9. November

Virtuelles Erinnern

Ein kurzer Blick über die Schulter, und plötzlich steht man mitten in der schlicht gestalteten, lichtdurchfluteten Synagoge im sächsischen Plauen. Dort die dezent verzierte Ostwand, der Toraschrein, hier die blau-grau gestrichenen Wände, die leeren Sitzbänke. Die neusachliche Ästhetik des von Fritz Landauer entworfenen, 1930 eingeweihten, im November 1938 in Brand gesteckten und zerstörten Baus tritt wieder sinnlich erfahrbar zutage. Alles wirkt lebensnah und echt. Virtuelle Realität.

Seit mehr als 25 Jahren widmet sich der Ingenieur Marc Grellert vom Fachgebiet Digitales Gestalten der TU Darmstadt der Rekonstruktion zerstörter deutscher Synagogen am Computer. Einige seiner Werke waren am 9. November anlässlich des Gedenkens an die Pogromnacht 1938 öffentlich zu sehen.

world jewish congress »Achtzehn von den Nationalsozialisten zerstörte oder schwer beschädigte Synagogen werden dank digitaler Technologie in der Nacht vom 9. auf 10. November für wenige Stunden wieder in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlen«, kündigte der World Jewish Congress (WJC) im Vorfeld an.

https://twitter.com/WorldJewishCong/status/1458055860211621891

Gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden nahm er den 83. Jahrestag der Pogromnacht zum Anlass, an den historischen Standorten die digital rekons­truierten Synagogen auf die heutigen Gebäude oder Leinwände zu projizieren. So sollte an das ehemals reichhaltige und vielfältige jüdische Leben erinnert werden. Neben fünf Standorten in Österreich waren in 13 deutschen Städten Projektionen zu sehen, darunter in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt/Main und Köln. Zum Teil konnte man sich mit einer Virtual-Reality-Brille darin bewegen.

Am Anfang des Projekts standen die virtuelle Rekonstruktion von drei Frankfurter Synagogen und eine Ausstellung im dortigen Jüdischen Museum. »Das Echo war so überwältigend, dass wir uns entschlossen, weiterzumachen«, erinnert sich Grellert. Eine aufwendige Puzzlearbeit auf der Grundlage alter Fotografien, Baupläne, Zeitzeugenberichte und zeitgenössischer Zeichnungen. ja

Jüdischer Wahlkämpfer

»Wer nicht kämpft, hat schon verloren«

David Rosenberg über den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, die Niederlage seiner Partei und warum er sich gerade als junger Jude weiter politisch engagieren will

von Mascha Malburg  27.03.2026

Kommentar

Lieber Meron Mendel, das ist keine Politik mit Kettensäge. Das nennt man Demokratie!

Öffentliche Mittel sind an Wirkung gebunden. Maßnahmen müssen überprüfbare Ergebnisse erzielen. Bleibt diese Wirkung aus, endet ihre Legitimation

von Stefan Hensel  27.03.2026

Beziehung

Von Menschen und Wölfen

Laura Goldfarb ist vieles: Therapeutin, Schauspielerin – und Autorin. Mit ihrem Mann hat sie einen Paar-Ratgeber geschrieben, der anders ist als andere. Zu Besuch im Prenzlauer Berg

von Bettina Piper  26.03.2026

Rede

Zentralrat der Juden verteidigt Karin Prien

In Erfurt sprach Josef Schuster über den Status quo Jüdischen Lebens in der Bundesrepublik. Dabei ging Schuster auch auf das Programm »Demokratie leben« und die Kritik an die Familienministerin ein

 25.03.2026

Programm

Ferienprogramm, Retrospektive und ein Rache-Musical: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 26. März bis zum 2. April

 25.03.2026

Turnier

Fliegende Kippot

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Pascal Beck  24.03.2026

Sachsen

Rund 1000 Veranstaltungen zum »Jahr der jüdischen Kultur«

Unter dem Titel »Tacheles« steht in Sachsen 2026 das jüdische Leben im Mittelpunkt. Zahlreiche Akteure beteiligten sich. Das Programm wächst noch immer

von Katharina Rögner  24.03.2026

Rothenburg

Unter dem Pflaster

Als im vergangenen Sommer bei Grabungsarbeiten die Fundamente einer Synagoge entdeckt wurden, war das eine Sensation. Messungen zeigen nun: Sie war eine der großen

von Marc Peschke  23.03.2026

Kulturprogramm

Von Spezialitäten und Zumutungen

Der Schriftsteller Dmitrij Kapitelman las im Jüdischen Gemeindezentrum aus seinem jüngsten Buch

von Nora Niemann  23.03.2026