Berlin

»Schalom, auf Wiedersehen«

Es ist sein letzter offizieller Auftritt auf dem Parkett der diplomatischen Vertretung Israels in Berlin – und ganz nach seinem Geschmack: nicht zu groß, nicht zu offiziell, fast familiär. Rund 150 »Freunde und Kollegen« sind zum Abschiedsempfang von Botschafter Yoram Ben-Zeev gekommen.

Der Spitzendiplomat kehrt nach knapp vierjähriger Amtszeit Ende Juli mit seiner Frau Iris zurück nach Tel Aviv. Am sommerlich warmen Montagabend stehen beide noch mal am Eingang der Residenz, begrüßen unter anderem Entwicklungsminister Dirk Niebel, Ex-Außenminister Joschka Fischer, Linken-Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi, CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz, SPD-Bundestagsvize Wolfgang Thierse, Grünen-Chef Cem Özdemir, den ehemaligen israelischen Botschafter Avi Primor, Gemeindevorsitzende Lala Süsskind, Unternehmerin Regine Sixt und weitere Prominenz. Man kennt sich. Händeschütteln, Umarmungen, Schulterklopfen.

Besonders herzlich werden US-Botschafter Philip D. Murphy und seine Frau Tammy willkommen geheißen: »Yoram und Iris gehören zu unseren besten Freunden«, verrät Murphy anschließend. »Wir lieben sie. Aus persönlicher aber auch aus professioneller Sicht kann ich nur sagen: Es ist ein großer Verlust, dass sie Deutschland verlassen.«

Bundesaußenminister Guido Westerwelle charakterisiert den scheidenden israelischen Spitzendiplomaten gegenüber der Jüdischen Allgemeinen so: »Ein sehr sympathischer Mann, ein sehr professioneller Botschafter. Er hat sein Land hervorragend vertreten.«

Und Sänger Max Raabe wundert sich: »Ich habe Botschafter Ben-Zeev erst vor meiner Konzertreise nach Israel im vergangenen Herbst kennengelernt. Jetzt muss er schon wieder gehen? Das ist wohl so eine diplomatische Gepflogenheit, aber dennoch sehr bedauerlich.«

Beziehung Charlotte Knobloch gesteht, dass es ihr nicht leichtfalle, den Botschafter zu verabschieden. Es verbinde sie ein enger und vertrauensvoller persönlicher Kontakt, betont die ehemalige Zentralratspräsidentin in ihrer Rede. Knobloch würdigt Ben-Zeevs positive Einstellung, »mit der sie mich und unzählige Menschen in diesem Land in den vergangenen Jahren für sich eingenommen haben«.

Knobloch spricht von der besonderen Geschichte und der Verpflichtung zur Erinnerung. Auch angesichts dieser Herausforderung habe Ben-Zeev vom ersten Tag an »das Amt mit Leben und sehr starken Emotionen gefüllt«. Es sei ihm gelungen, die gute Entwicklung der deutsch-israelischen Beziehungen auszubauen, »und ein gutes Stück voranzubringen«.

Ben-Zeev selbst bezeichnet in seiner in Deutsch gehaltenen Abschiedsrede die Beziehungen beider Länder als »exzellent«. Er habe sich bemüht als achter israelischer Botschafter in der Bundesrepublik »mein Land, mein Volk und meine Regierung bestmöglich zu vertreten«.

Dabei habe er stets versucht, ehrlich zu sein. Man sei nicht immer einer Meinung gewesen, wenn es zum Beispiel um die Siedlungsfrage oder die iranische Bedrohung ging, stets seien aber die Gespräche von großer Offenheit und Respekt geprägt gewesen. Besonders hebt er den offenen Zugang zu Regierung und Parlament hervor, der so keinem anderen israelischen Botschafter in der Welt gewährt werde.

Amtszeit Ben-Zeev, Jahrgang 1944, beendet nun nach mehr als 30 Jahren seinen Dienst für das Jerusalemer Außenministerium. Zuvor war er unter anderem in Honkong, Manila und Los Angeles. In Jerusalem begleitete er eine Zeit lang die Verhandlungen mit den Palästinensern als Koordinator des Friedensprozesses.

Die Stelle in Berlin war sein erster Botschafterposten. »In meiner Karriere habe ich einige Stationen absolviert, doch am glücklichsten war ich hier in Deutschland.« Er und seine Frau werden das Land und die Menschen vermissen. »Und nun sagen wir: Schalom und auf Wiedersehen.«

Ben-Zeevs Posten bleibt dem Vernehmen nach erst einmal unbesetzt. Der Name des Nachfolgers oder der Nachfolgerin ist offiziell noch nicht bekannt.

Bekannt ist seit Montagabend zumindest, was Yoram Ben-Zeev in Zukunft in Israel tun wird: »Ich werde Golf und Bridge spielen, Fahrrad fahren, im Meer schwimmen, mit den Enkelkindern spielen und – nach so vielen Jahren – hoffentlich auch ein wenig Geld machen.«

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