Oldenburg

Verborgen im Stadtmuseum

Feierliche Übergabe: Provenienzforscherin Sabine Stührholdt, Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, Gemeindevorsitzende Elisabeth Schlesinger, Ernst Sittig und Rabbinerin Alina Treiger (v.l.) Foto: Sascha Stüber

Die Jüdische Gemeinde zu Oldenburg hat in einem Festakt am Mittwoch offiziell den Grundstein der alten Oldenburger Synagoge zurückerhalten. Der Grundstein befand sich lange Jahre im Bestand des Stadtmuseums Oldenburg und konnte nun restituiert werden. »Wir freuen uns sehr, der Jüdischen Gemeinde heute offiziell den Grundstein der 1938 zerstörten Synagoge zurückgeben zu können«, sagte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann.

»Dass der Grundstein von nun an als Leihgabe im Stadtmuseum bleibt, drückt zugleich die enge Verbundenheit zwischen der Gemeinde und der Stadt Oldenburg aus und hält die Erinnerung an das entstandene Unrecht auch in Zukunft wach«, sagte Krogmann weiter. Sowohl der Grundstein als auch wesentliche Teile des ehemaligen Inhalts werden ab Sommer 2019 im Stadtmuseum ausgestellt werden.

Dauerausstellung Als Teil der Dauerausstellung ist der symbolhaltige Stein ein wichtiger materieller Zeitzeuge, um an die Geschichte der Jüdinnen und Juden in Oldenburg und die Verbrechen der NS-Zeit zu erinnern, wie Elisabeth Schlesinger, erste Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg, betont: »Gerne geben wir den restituierten Grundstein der 1938 zerstörten Oldenburger Vorkriegs-Synagoge als steinernen Zeugen und als Dauerleihgabe an das Oldenburger Stadtmuseum. Erinnern und Lernen: Für das jüdische Volk ist das von jeher ganz essenziell, und es deckt sich mit dem Auftrag eines Museums.«

Obwohl der Stein noch 1988 in einer Ausstellung gezeigt wurde, geriet er in Vergessenheit.

Das Erinnern habe nicht an Bedeutung verloren, sagte Schlesinger: »Die Zeit der Weimarer Republik ist sicherlich nicht mit der heutigen Zeit zu vergleichen. Aber in mancherlei Hinsicht wecken die aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland, in Europa und auch weltweit mit dem wiederaufkeimenden Nationalismus und dem Erstarken der rechtspopulistischen Bewegungen und Parteien ungute Erinnerungen und Befürchtungen, nicht nur bei jüdischen Menschen. Die verhängnisvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts soll sich nicht in abgewandelter Form wiederholen!«

Pogromnacht Der Grundstein war 1854 in der Peterstraße im Beisein von Großherzog Nicolaus Friedrich Peter, Regierungsvertretern und Geistlichen der christlichen Gemeinden feierlich gelegt worden. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge zerstört.

1959 tauchte der Grundstein bei Bauarbeiten wieder auf. Während sein Inhalt damals an die Jüdische Kultusvereinigung zu Oldenburg übergeben wurde, gelangte der leere Stein in die Sammlungen des Stadtmuseums Oldenburg. Obwohl der Stein noch 1988 in der Sonderausstellung Die Geschichte der Oldenburger Juden und ihre Vernichtung gezeigt wurde, geriet er zunächst in Vergessenheit.

Der ursprüngliche Inhalt des Steins – zwei gravierte Platten, Münzen und Grundrissskizzen sowie religiöse Texte – befindet sich heute im Besitz des Braunschweigischen Landesmuseums.  ja

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