Treffen

Abstand halten

von Pierre Heumann

Anderthalb Stunden länger als ursprünglich geplant, dauerte am vergangenen Dienstag das Treffen im Weißen Haus. Das ist in Washington unüblich, und deshalb darf gerätselt werden: Waren die Differenzen zwischen US-Präsident Barack Obama und Israels Premier Benjamin Netanjahu dermaßen groß, dass sie in der angesetzten Frist nicht genügend ausgeleuchtet werden konnten? Oder war das Klima am Gipfel so angenehm, dass die beiden beschlossen, den vorgegebenen Zeitrahmen zu überschreiten?
Was hinter geschlossenen Türen debattiert wurde, ist zwar nicht nach außen gedrungen. Aber die Kluft zwischen Washington und Jerusalem war schon lange nicht mehr so groß wie jetzt. Während Netanjahu gerade mal zaghafte Schritte in Richtung Frieden erwägt, will Obama Israel und die arabischen Staaten an den Verhandlungstisch bringen. Er möchte sich vorrangig um die Probleme im Nahen Osten kümmern und die arabische Friedensinitiative unterstützen.
Am Montag ging der US-Präsident deshalb in die Offensive. Er forderte Israel auf, »schwierige Schritte« zu unternehmen, einen palästinensischen Staat zuzulassen und die Ausweitung von Siedlungen im besetzten Westjordanland zu stop- pen. Seinem Gast aus Jerusalem kann das nicht gefallen haben. Und doch sprach der israelische Premier von einem »guten Anfang« und »gemeinsamen Zielen und Werten«. Es sei ein erfolgreiches Meeting gewesen, sagte er israelischen Journalisten. Obama habe zum Beispiel darauf verzichtet, den Slogan »Zwei-Staaten-Lösung« auszusprechen. Und er teile die Meinung der israelischen Regierung, wonach die Palästinenser nichts erhalten sollen, wenn sie nichts geben. Israel und die USA seien sich zudem einig, dass die iranische Atombombe verhindert werden müsse. Und es sei beiden klar, dass Israel sich das Recht vorbehalte, sich selbst zu verteidigen.
Doch Netanjahus rosiges Resümee ist wohl vor allem Schönrederei. Denn in keiner wesentlichen Frage gelang es ihnen, ihre tiefen Meinungsunterschiede zu überbrücken. So konnte Netanjahu seinen Gastgeber Obama zum Beispiel nicht überzeugen, dass Teherans nukleare Aufrüstung dringendes Handeln erfordert. Obama will sich Zeit lassen. Direkte Gespräche mit einem klaren Zeitplan würden entweder zum Erfolg führen oder deutlich machen, dass der Iran sich selbst isoliere. Er werde die diplomatischen Anstrengungen, mit denen er den Mullahs die Bombe ausreden will, aber nicht befristen, sagte er bei der gemeinsamen Pressekonferenz. Ende des Jahres werde er prüfen, ob sich Teheran in die richtige Richtung bewege, sagte Obama. Erst dann werde er über eine Verschärfung der Sanktionen nachdenken. Von militärischen Aktionen sprach der US-Präsident nicht.
Ebenso erfolglos blieb Netanjahus Versuch, die iranische Bombe ganz oben auf Obamas Prioritätenliste zu setzen. Der US-Präsident war nicht bereit, die Probleme »Iran« und »Palästina« miteinander zu verknüpfen.
Der US-Präsident ließ auch keinen Zweifel daran, dass er darauf besteht, dass die Palästinenser einen eigenen Staat erhalten sollen. Höflich und diplomatisch, aber zugleich unmissverständlich und gönnerhaft machte Obama dem israelischen Regierungschef klar, dass er von ihm Flexibilität in der Palästinafrage erwarte. Dafür rühmte Obama Bibi als einen Politiker mit »außergewöhnlichem Geschichtssinn«. Er habe jetzt eine bedeutende Chance, ernsthaft Bewegung im Na- hen Osten zu bewirken. »Es gibt keinen Grund, warum wir diese Gelegenheit jetzt nicht ergreifen sollten«, mahnte Obama.

Glosse

Der Rest der Welt

Einmal Gastro, immer Gastro

von Margalit Edelstein  14.10.2026

7. Oktober

Steinmeier: Antisemitische Hetze unerträglich aufgeflammt

Der schlimmste Anschlag auf Jüdinnen und Juden seit der Schoa: Der Bundespräsident verurteilt den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023. Und blickt auch auf die Lage im Gazastreifen

 08.10.2026

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026