50 Jahre Diplomatie

Professur zum Jahrestag

»Wir sollten die Einzigartigkeit der Beziehungen stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.«: Reinhold Robbe

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) kam nicht mit leeren Händen. Zur Eröffnung der viertägigen Internationalen Konferenz »50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen« gab sie bekannt, dass ihre Landesregierung eine neue W2-Professur »Israel/Nahost« an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz einrichtet und zugleich die Studienstelle Israel am Fachbereich Politik zu einer dauerhaften Einrichtung ausbaut.

Damit verbunden sind auch Stipendien, die den studentischen Austausch zwischen deutschen und israelischen Universitäten fördern.

Glaubwürdigkeit »50 Jahre deutsch-israelische diplomatische Beziehungen: Dies ist ein willkommener Anlass, sie weiter zu festigen«, sagte Dreyer. Die anti-israelischen Kundgebungen im vorigen Jahr zeigten aber auch, »dass unser Verhältnis nicht normal ist«. Wenn Deutsche und Israelis weiter eine positive Zukunftsgestaltung anstreben, »müssen wir uns kennenlernen«.

Das gelte insbesondere für junge Menschen. Daher sei die neue Professur auch »ein Bekenntnis unserer Glaubwürdigkeit«. Das Titelthema der Konferenz »Annäherung, Wandel, Wahrnehmung und Zukunftsgestaltung« zeige, wie vielschichtig die Beziehungen sind, betonte die Ministerpräsidentin. »Die gesicherte Existenz Israels ist ein Teil unserer Staatsräson. Dazu bekenne ich mich in aller Deutlichkeit.«

Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman erinnerte daran, dass bei der Gründung des Staates Israel wohl niemand geglaubt hätte, dass Israel und Deutschland jemals eine Beziehung zueinander haben könnten. »Manche bezeichnen es als Wunder.« Wie Dreyer appellierte auch er daran, die bilateralen Partnerschaften zu erweitern, gerade im Bereich der Hochschulen. Der Mainzer Universitätspräsident Georg Krausch unterstützte den Botschafter dabei und verwies darauf, dass auch die Mainzer Partneruniversität Haifa eine dauerhafte Studienstelle Deutschland hat.

Hauptredner im Mainzer Landtag war Reinhold Robbe, der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Robbe zeigte sich hocherfreut über die neue Professur in Mainz: »Das ist ein wunderbarer Auftakt für das Symposium.« Aber Robbe erzählte auch von einer Entdeckung, die ihm gar nicht gefallen habe. An einem Bahnhofskiosk war ihm ein Spezial-Duden mit dem Titel »Deutschland – alles, was man wissen muss« aufgefallen. Was sagt er über Israel? »Israel taucht in diesem Spezial-Duden nicht auf. So viel zum Thema ›Was man wissen muss‹.«

Aufarbeitung 50 Jahre diplomatische Beziehungen seien nicht ohne den 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz zu sehen, betonte Robbe. »Das war der Ausgangspunkt für die Gründung des Staates Israel.« Die Beziehungen Deutschlands zu Israel seien einzigartig, sagte Robbe, und nicht zu vergleichen mit denen zu einem zweiten Land. Lange seien die Deutschen mit »seelischer Trümmerbeseitigung« und Verdrängung der Nazi-Verbrechen beschäftigt gewesen. »Einer der wenigen, die intensiv auf Israel und die deutsche Verantwortung hingewiesen haben, war der Verleger Axel Springer.« Konrad Adenauer und David Ben Gurion haben die Aussöhnung auf politischer Ebene zielstrebig auf den Weg gebracht.

Die Bedrohung Israels im Nahostkonflikt der 60er-Jahre habe dann eine später nie mehr erreichte Sympathiewelle in Deutschland ausgelöst. Zuletzt aber seien die Sorgen gewachsen. Die israelfeindlichen Kundgebungen von 2014 wirken nach. »Wir sollten die Einzigartigkeit der Beziehungen stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken«, appellierte Robbe. »Das 50-jährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen bietet sich da hervorragend an.«

Alfred Wittstock, dem Leiter der Studienstelle Israel an der Mainzer Universität, war das Schlusswort vorbehalten: »Dialog ist eine permanente Aufgabe.« Die neue Professur und die damit einhergehenden Forschungsaufenthalte von Masterstudenten in der Abschlussphase sollen dazu beitragen.

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