EMG 2015

Spaßkick mit Prominenz

Die Partie startet ein wenig schleppend an diesem heißen Sommertag im Stadion auf dem Wurfplatz im Berliner Olympiapark. Hier, wo normalerweise die zweite Mannschaft von Hertha BSC ihre Regionalliga-Heimspiele austrägt, kamen am Sonntagnachmittag diverse Fußballspieler zusammen, die eher für ihre Teilnahme an Welt- und Europameisterschaften bekannt sind. Unter dem Motto »Let’s Play Together« sollten die DFB-All-Stars mit den Fußballern der European Maccabi Games spielen.

Und das Motto wurde bereits bei der Zusammenstellung der zwei Mannschaften wörtlich genommen: Beide liefen in den aktuellen Trikots der deutschen Fußballnationalmannschaft auf. Das vom einstigen Nationalspieler Uwe Reinders betreute und von Kapitän Thomas Hitzlsperger angeführte Team lief im rot-schwarz gehaltenen Auswärtsdress auf. Die von Claudio Offenberg, dem langjährigen Coach von TuS Makkabi Berlin, trainierte und vom WM-Teilnehmer von 2006 Jens Nowotny angeführte Auswahl trug das klassische weiße DFB-Trikot.

Torschützenkönig »Über so ein sportliches Großereignis freut man sich natürlich immer«, erklärte Nowotny im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. Dass die Makkabi-Spiele an diesem historisch ambivalenten Ort stattfinden können, freut den früheren Fußballprofi von Bayer Leverkusen. Besonders wichtig ist dem Abwehrspieler aber: »Es geht um den Sport, um das Zusammenkommen von Menschen.« In diesem Fall kamen ehemalige Torschützenkönige wie Martin Max oder der heutige Hertha-Manager Michael Preetz mit Makkabi-Amateurspielern aus Italien, Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und Deutschland in einem Team zusammen.

Das wollte sich auch Grünen-Politiker Jürgen Trittin nicht entgehen lassen. Der ehemalige Bundesumweltminister freute sich im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen, die EMG 2015 seien »eine schöne Inbesitznahme« des Geländes der Olympischen Spiele von 1936. Angesichts des guten Wetters habe er sich für den Fußball im Freien und gegen den Basketball in der Halle entschieden.

Der 61-Jährige, bekannt als Fan von Werder Bremen, freute sich vor dem Anpfiff vor allem auf die Atmosphäre. Mit Makkabi habe er sonst zwar eigentlich nichts zu tun, sagt der Politiker. »Aber in meiner Zeit als Landesminister in Niedersachsen war ich auch für Integration von jüdischen Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion zuständig – seit damals sagt mir der Begriff Makkabi-Spiele etwas.«

Stimmung »Wir kommen gerade vom Tennis«, erzählt Lala Süsskind fröhlich. Auch die frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde hat es weniger der sportliche Reiz der Veranstaltung als vielmehr die ausgelassen Stimmung angetan. Stolz erzählt sie, dass ihr knapp fünfjähriger Enkelsohn an der Hand eines Spielers mit auf den Fußballplatz einlaufen wird.

Als das passiert, ist die Haupttribüne des kleinen Stadions schon gut gefüllt. Geleitet wird das Spiel von Schiedsrichter Daniel Schnapp, dem wahrscheinlich einzigen jüdischen Schiedsrichter im Berliner Ligabetrieb. Im Laufe des Spiels wird sie immer voller. Weit über 1000 Zuschauer sitzen schließlich auf den Tribünen. Sie sehen eine zähe erste Hälfte. Wegen der Hitze und des fortgeschrittenen Alters einiger der DFB-All-Stars wird lediglich zwei Mal 30 Minuten gespielt. Kurz vor der Pause ist es dann aber doch so weit: Erinnerungen an die 80er-Jahre werden wach, als Matthias Herget einen seiner berühmten 50-Meter-Pässe in die Sturmspitze schlägt. Hertha-Manager Michael Preetz legt quer, und Gianni Miller vollendet die Kombination aus wenigen Metern gekonnt ins gegnerische Tor.

Gianni wer? Zwischen all den früheren Nationalspielern und Torschützenkönigen ist es plötzlich ein 19-jähriger No-Name, der für Furore sorgt. Kurz vor dem Seitenwechsel gleicht Rot-Schwarz nach einer sehenswerten Ballstafette über Thomas Hitzlsperger und Fredi Bobic durch Axel Kruse noch aus. Doch in der zweiten Halbzeit beginnt endgültig die große Show des Gianni Miller.

Amateurfußballer Mittags hatte der von Makkabi Frankfurt kommende Amateurfußballer noch beim EMG-Turnier mit dem deutschen Team gegen Großbritannien den Einzug ins Finale geschafft. Und nun machte er ein Tor nach dem anderen – so viele, dass man auf der Pressetribüne mit dem Zählen schon gar nicht mehr nachkam. 6:1 für das Offenberg-Team steht es am Ende. Aber wie viele Tore kamen von Miller? »Es waren tatsächlich fünf«, erzählt dieser der Jüdischen Allgemeinen – etwas entkräftet auf dem Rasen liegend, aber überglücklich. Fünf von sechs schoss Miller, das sechste erzielte dessen Berliner Makkabi-Kollege Andreas Heyse.

Vor fast genau zwei Jahren hatte die Jüdische Allgemeine Miller porträtiert – nun hat er vielleicht die Partie seines Lebens gespielt. »Das war geil«, platzt es aus dem Frankfurter heraus, der aktuell im spanischen Segovia studiert. Er habe aber auch eigens für die Makkabi-Spiele trainiert.

So hat sich der neue Stürmerstar den Sonderapplaus redlich verdient, den ihm das Publikum gewährt, als er, wie alle anderen Spieler, von Berlins Innen- und Sportsenator Frank Henkel und Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman mit einer Medaille geehrt wird. Lala Süsskind ist da schon längst weitergezogen: »Zum Fechten«, wie sie im Weggehen ruft. Für Gianni Miller gehen die EMG 2015 noch weiter. Er bestreitet am Dienstag mit dem deutschen Makkabi-Team das Finale gegen Frankreich.

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