jordans, in der Wüste«, zum Volk sprach. Dann folgt die Beschreibung der Reiseroute der Wanderung der Kinder Israels: »Elf Tage sind es von Horeb (Sinai) durch das Gebirge Seir bis in die Wüste von Kadesch Barnea« (5. Buch Moses, 1,2).
Trotz der Entfernung von nur elf Tagesmärschen dauerte die Reise der Israeliten 40 Jahre lang. Die Rabbinen sehen darin einen kaum verdeckten Vorwurf Moses’ an das Volk, den er nie unterlassen konnte. Der Midrasch bemerkt auch, dass, wenn sich Israel der göttlichen Erwählung als würdig erwiesen hätte, es möglich gewesen wäre, das Land der Verheißung in nur elf Tagen zu erreichen. Da das Volk aber wegen zahlreicher Verfehlungen für schuldig befunden wurde, zog es die Strafe der 40‐jährigen Wanderung in der Wüste auf sich.
Während jener 40 Jahre wuchs eine neue Generation heran, die nichts mehr mit den »Fleischtöpfen Ägyptens« im Sinn hatte. Daher richtete sich diese erste Rede Moses’ vor der Landnahme an diese neue Generation. Sie beinhaltet einen historischen Rückblick auf die Ereignisse während der Wüstenwanderung vom Berge Sinai, vor der Offenbarung bis zum Erreichen des Jordans. Es sollte unseren Vorfahren klargemacht werden, worin die Gründe jenes Strafurteils lagen, und weshalb die Reise nicht während der von Moses berechneten elf Tage bewältigt werden konnte.
Der erste Anlauf zur Landnahme offenbarte die Tatsache, dass Moses wegen der steigenden Zahl der Israeliten nicht mehr allein Herr über die Schwierigkeiten in der Führung des Volkes sein konnte. Daher ließ er gebildete und bewährte Männer wählen, die die Verantwortung gleichermaßen für die Lasten, wie auch für die Rechtshändel des Volkes mittragen sollten. Moses legte den gewählten Verantwortlichen ans Herz:
»Entscheidet gerecht! Sei es der Streit eines Mannes mit seinem Bruder oder mit einem Fremden. Kennet vor Gericht kein Ansehen der Person … Lasst euch durch das Ansehen eines Menschen nicht aus der Fassung bringen, denn die Gerechtigkeit kommt von Gott …« (5. Buch Moses, 1,16).
Der Talmud, die Schatzkammer der nachbiblischen Tradition, fügt zu dieser Stelle hinzu: Der hebräische Ausdruck am Anfang des Toraverses »Schamoa ben achecha« bedeutet, dass der Richter beide Parteien unterschiedslos anhören muss. Außerdem steht es dem Richter nicht zu, den Einen in Abwesenheit des Anderen zu verhören. Aber der zitierte hebräische Ausdruck beinhaltet auch eine Warnung an die streitenden Parteien: Keiner sollte der Versuchung erliegen, vor dem Erscheinen seines Gegners den Richter auf irgendeine Weise beeinflussen zu wollen.
Ferner sagt der Talmud zum früher zitierten Vers: Ein Richter müsse alles meiden, was bei seiner Tätigkeit als Bestechung oder Einflussnahme ausgelegt wer‐ den könnte. Dies wird durch die Aussage eines prominenten Gelehrten des Talmuds verdeutlicht. »Rabbi Chanina sagte: Dies beinhaltet die Ermahnung des Gerichts, nicht die eine Streitpartei zu hören, bevor die andere angekommen ist, und die Ermahnung an die Streitpartei, ihre Sache nicht dem Gericht vorzulegen, bevor der Gegner ankommt. Wende das Schriftwort: ›Richtet mit Gerechtigkeit zwischen einem Manne und seinem Bruder‹ an.« (Babylonischer Talmud, Sanhedrin 7b).
Es wird über den babylonischen Talmudgelehrten Samuel erzählt, dass ihm ein Mann über eine Notbrücke hinüberhalf. Samuel erkundigte sich nach seinem Namen und erfuhr, dass er der Kläger in einem Fall war, in dem er selbst als Richter auftreten musste. Der Gelehrte sagte zu ihm: Mein Freund, nach deiner Hilfeleistung bin ich in deinem Rechtsstreit als Richter nicht mehr geeignet. Man könnte mir ansonsten vielleicht Parteinahme vorwerfen.
Dieser Schabbat wird nach seiner Lektüre aus den Prophetenbüchern »Schabbat Chason« genannt. Mit dem Wort »Vision Jesajas« beginnt das Buch des Propheten. Diese Vision wird alljährlich vor dem größten Trauertag unserer altertümlichen Geschichte, dem neunten Tag des Monats Aw, vorgetragen. Dieser Tag gilt als Gedenktag der Zerstörung des ersten Salomonischen Tempels, wie auch des jüdischen Staates durch die Babylonier. Sechseinhalb Jahrhunderte später, am gleichen Tag, wurde der zweite »Herodianische« Tempel von den Römern Vespasian und Titus zerstört. Die nachfolgende Vertreibung unseres Volkes aus seinem Land bewirkte, dass die meisten von uns bis heute in der Diaspora außerhalb des Vatterlandes leben.

Pinchas: 5. Buch Moses 1,1 – 3.22

Grossbritannien

Der Mops, die rechte Pfote und der Hitlergruß

Jüdischer Verband kritisiert BBC: Sender zeigt Film über verurteilten Schotten und dessen umstrittenen Hund Buddha

 05.08.2019

Pferdesport

Israelin Dani G. Waldman siegt vor Ludger Beerbaum

Bei der dritten Auflage des Fünf‐Sterne‐Reitturniers in Berlin gewinnt die für Israel startende Amerikanerin 

 27.07.2019

Milton Glaser

Er liebt New York

Der US‐Designer feierte seinen 90. Geburtstag

von Christina Horsten  26.06.2019