Sukkot

»Symbol für Austausch und Offenheit«

Am Sonntagnachmittag feierten viele in Berlin das Laubhüttenfest. Foto: Gregor Zielke

Am Sonntagnachmittag feierten viele Besucher in den Synagogen Berlins das Laubhüttenfest, darunter im Seniorenzentrum der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in der Dernburgstraße, in der Synagoge Fraenkelufer sowie in der Synagoge Münstersche Straße von Chabad Lubawitsch.

Zahlreiche Synagogen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, sowohl orthodoxe als auch liberale, hatten zu einem gemeinsamen generationenübergreifenden Familienfest in den Garten des Seniorenzentrums in der Dernburgstraße eingeladen, darunter die Synagogen Ryke- und Pestalozzistraße, die Zentrale Orthodoxe Synagoge Joachimsthaler Straße, Sukkat Schalom und der Minjan LeDor Wador des Jeanette-Wolff-Heims. Tatkräftige Unterstützung erfuhren sie dabei vom American Jewish Joint Distribution Committee (JDC), dem Jüdischen Frauenverein, der Raoul-Wallenberg-Loge und vom Jugendzentrum Olam.

»Schließlich geht es bei Sukkot viel um Austausch und Offenheit«, erklärte Rabbiner Boris Ronis, einer der treibenden Kräfte hinter dem Konzept, »auch zwischen den Generationen«. Der Gemeinderabbiner, der in der Synagoge Rykestraße amtiert, verwies auf die jüdische Tradition, zu Sukkot jeden Tag »Uschpisin«, also symbolische Gäste, in die Sukka einzuladen.

gäste »Diese Ehrengäste sind unsere Vorväter Awraham, Jizchak, Jakow, Mosche, Aharon, Josef und David«, sagte Ronis. Aber sie seien eben nur symbolisch. »Ganz real dagegen sind unsere Eltern und Großeltern«, betonte der Gemeinderabbiner der Synagoge Rykestraße. Deshalb sei die Sukkotfeier von Anfang an als generationsübergreifendes Projekt geplant gewesen.

Neben den Kindern und Eltern hatten vor allem die Großeltern und Senioren an dem Trubel ganz offensichtlich ihre Freude. Auf einem Balkon konnte man sogar beobachten, wie ein Pfleger mit einer älteren Dame zu israelischer Musik ein Tänzchen wagte. Emanuel Adiniaev von der Repräsentantenversammlung glaubt an das Potenzial von Veranstaltungen wie dieser: »Es gibt eine Art Magnetwirkung – vor allem für Jüngere, die mitmachen wollen.«

Und Heinz Rothholz, Gabbai in der Synagoge Pestalozzistraße, freute sich über das Wiedersehen mit alten Bekannten: »Nicht der eigene religiöse Standort steht hier im Vordergrund, sondern der Wunsch und das Bedürfnis nach einer gefestigten jüdischen Gemeinschaft«, so seine Beobachtung. Bei goldenem Oktoberwetter feierten bis in die frühen Abendstunden rund 500 Gäste.

Spezialitäten Reichlich Andrang herrschte auch bei Chabad in der Münsterschen Straße. »Über 300 Besucher dürften es schon gewesen sein«, sagte sichtlich zufrieden Rabbiner Shmuel Segal. Bereits am Mittwoch hatte man auf dem eigenen Areal des Jüdischen Bildungszentrums eine riesige Laubhütte errichtet und mit verschiedenen Aktionen begonnen.

»Der Höhepunkt aber war eindeutig der Sonntag mit unserer großen Sukkotfeier«, sagte Segal. Vor allem Familien mit Kindern waren erschienen und genossen koschere Spezialitäten aus Israel sowie das umfangreiche Kulturprogramm. »Und damit die Stimmung richtig gut wurde, hatten wir eigens einen Sänger aus Antwerpen engagiert.« Zudem fand parallel zu der Sukkotfeier eine kleine Batmizwa statt – Grund zum ausgelassenen Feiern gab es also gleich mehrfach.

pitot Musik und Genuss standen auch im Mittelpunkt der Sukkotfeier der Synagoge Fraenkelufer. »Klezmerklänge und israelisches Essen zu Sukkot – diese Kombination kam offensichtlich gut an bei unseren rund 180 Gästen«, berichtete Nina Peretz, Vorsitzende des Vereins Freunde des Fraenkelufers, nicht ohne Stolz.

Eingeladen dazu hatte auch die israelische Kulturinitiative Habait. »Schon eine Stunde vor Beginn erschienen die ersten Besucher, um sich einen Platz in der Sukka zu sichern«, erzählt sie. Beim israelischen Buffet im Kiddusch-Raum – mit selbst gebackenen Pitot, Ziegenkäse auf Pfirsich und geröstetem Gemüse – gab es viele Möglichkeiten für Begegnungen und Gespräche. rb/ja

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