Düsseldorf

Von Renesse erhält Josef-Neuberger-Medaille

Der Sozialrichter und der Verein »Heimatsucher« werden für ihre Verdienste um die jüdische Gemeinschaft geehrt

Aktualisiert am 20.10.2017, 10:18

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Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf hat den Sozialrichter Jan-Robert von Renesse und den Verein »Heimatsucher« mit der diesjährigen Josef-Neuberger-Medaille ausgezeichnet. Von Renesse erhielt die Auszeichnung am Donnerstagabend für seinen Einsatz für Ghetto-Überlebende. Der Düsseldorfer Verein »Heimatsucher« wurde für ein Schulprojekt geehrt. Die Josef-Neuberger-Medaille wird seit 1991 jährlich an nichtjüdische Menschen verliehen, die sich um die jüdische Gemeinschaft besonders verdient gemacht haben.

Von Renesse habe sich durch sein Engagement für Ghetto-Überlebende hervorgetan, damit diese nach den Regelungen des Ghettorentengesetzes freiwillige Rentenzahlungen erhalten, hieß es bei der Preisverleihung. »Durch sein Wirken, für das der Sozialrichter viel Zuspruch aus der jüdischen Welt, aber auch erhebliche Kritik seitens der deutschen Politik und der Justiz erhalten hat, erhöhte sich die Bewilligungsquote um ein Vielfaches«, erklärte die Jüdische Gemeinde Düsseldorf.

renten Der Justizhistoriker Ingo Müller würdigte in seiner Laudatio von Renesses Tätigkeit als Mitglied des 12. Senats des NRW-Landessozialgerichts in Essen seit 2006, der als Berufungsgericht über Ghetto-Renten zu entscheiden hatte. Nach einem 2002 in Kraft getretenen Gesetz sollten Renten gezahlt werden, wenn der Antragsteller sich zwangsweise in einem Ghetto aufgehalten hatte, dort eine Beschäftigung »aus eigenem Willensentschluss aufgenommen und gegen Entgelt ausgeübt hatte«. Bundesweit waren die Landesversicherungsanstalt Hamburg und die heutige Rentenversicherung Rheinland in Düsseldorf dafür zuständig.

Wie Müller ausführte, wurden in Hamburg lediglich zwölf Prozent und in Düsseldorf vier Prozent aller Anträge positiv beschieden. Das sei anders geworden, als von Renesse sich der Ghetto-Renten annahm, erklärte der Historiker. Der 1966 geborene Richter habe die Antragsteller in Israel aufgesucht, sie in ihrer eigenen Sprache angehört und das Gesetz »weniger engherzig« ausgelegt. Damit erhöhte sich die Anerkennungsquote auf mehr als 60 Prozent.

2009 sorgte das Bundessozialgericht dann dafür, alle früheren restriktiven Entscheidungen neu zu bearbeiten. Von Renesse forderte in einer Petition an den Bundestag, Ghetto-Renten auch rückwirkend zu zahlen. 2014 wurde das Gesetz entsprechend geändert, wodurch die Überlebenden zum Teil erhebliche Nachzahlungen erhielten. Laudator Müller wies auch darauf hin, dass von Renesse für sein Vorgehen jedoch nicht nur Zustimmung erfahren habe. Ihm wurde unter anderem 2010 die Zuständigkeit für die Ghetto-Renten entzogen.

lebensgeschichten Für den Verein »Heimatsucher – Schoa-Überlebende heute« nahm Katharina Spirawski vom Vorstand die Josef-Neuberger-Medaille entgegen. Die rund 100 ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins interviewen Holocaust-Überlebende und geben deren Lebensgeschichten an Kinder und Jugendliche ab der vierten Schulklasse weiter. Die Schüler dadurch würden ermutigt, die Geschichten weiterzutragen, sagte Oded Horowitz, der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde. Laudatorin und NRW-Landtagsvizepräsidentin Carina Gödecke (SPD) sprach von einem »faszinierenden und bewundernswerten« Verein.

Die Josef-Neuberger-Medaille ist nach dem ehemaligen nordrhein-westfälischen Justizminister Josef Neuberger (1902–1977) benannt, der aktives Mitglied der Düsseldorfer Gemeinde war. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Altbundespräsident Roman Herzog, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Düsseldorfer Rockband »Die Toten Hosen«. epd

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