Jüdischer Nationalfonds

»Viele Spenden aus dem Ausland«

Johannes Guagnin Foto: Marco Limberg

Herr Guagnin, wie geht es dem Wald in Israel, und wie begehen Sie Tu Bischwat?
Wir hatten bisher einen recht trockenen und warmen Winter mit bedeutend weniger Niederschlag als im Durchschnitt. Dementsprechend leiden die Wälder dieses Jahr. Ich hoffe, dass in den nächsten Tagen etwas Regen fällt. Die Pflanzungen, die wir zu Tu Bischwat durchführen, müssen wir sonst demnächst angießen. Die Wälder, die der Jüdische Nationalfonds unterhält, sind sehr beliebte Ausflugsziele der Bevölkerung, um sich zu erholen. Durch den warmen Winter gibt es schon sehr schöne Blumen, ich habe heute fantastische Purpur-Iris gesehen, eine Schwertlilie, die normalerweise erst Mitte Februar herauskommt. Und die Mandelbäume blühen. Die Anemonen, die Frühlingsboten, stehen in voller Blüte und der Rote Süden, der Darom Adom, kurz vor der vollen Pracht. Am Wochenende werden wieder viele Israelis in den Negev kommen und diesen Frühling erleben wollen.

Wie ist es um die Einstellung der Menschen zum Naturschutz und die Spendenbereitschaft nach der Pandemie bestellt?
Die meisten Spenden generieren sich im Ausland, und wir sind sehr froh, dass trotz der Pandemie und der Schwierigkeiten in Europa, wie Inflation oder steigende Kosten, die Solidarität mit Israel und die Bereitschaft, für den Jüdischen Nationalfonds zu spenden, weiterhin bestehen. Wir haben in Deutschland viele Unterstützerinnen und Unterstützer, und das gibt mir Kraft, wieder in Israel zu arbeiten.

Sie sind von Berlin nach Israel zurückgekehrt. Warum?
So eine Gesandtschaft ist immer auf Zeit. Die neue Hauptdelegierte des KKL Israel für Deutschland ist Ruth Eitan. Ich bin Forstingenieur und wollte nach fünf Jahren in meinen Herzensberuf zurückkehren, nach Israel in die Forstabteilung. Ich bin sehr glücklich mit meinen Bäumen.

Einmal andersherum gefragt: Können Berliner und Brandenburger Förster angesichts immer trockenerer Sommer etwas von Israel lernen, gibt es gemeinsame Projekte?
Aktuell gibt es keine koordinierte Zusammenarbeit, aber es gibt Kontakte auf verschiedenen Ebenen und einen Austausch zwischen Förstern. Vier Kollegen waren gerade in Essen auf der internationalen Pflanzenmesse, der Weltmesse des Gartenbaus, darunter die Leiter der drei betriebseigenen Baumschulen in Israel und der Verantwortliche für das Saatgut. Sie konnten im Rahmen ihres Besuchs Baumschulen in Deutschland besuchen sowie die Forstbehörde in Nordrhein-Westfalen (NRW), wo sie sich über Fragen austauschen konnten: Wie kann man die Wälder fit machen für den Klimawandel? Welche Ansätze gibt es dazu in NRW? Welche in Israel? Da ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sehr hoch, weil es um ähnliche Themen geht.

Hat Israel aufgrund des Klimas einen Vorsprung gegenüber Deutschland und dem Rest Europas?
Wir haben ja verschiedene Klimazonen. Im Süden Israels betreiben wir seit mehr als 15 Jahren Aufforstung, hier haben wir von jeher extrem wenig Niederschlag. Wir spüren die Auswirkungen von trockenen Jahren und höheren Temperaturen im Wald natürlich besonders und sind gefordert. Wir müssen Lösungen zu nachhaltigem Waldschutz finden und bei der Baumartauswahl sowie bei den beweglichen Eigenschaften der Bäume vor allem intensiv darauf achten, dass sie eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit haben, insofern haben wir da einen kleinen Vorsprung.

Mit dem ehemaligen Gesandten des Jüdischen Nationalfonds Keren Kayemeth LeIsrael in Deutschland (JNF KKL) sprach Helmut Kuhn.

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