Interview

Rudern in eine Richtung

Sitzen bei der Drachenboot-Regatta in einem Boot: der Palästinenser Yazid Shammout (l.) und Landesverbandsvorsitzender Michael Fürst Foto: Martin Steiner

Herr Shammout, Herr Fürst, Sie nehmen am 3. Juni an der Drachenbootfahrt auf dem Maschsee teil. Ein Jude und ein Palästinenser im selben Boot. Werden Sie auch in dieselbe Richtung rudern?
Shammout: Bei der Aktion »Wir sitzen alle in einem Boot« geht es um Signale gegen Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Religionsfanatismus. Das sind auch gemeinsame Ziele von Herrn Fürst und mir.

Gibt es in Ihren jeweiligen Gemeinden keine Ressentiments gegen Ihre Offenheit?
Fürst: Es waren vielleicht Vorbehalte spürbar. Aber ich habe es da persönlich leichter als mancher andere. Ich bin eben kein Israeli, ich bin auch kein Zionist, ich habe auch keine Verwandten, die von palästinensischen oder arabischen Raketen beschossen werden. Aber ich nehme diese Bedrohung sehr ernst und habe als Jude natürlich eine ganz starke Bindung an Israel.
Shammout: Ich habe null Kritik von Palästinensern gehört, und ich habe akribisch danach gesucht. Ich glaube, es gibt auf beiden Seiten genug Menschen, die sehen, dass uns 70 Jahre Konflikt nichts als Leid gebracht haben, Menschen, die wie ich jetzt auf das Miteinander setzen. Klar, wir bewegen uns auf schwierigem Terrain, weil parallel zu unserer Verständigung hier die Eskalation dort weitergeht.

Eine Eskalation könnte damit auch hier einhergehen. Im hannoverschen Sahlkamp haben arabische Kinder 2011 eine jüdische Gruppe mit Steinen beworfen ...
Shammout: Dagegen beziehen wir ganz klar Stellung. Aber man muss auch die Kluft sehen: Hier in Deutschland bekommen Jugendliche einen genauen Begriff von Freiheit und Demokratie – und wenn sie in die Heimat ihrer Eltern schauen, müssen sie sehen, dass diese Werte dort oft wenig gelten. Wir haben noch keine Antworten darauf, was zu tun ist, wenn Werte derart kippen. Aber wir bringen jetzt auch jüdische und palästinensische Jugendliche zusammen, weil wir glauben, dass ihnen hilft, was uns auch geholfen hat: Dialog und Verständigung.

Sie genießen also Rückhalt in ihren Gemeinden. Finden Sie ihn auch in der Politik?
Fürst: Ich habe schon Israels ehemaligem Botschafter Yoram Ben-Zeev davon erzählt, und der sagte: Super Initiative, machen Sie so weiter!
Shammout: Genauso hat auch Palästinas Botschafter Saleh Abdel Shafi reagiert. Tja, freundliche Worte … aber wir machen es.

Mit den Vorsitzenden des Landesverbandes und der Palästinensischen Gemeinde sprach Daniel Alexander Schacht.

»Koscher-Licious«

Mazze, Challe, Wodka

Viele Besucher und noch mehr gute Laune gab es beim Streetfoodfestival auf dem Pears-Campus von Chabad in Berlin. Bereits zum fünften Mal probierten sich Gäste durch das Angebot

von Alicia Rust  29.03.2026

Meinung

Das Gedenken schützen

Ein linksextremes Bündnis plant zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds eine antisemitische Kundgebung. Thüringens Juden wehren sich gegen die Provokation

von Reinhard Schramm, Marek Sierka  29.03.2026

Porträt der Woche

Für alt und jung

Judit Marach hat in einem Seniorenheim gearbeitet – heute ist sie Schulsekretärin

von Gerhard Haase-Hindenberg  29.03.2026

Frankfurt

Wieder zusammen

Fast neun Jahrzehnte nach dem Novemberpogrom 1938 wird der Silberschmuck einer Torarolle erstmals als Einheit präsentiert

von Eugen El  29.03.2026

Ilja Richter

Zu Hause zwischen den Stühlen

Der Schauspieler stellte sein neues Buch vor und verzauberte das Publikum mit Gesang, Rezitationen – und sogar als Bauchredner

von Nora Niemann  29.03.2026

Oldenburg

»Es ist gesund, wenn nicht alles von nur einem Rabbiner abhängt«

Seit einem Jahr amtieren Netanel Olhoeft und Levi Israel Ufferfilge in der Gemeinde. Nun wurden sie auch offiziell eingeführt. Wie funktioniert die rabbinische »Doppelspitze«?

von Mascha Malburg  28.03.2026

Jüdischer Wahlkämpfer

»Wer nicht kämpft, hat schon verloren«

David Rosenberg über den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, die Niederlage seiner Partei und warum er sich gerade als junger Jude weiter politisch engagieren will

von Mascha Malburg  27.03.2026

Kommentar

Lieber Meron Mendel, das ist keine Politik mit Kettensäge. Das nennt man Demokratie!

Öffentliche Mittel sind an Wirkung gebunden. Maßnahmen müssen überprüfbare Ergebnisse erzielen. Bleibt diese Wirkung aus, endet ihre Legitimation

von Stefan Hensel  27.03.2026

Beziehung

Von Menschen und Wölfen

Laura Goldfarb ist vieles: Therapeutin, Schauspielerin – und Autorin. Mit ihrem Mann hat sie einen Paar-Ratgeber geschrieben, der anders ist als andere. Zu Besuch im Prenzlauer Berg

von Bettina Piper  26.03.2026