Nathan Sharansky

Wiedersehen mit Berlin

Gast und Gastgeber: Natan Sharansky (r.) und Sruel Prajs Foto: Mike Minehan

Natan Sharansky in Berlin. Wer erinnert sich nicht an die spektakuläre Aktion am 11. Februar 1986, als der damalige Dissident gegen einen sowjetischen Spion auf der Glienicker Brücke ausgetauscht wurde? So in den Westen gelangt, konnte er noch am gleichen Tag nach Israel auswandern. Der Physiker wurde auch in der neuen Heimat politisch aktiv, gründete die Einwandererpartei Israel Bealiya und hatte im jüdischen Staat verschiedene Ministerposten inne. Seit dem vergangenen Jahr ist er Chef der Jewish Agency.

In dieser Funktion kam er am Sonntag erstmals zu einem zweitägigen Arbeitsbesuch nach Deutschland. Unter anderem nahm er in Würzburg an einem Treffen von Studenten teil, die im Rahmen des Taglit‐Programms Israel besucht hatten. Am Montagabend war er in Berlin Ehrengast einer Veranstaltung im Privathaus des Berliner Unternehmerehepaares Marina und Sruel Prajs, zu der Keren Hayesod unter dem Titel »Eine Legende kommt nach Berlin« eingeladen hatte.

Glienicker Brücke Im dunklen Anzug und offenen Hemd stellte sich der kleine Mann mit der großen Geschichte vor die rund 80 Gäste und erzählte von seinem Leben als assimilierter sowjetischer Jude in der Ukraine. Er berichtete von seiner Zeit als Gründer und Sprecher der Refusenik‐Bewegung, jener russischer Juden, denen die Möglichkeit einer Emigration verweigert wurde, und seiner Haft im sibirischen Gulag. Und schließlich sprach er über »den aufregendsten Tag meines Lebens« vor 24 Jahren, als er über die Glienicker Brücke in die Freiheit schritt.

Bereits dreimal sei er in den Jahren danach in der Stadt gewesen. Für ihn immer noch ein besonderes Erlebnis. Am Montag ließ er nach einem kurzen Abstecher zur jüdischen Gemeinde Potsdam auf dem Weg zum Treffen mit Vertretern der Berliner Gemeinde seinen Wagen kurz anhalten. »Ich bin an der Glienicker Brücke ausgestiegen und noch einmal zur Fuß hinübergegangen.«

Er sei stolz, mit der Jewish Agency Vorsitzender einer Organisation zu sein, die Millionen Juden geholfen habe, nach Israel zu gelangen. Keren Hayesod habe dies mit seinen Spendenaktionen stets unterstützt. Und es gelte weiterhin, Juden in aller Welt zur Seite zu stehen, damit sie ihre jüdische Identität stärken oder erst entdecken könnten. »Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig das ist.«

Gerade in Deutschland sollten daher besondere Anstrengungen unternommen werden, gegen die Gefahr der Assimilation anzukämpfen. Deshalb wolle er bald wieder nach Berlin kommen, wahrscheinlich bereits im Herbst, kündigt Natan Sharansky an.

Düsseldorf

Zu Hause an Rhein und Ruhr

Knapper, präziser, jünger – die Jüdischen Kulturtage haben eine Wandlung vollzogen

von Annette Kanis  22.03.2019

Nachruf

Mahner und Gelehrter

Am Donnerstag verstarb Rabbiner Ernst Stein im Jüdischen Krankenhaus Berlin

von Rabbiner Andreas Nachama  22.03.2019

Frankfurt

»Wir brauchen einen langen Atem«

Lehrer schließen Kooperationsvertrag zur Antisemitismusprävention an Schulen

von Eugen El  21.03.2019