Gemeindetag

Zukunftsvisionen dringend gesucht

Im Gespräch: Marat Schlafstein, Chajm Guski, Laura Cazés, Anja Olejnik und Marc Grünbaum (v.l.) Foto: Event-Images-Berlin

»Der Letzte macht das Licht aus«: Die Mitgliederstatistik der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland verzeichnet seit einigen Jahren sinkende Zahlen. Bei dem gleichlautenden Podiumsgespräch beim Gemeindetags des Zentralrats der Juden diskutierten am Sonntag Marat Schlafstein, Jugendreferent beim Zentralrat, Chajm Guski, jüdischer Blogger und Publizist aus Gelsenkirchen, Anja Olejnik, Programmmangerin beim American Jewish Joint Distribution Committee in Deutschland und Marc Grünbaum, Kultur- und Jugenddezernent und Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt . Laura Cazés, Beraterin der Zentralwohlfahrtsstelle, moderierte.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Werden wir in 20 Jahren das Licht ausmachen müssen? »Ich hoffe nein, und wenn es so wäre, dann haben wir etwas falsch gemacht«, sagt Marat Schlafstein. Chaim Guski fordert dazu auf, sich Statistiken genau anzusehen und daraus Schlüsse zu ziehen. Seine Prognose für 2040: »Es wird keine kleinen Gemeinden mehr geben, sie werden zu größeren Gemeinde zusammengelegt werden müssen.«

APPELL Auch Anja Olejnik glaubt nicht, dass Gemeinden generell gefährdet sind. Sie ruft jedoch dazu auf, »positive Zukunftsstrategien zu erarbeiten. Wir müssen dazu mit allen sprechen«.

Auch Marc Grünbaum geht nicht davon aus, dass es bald keine jüdischen Gemeinden mehr gibt: »Es sei denn, äußere Umstände führen dazu.«

Neben dem demografischen Faktor (die Gemeinden sind überaltert, mehr als 47 Prozent der Mitglieder sind älter als 60 Jahren) spielen auch Austritte eine wesentliche Rolle. Marat Schlafstein beschrieb das Phänomen, dass Mitglieder, die umziehen, oftmals nicht mehr wissen, wo sie überhaupt Mitglied sind. 5000 Personen seien auf diese oder andere Weise den Gemeinden in den vergangenen zehn Jahren verlorengegangen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

FRAGEN Wirkliche Strategien in der Kürze der 90 Minuten zu finden, war unmöglich. Es waren eher Fragen, die aufrütteln sollten. Wiederum ist es Schlafstein, der die mangelnde Willkommenskultur der Gemeinden dafür verantwortlich macht, dass sich Juden bei keiner neuen Gemeinde anmelden. »Wir müssen eine Atmosphäre schaffen, dass Menschen bewusst Mitglied dieser Gemeinschaft sein wollen.«

Rabbiner Jonah Sievers aus Berlin weist aus dem Publikum darauf hin, dass die jüngere Generation grundsätzlich ein Problem mit organisierter Religion hat. »Hier in Berlin können sie sich alles nehmen, sie kaufen sich ihre Dienstleistungen zusammen und erhalten sie, ohne Mitglied der Gemeinde sein zu müssen.«

Marc Grünbaum sieht die Einheitsgemeinde als das »Modell der Zukunft«. Die von ihm präsentierten Strategien – ein breit gefächertes Angebot für junge Menschen, eine bessere finanzielle Ausstattung der Gemeinde und die Schaffung einer Atmosphäre, dass man sich als Gemeinschaft fühlt und Gemeinschaft erlebt – stoßen auf viel Zustimmung der rund 70 Zuhörer. »Dann lasst uns endlich auch anfangen und nicht immer nur reden«, fordert Michael Rubinstein, Geschäftsführer des Landesverbandes Nordrhein, der ebenfalls unter den Zuhörern ist.

»Schauen wir, wie wir es gemeinsam besser machen können«, schließt Laura Cazés ihr Panel und fordert die Gemeinden auf, die Dachverbände in den Strukturprozess mit einzubeziehen.

Interview

»Alija machen ist wie vom Zehnmeterturm springen«

Sie haben Deutschland verlassen und sich für ein Leben in Israel entschieden. Was hat sie dazu bewogen? Ein Gespräch mit vier »Olim« über Zionismus, einen rastlosen Alltag und die Zukunft des Judentums in der Diaspora

von Joshua Schultheis  19.02.2026

Programm

Lesung, Erkundung, Abrechnung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. Februar bis zum 25. Februar

 19.02.2026

Jewrovision

Unterwegs zum Wettbewerb

Die Lieder stehen fest, die Proben laufen – Hunderte Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland fiebern dem Mini-Machane und der Show Mitte Mai schon jetzt entgegen

von Christine Schmitt  19.02.2026

Ukraine-Hilfe

Viele Aufgaben – wenig Geld

Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

von Anja Bochtler  19.02.2026

Potsdam

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Levinson Stiftung vereinbaren enge Zusammenarbeit

Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken

 18.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  18.02.2026

Dresden

Workshops für Polizisten

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Innenministerium unterzeichneten einen Kooperationsvertrag

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Thüringen

Landesgemeinde dringt auf Ehrung von Klaus Trostorff

Klaus Trostorff war Buchenwald-Häftling und leitete später die Mahn- und Gedenkstätte der DDR. Die Jüdische Landesgemeinde will ihm in Erfurt eine Straße widmen

 17.02.2026