Paulskirche

Streiterin für Demokratie

Gedenkstunde in der Frankfurter Paulskirche für Trude Simonsohn Foto: TR

»Ihr müsst auf Freundschaft bauen, den Weg gemeinsam gehen, auf eure Kraft vertrauen und zueinanderstehen.« Als die Schauspielerin Ursula Illert die Schlusshymne der Kinderoper Brundibár vorliest, bricht ihre Stimme.

Diese Sentenz sei, erläutert die Sozialwissenschaftlerin Elisabeth Abendroth, Trude Simonsohns »Nationalhymne« gewesen. Simonsohn sah Brundibár in Theresienstadt. 1944 wurde sie zusammen mit ihrem Mann Berthold in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. »Nach einer Stunde in Auschwitz habe ich genau gewusst, wo ich bin: in der Hölle«, heißt es in ihren Erinnerungen.

Sozialarbeit Trude Simonsohn überlebte, kam mit ihrem Ehemann in den 50er-Jahren nach Frankfurt, wurde Sozialarbeiterin, engagiertes Gemeindemitglied und gefragte Zeitzeugin. Am 6. Januar ist Simonsohn im Alter von 100 Jahren gestorben.

Mit einer Gedenkstunde erinnerten Stadt, Land und Jüdische Gemeinde am vergangenen Mittwoch an die Frankfurter Ehrenbürgerin und Trägerin der Wilhelm-Leuschner-Medaille. Weggefährten und Familienangehörige, Kommunal- und Landespolitiker sowie Vertreter von Gemeindevorstand, Gemeinderat und Rabbinat versammelten sich in der Paulskirche.

»Ich sehe stets ihr fröhliches, von einem Lächeln erhelltes Gesicht vor mir.«

Salomon Korn, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann betonte: »Trude Simonsohn hat die Herzen der Menschen erreicht.« Er würdigte ihr unermüdliches Auftreten als Zeitzeugin vor Jugendlichen: »Sie erzählte, wie Menschlichkeit Unmenschlichkeit besiegen kann.« Trude und Berthold Simonsohn hätten nach der Schoa eine Heimat in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt gefunden, so Feldmann: »Ohne Trude wäre diese Stadt weniger.« Und er schloss mit den Worten: »Ich danke dir, Trude.«

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erinnerte sich an seine letzte Begegnung mit Trude Simonsohn. In Erinnerung bleibe »eine ungewöhnlich zugewandte, warmherzige, freundliche Dame«. Dass sie nach der Ermordung ihrer Eltern in der Schoa und dem Grauen von Theresienstadt und Auschwitz den Neuanfang schaffte, sei »bewundernswürdig«. Sie sei »eine der herausragenden Streiterinnen für Demokratie und Freiheit« gewesen.

Energie »Ich sehe stets ihr fröhliches, von einem Lächeln erhelltes Gesicht vor mir«, sagte Salomon Korn, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Er bezeichnete die glückliche und behütete Kindheit Simonsohns als »Zugang und Schlüssel zu ihrem bewegten Leben, vor allem aber zu ihrem, einem Wunder gleichenden Überleben während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft«. Ihr Lebenswille sei ungebrochen, das weitgehende Vergessen des in Auschwitz erlebten Grauens sei für sie lebensnotwendig gewesen. Als »Ohnmacht der Seele« hatte sie ihr Dasein in Auschwitz bezeichnet.

Korn würdigte Simonsohns langjähriges Engagement im Frankfurter Gemeindevorstand und -rat. »Die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main gedenkt einer außergewöhnlichen Zeugin des Jahrhunderts, einer politisch stets aufrechten, solidarischen Freundin Israels, der Meinungsfreiheit sowie demokratisches Denken und Handeln über alles gingen«, sagte Korn.

Elisabeth Abendroth beschrieb Trude Simonsohns Ausstrahlung mit den Worten: »Das Glück hat bis zuletzt aus ihren Augen gestrahlt.«

Baden-Württemberg

»Voices of Hope« - Stuttgart ist Bühne für Jewrovision

Die Veranstalter sprechen vom größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas: Am Freitag startet die Jewrovision in Stuttgart. Vorbild ist der ESC, der parallel in Wien stattfindet - jedoch mit anderen Tönen

von Leticia Witte  12.05.2026

Monacensia

Münchner Schau zum Archiv von Rachel Salamander

Dem Jüdischen wieder Präsenz geben in der Gesellschaft: Das war das Ziel, das die Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander mit ihrer Buchhandlung erreichen wollte. Nun wird ihr Archiv nach und nach erschlossen

von Barbara Just  11.05.2026

Jewrovision

»Wir eröffnen die ganze Sache …«

Unsere Autorin war bei den Proben des »Juze Emet Nürnberg. Am Echad Bayern« dabei. Nur über den Auftritt darf sie noch nichts verraten

von Katrin Diehl  11.05.2026

Porträt der Woche

Berlinerin mit Klartext

Lala Süsskind ist wie die Jüdische Allgemeine Jahrgang 1946. Sie war Gemeindechefin, WIZO-Präsidentin – und engagiert sich weiterhin

von Christine Schmitt  11.05.2026

Zentrum

Jüdische Präsenz

Mit der neuen Hauptsynagoge »Ohel Jakob« ist die jüdische Gemeinde ins Herz der Stadt zurückgekehrt

von Luis Gruhler  11.05.2026

Berlin

Jüdische Gemeinde übt massive Kritik an Antisemitismus-Papier der Linken

Der Gemeinde-Vorsitzende Gideon Joffe bezeichnet das Konzept der Partei als »feige« und spricht von einem »Feigenblatt«

 11.05.2026

Berlin

Gedenken zum ersten Todestag von Margot Friedländer

Zum ersten Todestag von Margot Friedländer gibt es auf dem jüdischen Friedhof eine Gedenkveranstaltung. Berlins Regierender Bürgermeister findet emotionale Worte zum Jahrestag

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Gedenken

»Beklemmende Aktualität«

Charlotte Knobloch und Josef Schuster sprachen zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau

von Vivian Rosen  10.05.2026