Projekt

Soko Vergangenheit

Projektleiter: Irmtrud Wojak (l.) und Wilhelm Schmidbauer (r.) Foto: Miryam Gümbel

Dass Angehörige der Münchner Polizei während der NS-Diktatur Menschen entführt oder der Gestapo sogar beim Bespitzeln und Verfolgen von Juden und Gegnern des NS-Regimes geholfen haben, ist bekannt. Die Polizei geht den Geschehnissen von damals nun auf den Grund: Im Arbeitskreis »Die Münchner Polizei im NS-Staat« untersuchen Beamte gemeinsam mit Wissenschaftlern des NS-Dokumentationszentrums die »braune Vergangenheit«. In der vergangenen Woche wur- de das Projekt vorgestellt.

Die Verantwortung in der heutigen Zeit, so der Münchner Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer, verlange danach, sich zu fragen, wie Polizeibeamte dazu kamen, als kritiklose, wenigstens aber widerstandslose Handlanger der NS-Gewaltherrschaft zu enden und häufig genug überzeugt und inaktiv den Terror gegen die Opfer des NS-Staates mitgestaltet zu haben. Dabei sei der Blick zurück auch ein Blick nach vorn: »Wer die Vergangenheit reflektiert, kann dabei lernen, sein heutiges Handeln zu reflektieren. Wer die Vorgehensweise bei der Machtergreifung und das System des Unterdrüclungsapparates kennt, bleibt wachsam in der Zukunft, gegen extremistische Bestrebungen von rechts und von links.«

Herausforderung Seit 2007 gibt es bei der Münchner Polizei eine interne Arbeitsgruppe, die sich mit verschiedenen Aspekten der Münchner Polizeigeschichte befasst. Für die Zeit des NS-Regimes findet eine Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum statt. Dessen Gründungsdirektorin Irmtrud Wojak bezeichnete die Zusammenarbeit »inhaltlich wie methodisch äußerst fruchtbar«. Die Arbeit sei für alle Beteiligten eine große Herausforderung und das Thema habe überregionale Bedeutung.

Dabei bleibt die Forschungsarbeit nicht auf die Zeit von 1933 bis 1945 beschränkt. Auch die Weimarer Republik und die Nachkriegszeit werden untersucht. Neben der Struktur und der Funktionsweise des Polizeiapparats widmet sich der Arbeitskreis insbesondere der polizeilichen Mitwirkung im Rahmen der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik.

Während die Mitarbeiter des Dokumentationszentrums ihre Forschungen als Teil ihres Jobs machen, sind die Frauen und Männer der Polizei ehrenamtlich in ihrer Freizeit tätig. Angestellte aus dem Vollzugs- wie aus dem Verwaltungsdienst und Mitarbeiter des Landeskriminalamtes sind in das Projekt einbezogen, wie Schmidbauer erklärte: »Sie kommen aus der Mitte meiner Behörde und beteiligen sich aus eigenem Antrieb an der Erforschung der Geschichte ihres Polizeipräsidiums.«

Weiße Rose Die Schwerpunkte sind »Die Beteiligung von Beamten der Polizeidirektion München am Hitlerputsch« oder die »personelle und logistische Unterstützung der Gestapo durch die Münchner Polizei bei der Bekämpfung des Widerstands mit Schwerpunkt Weiße Rose.« Auch die ersten Mordfälle im KZ Dachau, wie der Einsatz von Münchner Polizeibeamten im Zweiten Weltkrieg in sogenannten Polizeibataillonen und im polizeilichen Einzeldienst, werden untersucht.

Neben der kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte ist Schmidbauer ein tieferes Verständnis für historische, gesellschaftliche und politische Zusammenhänge wichtig. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe sollen in eine Ausstellung des Poli- zeipräsidiums sowie in die Dauerausstellung und das pädagogische Konzept des NS-Dokuzentrums einfließen.

Erste Zwischenergebnisse werden am 9. November auf der Gedenkveranstaltung zum Novemberpogrom präsentiert, die gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern vorbereitet wird. Dabei wird die Rolle der Münchner Polizei im Zusammenhang mit den Ereignissen der Pogromnacht des Jahres 1938 im Vordergrund stehen.

Programm

Lesung, Erkundung, Abrechnung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. Februar bis zum 25. Februar

 19.02.2026

Jewrovision

Unterwegs zum Wettbewerb

Die Lieder stehen fest, die Proben laufen – Hunderte Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland fiebern dem Mini-Machane und der Show Mitte Mai schon jetzt entgegen

von Christine Schmitt  19.02.2026

Ukraine-Hilfe

Viele Aufgaben – wenig Geld

Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

von Anja Bochtler  19.02.2026

Potsdam

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Levinson Stiftung vereinbaren enge Zusammenarbeit

Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken

 18.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  18.02.2026

Dresden

Workshops für Polizisten

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Innenministerium unterzeichneten einen Kooperationsvertrag

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Thüringen

Landesgemeinde dringt auf Ehrung von Klaus Trostorff

Klaus Trostorff war Buchenwald-Häftling und leitete später die Mahn- und Gedenkstätte der DDR. Die Jüdische Landesgemeinde will ihm in Erfurt eine Straße widmen

 17.02.2026

Hamburg

Altona war schon immer toleranter

Ein Projektraum im Regionalmuseum zeigt 400 Jahre jüdische Geschichte der gesamten Hansestadt

von Heike Linde-Lembke  16.02.2026