Keren Hayesod

Solidarität mit Modellcharakter

Gedenken an »Gleis 17« Foto: KH

Am vergangenen Donnerstag hatte die israelische Spendenorganisation Keren Hayesod zu ihrem Jahrestreffen rund 50 christliche Israelfreunde aus Sachsen, Hessen und Niedersachen ins Charlottenburger Hotel Savoy gebeten.

»Wir wollen Sie alle dazu einladen, auch weiterhin Teil dieses wunderbaren zionistischen Abenteuers zu sein«, begrüßte Simon Soesan, Delegierter des Keren Hayesod, die Teilnehmer. Zudem wollte man Rechenschaft da­rüber ablegen, für welche Aktivitäten und Projekte die Spenden in der Vergangenheit eingesetzt wurden.

»Im Wesentlichen basiert unsere Arbeit auf drei Säulen«, brachte es der Berliner Keren‐Hayesod‐Delegierte Joram Oppenheimer auf den Punkt. »Es geht um die Unterstützung von Überlebenden des Holocaust, die Förderung der Auswanderung nach Israel und natürlich um soziale Projekte, die allen Israelis, unabhängig von ihrer Herkunft sowie ihrer Religionszugehörigkeit, zugutekommen.« Aber das jährliche Meeting soll mehr sein als nur eine bloße Informationsveranstaltung. »Es ist ein kleines Dankeschön für die gelebte Israel‐Solidarität unserer christlichen Freunde.«

prioritäten So hatten die Teilnehmer bereits am Vormittag gemeinsam die Gedenkstätte »Gleis 17« in Berlin‐Grunewald besucht, bevor sie sich bei verschiedenen Vorträgen über die Aktivitäten von Keren Hayesod informierten. Selbstverständlich agiere der Keren Hayesod mit seiner Arbeit nicht im luftleeren Raum. »Wir stimmen uns regelmäßig mit der israelischen Regierung ab, wo und wie im Rahmen unserer Tätigkeit die Prioritäten gesetzt werden«, berichtete Soesan. »Das hat bei uns eine lange Tradition.«

Die Aktivitäten reichen weit zurück in die Zeit, als der Jischuw, die vorstaatliche jüdische Gemeinschaft im britischen Mandatsgebiet Palästina, noch um sein Überleben kämpfte. »1920 war das Gründungsjahr des Keren Hayesod«, so sein Vize‐Europadirektor Daniel Viterbo. »Damals lebten in Eretz Israel gerade einmal 50.000 Juden.«

Bereits 1956 wurde von der Knesset ein Gesetz verabschiedet, das die Aufgaben des Keren Hayesod näher definierte, nämlich »die Stärkung des Staates Israel, die Heimführung der im Exil Lebenden und die Vereinigung des jüdischen Volkes«. Vieles von dem, was heute als selbstverständlich gilt, wurde seitdem auf den Weg gebracht: die Hebräische Universität in Jerusalem, die Bank Leumi oder das Symphonieorchester Israels.

partnerschaft »Die Zahl der nichtjüdischen Freunde Israels, die dabei regen Anteil hat«, wachse laut Daniel Viterbo mit jedem Jahr. Und das vor allem in Deutschland. »Die neue Partnerschaft zwischen Israel und seinen christlichen Unterstützern hierzulande hat für uns mittlerweile Modellcharakter.«

Zudem ist die Arbeit auf die Zukunft gerichtet. »Warum soll es nicht möglich sein, dass in vielleicht 20 oder 30 Jahren sogar zwölf bis 13 Millionen Juden zwischen Mittelmeer und Jordan leben?«, fragte Viterbo und verwies auf die Synchronisation des Keren Hayesod mit der Jewish Agency. Die hatte mit Yair Kanai auch einen kompetenten Repräsentanten nach Berlin entsandt, der über die jüngsten Entwicklungen zum Thema Alija aus erster Hand zu berichten wusste. »Es gibt sogenannte Schubfaktoren, die aktuell Juden zur Auswanderung nach Israel motivieren«, so Kanai – der Konflikt in der Ukraine, die wirtschaftliche Misere in Brasilien oder der virulente Antisemitismus in Frankreich.

Auch wenn die Zahl der Neubürger aus diesen Ländern zumeist nur einige Hundert Personen betrage, so beobachte Keren Hayesod doch in einigen Fällen wie in Südafrika »Wachstumsraten von bis zu 100 Prozent«. Dabei lobte Kanai ausdrücklich die Zusammenarbeit mit »Ebenezer«, einem christlichen Dienst, der Juden bei Alija‐Fragen gleichfalls unter die Arme greift und erst vor wenigen Monaten ein Beratungsbüro in Berlin aufgemacht hatte.

fokus »Was uns momentan ebenfalls große Freude macht, ist die Bereitschaft gerade innerhalb der jüngeren Generation der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, sich mit Israel zu identifizieren«, merkt Kanai an. »Dieses Gefühl der Solidarität mit dem jüdischen Staat war noch vor wenigen Jahren nicht so ausgeprägt.« Für ihn sei das ein Beweis, dass die Stärkung jüdischer Identität weiter in den Fokus der Arbeit rücken sollte.

Genau an diesen Punkt knüpfte der Ehrengast des Jahrestreffens an: der Rabbiner und Knesset‐Abgeordnete Yehuda Glick (Likud). Der 52‐Jährige hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Aufsehen erregt, insbesondere mit seiner Forderung nach einem freien Zugang für Juden zum Tempelberg.

Der Knesset‐Abgeordnete des Likud und Rabbiner faszinierte mit seiner charismatischen Art alle Teilnehmer des Treffens. Zugleich hob er die »Bedeutung von Jerusalem für Juden und die ganze Welt« hervor, wobei er die Ereignisse der Jahre 1948 und 1967 sowie die nun durch US‐Präsident Donald Trump ausgelöste Hauptstadt‐Debatte in den Kontext biblischer Prophezeiungen setzte.

jesaja »Die Welt sollte auch diesen Schritt anerkennen und begreifen lernen, dass sie ein starkes Israel braucht«, so seine Forderung. Wer aber knallhart nationalistische Töne erwartet hatte, wurde enttäuscht. »Im Buch Jesaja verspricht Gott dem jüdischen Volk, dass es dereinst den Nationen der Welt ein Licht sein werde, ein moralischer und spiritueller Leuchtturm.«

Diese Botschaft beinhalte für ihn auch die Aussage, dass Jerusalem als Ort des Gebets allen Religionen gehört. »Das im Namen der Stadt enthaltene Wort Schalom heißt ja nicht nur Frieden, sondern gleichfalls Harmonie.« Und dieser Gedanke sollte von Jerusalem ausgehen, was auch ein Ausbrechen aus der politischen Isolation mit sich brächte, mit der Israel manchmal konfrontiert ist. »Weil ich weiß, dass Jerusalem einen Platz in Ihren Herzen hat und Unterstützung für uns nichts Selbstverständliches ist, bin ich Ihnen zu ganz besonderem Dank verpflichtet«, betonte Glick gegenüber den christlichen Israel‐Freunden.

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