Makkabiade

Spannung vor dem Start

Am Freitag beginnt Deutschlands größtes jüdisches Sportevent

von Moritz Piehler  10.05.2016 09:51 Uhr

Zum Auftakt treten die Fußball-Allstars gegen Makkabi-Spieler an. Foto: Thinkstock

Am Freitag beginnt Deutschlands größtes jüdisches Sportevent

von Moritz Piehler  10.05.2016 09:51 Uhr

Am 5. August beginnen in Rio de Janeiro wieder die Olympischen Spiele. Auf deutsche Sportler in den Makkabi-Vereinen wartet schon jetzt ein echtes Großereignis. 20 Jahre ist es her, dass es zum letzten Mal eine deutsche Makkabiade gab. Am 13. Mai ist es nun soweit: Die Makkabiade 2016 im Sportpark Wedau in Duisburg wird im Beisein von jüdischer und nichtjüdischer Prominenz eröffnet.

»Obwohl die Nächte immer kürzer werden – wir haben noch Kraft«, sagt Organisationsleiter Alexander Bondarenko, der mit einem Miniteam in knapp vier Monaten das Großereignis vorbereitet hat. Bis zum 16. Mai werden sich Sportler und Sportlerinnen der Makkabi-Ortsvereine Deutschlands miteinander messen. Drei Tage lang werden sie am Ball, an der Platte oder auf der Planche um Siege und Punkte kämpfen, aber natürlich auch: sich kennenlernen, austauschen und neue Freundschaften schließen.

Sportarten In acht Sportarten gehen sie in Duisburg an den Start: Basketball, Fechten, Fußball, Tennis, Tischtennis, Schach, Sportschießen und Volleyball. Das bedeutet natürlich eine Menge Vorbereitung und Planung. In sieben Hallen spielen die Teams ihren Sieger aus, dazu auf dem Schützenstand und dem Fußballplatz. Kein Wunder, dass das Organisationskomitee um Alexander Bondarenko da schon im Vorfeld ins Schwitzen gekommen ist. Sponsoren und Freiwillige mussten gefunden werden, T-Shirts wollten bedruckt, Plakate gestaltet und der Internetauftritt betreut werden.

Eröffnungsveranstaltung mit anschließendem Kabbalat Schabbat und natürlich die große Abschlussfeier im Seehaus gehören zusätzlich zum Programm der Organisatoren. Auch die Sicherheit spielt natürlich eine wichtige Rolle und musste in der Planung mitbedacht werden. Ziemlich viel im Blick zu behalten für Alex Bondarenko und sein Team. Denn neben dem Sportturnier benötigten auch die zahlreichen Workshops Vorbereitung. Da gibt es Sportliches wie das Krav-Maga-Training, aber auch andere Angebote wie Referate zu Crowdfunding, Wahrheiten der Tora, Jewish Time Management und anderen Themen jenseits der Sportplätze.

Etwa 4000 Mitglieder sind in den 38 Makkabi-Ortsvereinen in ganz Deutschland organisiert, davon kommen immerhin 400 an diesem Wochenende nach Duisburg. Allein aus Frankfurt reisen 80 Makkabäer an, damit stellen die Hessen das größte Team des Turniers. Sie müssen untergebracht und versorgt werden. Auch für koschere Verpflegung ist selbstverständlich gesorgt. Dafür braucht es natürlich zahlreiche helfende Hände. »Das Organisationsteam unter meiner Leitung besteht eigentlich nur aus unserem sportlichen Leiter Asaf Erlich und zwei Praktikanten«, berichtet Bondarenko.

Volunteers In Duisburg kommen dann 20 Volunteers dazu, die operativ aushelfen werden, sowohl im Bereich Sport, als auch bei Technik, Verpflegung und anderen Aufgaben. Einer der aktivsten freiwilligen Helfer ist der Münchner Michael Movchin. Im Jugendzentrum Neshama war der 18-Jährige mehrere Jahre lang als Madrich tätig und sammelte dort Organisationserfahrung. Movchin arbeitet im IT- und Marketingbereich. »Ich liebe meine Haupttätigkeit, aber die ehrenamtliche Arbeit zur Unterstützung der jüdischen Seele – sei es für die ZWST, den Zentralrat oder hier für Makkabi Deutschland – ist für mich ein zusätzlicher wichtiger Bestandteil im Alltag«, sagt Movchin.

Bei der Vorbereitung auf die Makkabiade konnte er seine Erfahrungen aus beiden Lebensbereichen zusammenführen. Denn dabei stellten sich immer wieder neue Herausforderungen: »Wann kommt das Essen, wann kommt die Technik? Haben wir überall genug Volunteers im Einsatz? Haben wir etwas nicht bedacht?«, zählt der Münchner auf.

Änderungen Aktuell sei seine größte Herausforderung als technischer Leiter, auch kurzfristige Änderungen und Abweichungen noch so zu berücksichtigen, dass alles klappt. Movchin lobt die Zusammenarbeit des Organisationsteams im Vorfeld. Am Wochenende werden dann die Volunteers eine sehr wichtige Aufgabe im Ablauf der Sportveranstaltung einnehmen. »Ohne eine solch starke und engagierte Gruppe wäre vieles kaum zu stemmen«, betont Movchin.

Besonders freut er sich auf die Eröffnungsveranstaltung und darauf, »zu sehen, wie sich erstmalig seit 20 Jahren Makkabi-Sportler wieder zur Makkabiade an einem Ort versammeln, um miteinander zu spielen. Und wenn die Sportler auf dem Weg nach Hause sind, bedeutet es für uns: Wir haben es geschafft!«, freut sich Movchin. Auch wenn für ihn und das Team dann noch der Abbau zu bewältigen ist.

Die Volunteers wurden zum Teil über eine Internetaktion gesucht, auch die Finanzierung lief teilweise über eine Crowdfunding-Plattform. Ein Zeichen, dass das Organisationsteam der Makkabiade mit der Zeit geht, um vor allem auch ein jüngeres Zielpublikum zu erreichen. Überhaupt ist eines der Hauptthemen für den Organisationsleiter Bondarenkodie größere Zugänglichkeit und Durchlässigkeit.

Integration Im Gegensatz zu den European Maccabi Games (EMG) im vergangenen Sommer sind nicht nur jüdische Sportler zu den Wettbewerben zugelassen. Es geht auch um Austausch und Integration über Religionsgrenzen hinweg. Dafür gab es nicht nur Zuspruch, das Schweizer Team zog sich offiziell zurück, eine weitere Baustelle, um die sich Bondarenko kümmern musste.

Jetzt, kurz vor der Makkabiade, ist eigentlich alles geregelt, nur der Himmel muss noch mitspielen, wünscht sich der Organisationsleiter: »Im Großen und Ganzen ist alles bereit. Es werden nur noch Kleinigkeiten und Feinheiten abgestimmt. Wir schauen seit einem Monat beinahe täglich auf den aktuellen Wetterbericht in Duisburg und hoffen, dass die aktuellen 27 Prozent Regenwahrscheinlichkeit zumindest bei der Eröffnungsfeier nicht eintreffen werden.«

Bondarenko selbst hatte zuvor schon einige Erfahrungen gesammelt mit der Organisation kleinerer Events in seiner Zeit als Jugendleiter, im Studentenverband und auch als Projektleiter bei der ZWST, jedoch noch nie in diesem Umfang und dieser Größe wie die Makkabiade. Das Zeitmanagement war ein großes Thema: »Wir haben diese große Veranstaltung innerhalb von nur vier Monaten mit einem sehr kleinen Team auf die Beine gestellt. Darauf sind wir sehr stolz und riesig gespannt auf das Wochenende.«

Am meisten freut sich Bondarenko nach getaner Arbeit auf die Atmosphäre vor Ort in der größten deutschen Sportschule und auf das »Makkabi-Dorf-Feeling« mit rund 400 Sportlern und zahlreichen Gästen und Besuchern.

Makkabiade-Zeitplan
Am Freitag, den 13. Mai, starten die ersten deutschen Makkabi-Spiele nach 20 Jahren. Um 18 Uhr wird der Präsident von Makkabi-Deutschland, Alon Meyer, rund 400 Sportler und Sportlerinnen auf der Gymnastikwiese begrüßen. Als Ehrengäste werden Zentralratsvizepräsident Abraham Lehrer und Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, als Vertreterin der Ministerpräsidentin erwartet.

Das etwas verkürzte Eröffnungsspiel der Fußball-Allstars gegen Makkabi-Spieler wird um 19.45 Uhr auf dem Hauptplatz angepfiffen. Tefilla folgt um 21 Uhr im Seminarraum 1, der Kabbalat Schabbat beginnt um 21 Uhr im Speisesaal. Nach dem Frühstück beginnen die Spiele am Samstag um 9 Uhr an den verschiedenen Sportstätten. Nur unterbrochen vom Mittagessen, geht es dann um 14 Uhr weiter. Für den Samstagabend ist nach der Hawdala um 22.15 Uhr die Poker Night geplant.

Der Sonntag folgt einem ähnlichen Plan und schließt um 22 Uhr mit einer nachgeholten Jom-Haazmaut-Party im
Seehaus Mezzomar ab.

Finale heißt es dann am Montag. Die Sportler müssen bis um 10 Uhr aus ihren Zimmern auschecken, bevor sie dann zu ihren Endspielen im Basketball und Fußball antreten. Die Sieger werden um 12 Uhr auf der Gymnastikwiese geehrt.

Ausstellung

Vom Wohlstandskind zur Kriegsreporterin

Die Monacensia lässt das bewegte Leben von Erika Mann Revue passieren

von Ellen Presser  16.01.2020

München

Weiße Rose, Schicksal, Auschwitz

Meldungen aus der IKG

 16.01.2020

München

Max Mannheimer zu Ehren

Am 6. Februar wäre der Zeitzeuge 100 Jahre alt geworden – nun wird das Grafinger Gymnasium nach ihm benannt

von Helmut Reister  16.01.2020

Kompakt

Kulturerbe, Erinnerung, Schule

Meldungen aus den Gemeinden

 16.01.2020

Buch

Bilder als Denkmal

Der Fotograf Thies Ibold erinnert an den Kunsthistoriker Aby Moritz Warburg

von Heike Linde-Lembke  16.01.2020

Geschichte

Die anderen Flüchtlinge

Der Politikwissenschaftler Stephan Grigat stellte Georges Bensoussans Buch »Die Juden der arabischen Welt« vor

von Gerhard Haase-Hindenberg  16.01.2020

Kino

Familientreffen in Nahost

Nach der Wende lernt Esther Zimmering ihre israelische Verwandtschaft kennen

von Jérôme Lombard  16.01.2020

Düsseldorf

Koschere Gourmets

140 Frauen und Männer nehmen am Koch-Workshop mit Tom Franz teil

von Jan Popp-Sewing  16.01.2020

Integration

Verjüngungskur

Wie jüdische Gemeinden Studenten und Familien gewinnen können

von Elke Wittich  16.01.2020