Jewrovision

Personal Trainer

Gewinnen wie das Berliner Jugendzentrum Olam? Das können die anderen Jugendzentren durch gutes Coaching auch. Foto: Gregor Zielke / Zentralrat der Juden in Deutschland

Maya Saban ist gespannt. An den nächsten Wochenenden wird sie ordentlich zu tun haben, denn sie wird als Coach die Jugendzentren (Juzes) aufsuchen, um die Kinder und Jugendlichen für ihren Auftritt bei der Jewrovision zu unterstützen. »Es ist für mich eine Herzensangelegenheit«, betont die Sängerin und Tänzerin. Neben Maya Saban, die dank vieler Jahre Coaching-Erfahrung ein großes Wissen mitbringt, wird auch Xenia, die frühere Leiterin des Berliner Juze Olam und des Hamburger Juze Chasak, ihr Können mit den Jugendlichen teilen.

Vom 29. März bis zum 1. April ist es wieder so weit, dann werden mehr als 1000 Kinder und Jugendliche auf der Bühne – diesmal in Hannover – singen und tanzen, um voller Stolz und mit vielen neuen Erfahrungen im Gepäck mit einem Pokal für den besten Auftritt nach Hause fahren zu können. In den vergangenen Jahren haben sich 13 bis 17 Teams, darunter Juzes aus größeren Städten wie Berlin, Köln oder Frankfurt, aus kleineren wie Gelsenkirchen oder Hannover und Zusammenschlüsse wie beispielsweise »Saarbrücken feat. Trier« oder der Landesverband Westfalen-Lippe angemeldet.

Zunächst ein Angebot für kleinere Gemeinden

»Wir haben den Zentralrat bereits angeschrieben und gebeten, dass ein Coach uns unterstützt«, sagt Viktoria Dohmen, Jugendreferentin bei JuJuBa (Jüdische Jugend Baden). Veranstalter der Jewrovision ist der Zentralrat der Juden in Deutschland. Seit einigen Jahren bietet er auch ein Coaching an. Erst war es mehr als Angebot für kleinere Gemeinden gedacht, die nicht so einen hohen Etat haben, doch mittlerweile können sich alle Gemeinden melden. Auch der Vorjahresgewinner, das Berliner Juze Olam, hatte im vergangenen Jahr davon Gebrauch gemacht.

Per Zoom lassen sich viele offene Fragen schnell und direkt besprechen.

Überwiegend über Zoom will Maya Saban mit den Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten, was sich insgesamt sehr bewährt habe. »Ich möchte sie länger und intensiver begleiten, ich habe keine Stoppuhr dabei«, sagt sie. Wenn sie die Jugendzentren vor Ort wie beispielsweise in Nürnberg, Mannheim, Karlsruhe, Trier oder Hamburg aufsuchen müsste, wäre sie von Berlin aus, wo sie lebt, viele Stunden unterwegs.

So kann sie für mehrere Teams gleichzeitig im Einsatz sein. »Ich möchte nicht ein fixes Programm abspulen, ich habe keinen festgelegten Fahrplan, sondern schaue, wo ich ansetzen kann.« Manche finden es beispielsweise nicht so wichtig, technische Tipps zum Singen zu bekommen, sondern möchten wissen, wie man es schafft, die Zuschauer in den Bann zu ziehen. »Dann arbeiten wir an der Ausstrahlung.«

Stimmen verteilen und Fragen beantworten

Zuerst hört sie sich gemeinsam mit den Kindern den Song an, dann werden die Stimmen verteilt und Fragen beantwortet. In den nächsten Wochen studieren die Sänger den Text und die Melodie, schließlich kommen die Tänzer und Maya Saban dazu. Wer könnte welchen Teil der Choreografie übernehmen? Wer tanzt solo, wer besser in der Gruppe? Die Kinder bräuchten manchmal etwas Zeit, um die Tipps und Eindrücke zu verarbeiten.

Anregungen könne man oft nicht spontan umsetzen, sondern müsse sie ebenfalls richtig einüben. »Beispielsweise, indem man das Singen vor einem Spiegel übt und schaut, wie man besser und auch leidenschaftlicher aussehen könnte.« Manchmal helfe es da schon, den Bauch anzuspannen. »Ich spüre, wenn mich ein Jugendzentrum doch vor Ort braucht – und dann setze ich mich in den Zug und fahre hin«, sagt Saban. Sie schaue sich alles an und gebe schließlich Impulse und rege einige Verbesserungen an. »Aber die Hauptarbeit machen die Madrichim, die mehrmals die Woche mit ihnen proben, Kostüme entwerfen, ein Ohr für sie haben und auch am Auftritt feilen.«

Die Hauptarbeit machen immer noch die Madrichim.

In den vergangenen Jahren habe sie manchmal erst bei der Generalprobe vor der Show die Kinder in Präsenz kennengelernt. Oft konnte sie ihnen noch die letzten Anregungen geben – das wird auch in diesem Jahr wieder so sein. Auch möchte sie alle Auftritte sehen – manche kennt sie bereits. »Ich drücke jedem Juze die Daumen.«

Die drückt auch Xenia für alle Sänger und Tänzer. Zweimal kann sie fürs Coachen über den Zentralrat gebucht werden. »Ich fahre herum«, sagt sie. In Hamburg war sie im vergangenen Jahr, ebenso in Hannover und Berlin. Einen Sonntag lang arbeitet sie dann mit den Kindern. Das sei eine intensive Trainingseinheit. »Wo können sie sich verbessern?« – so ihre Kernfrage. Für Xenia geht es um den letzten Schliff. »Ich möchte nur unterstützen, die Songs und die Choreografie gestalten sie selbst.«

Jedes Juze erarbeitet eine eigene Show

Jedes Juze erarbeite eine eigene Show, jede habe einen anderen Charakter. Und das sei auch das Spannende, dass es so viele unterschiedliche Konzepte gibt. »Manchmal hilft es auch, dem Kostüm noch ein gewisses Extra draufzusetzen oder an der Requisite etwas zu ändern.« Da sie früher als Juze-Leiterin sowohl für die Organisation der Jewrovision, damals war der Zentralrat noch nicht der Veranstalter, als auch für den Auftritt von Olam zuständig war, verfügt sie über großes Know-how.

Im Coachen hat auch Maya Saban viel Erfahrung, denn sie arbeitete bei der Fernsehshow The Voice Kids mit Talenten wie Lena Meyer-Landrut, die die Eurovision 2010 gewann. Sie war damals eine der vier Backgroundsängerinnen. »Jedes Talent hat seine Stärken«, hat sie gelernt. »Die Jewrovision begleitet mich seit Jahrzehnten«, sagt Saban.

Den Gesangs- und Tanzwettbewerb fand sie schon immer toll, aber sie war zu alt, um teilnehmen zu können. Dafür war sie zwischendurch Jury­mitglied oder gestaltete den Special Act. Nun sehen Maya und Xenia die Kinder von etlichen Gemeinden groß werden – und sich als Talente weiterentwickeln.

Die Jewrovision findet am 29. März in Hannover statt.

Uckermark

Stille Weite

Alex Stolze ist Musiker und hat sich in einem Dorf unweit der deutsch-polnischen Grenze einen jüdischen Ort in Brandenburg geschaffen

von Katrin Richter  18.01.2026

Berlin

»Meine Überraschung war die Rosenblütenkonfitüre«

Laurel Kratochvila backt Challa, Rugelach und Bagels. Nun hat sie ein Buch über polnische Backkunst geschrieben, das die »New York Times« prämiert hat. Eine Reise in die Familiengeschichte und an den Straßenrand

von Katrin Richter  18.01.2026

Grunewald

Friedhof Heerstraße braucht mehr Platz

Die Gemeinde hofft auf die lang erwartete Erweiterung. 1200 neue Grabstellen sind geplant

von Christine Schmitt  18.01.2026

Porträt der Woche

Action als Lebenselixier

Ruth Frenk ist Gesangspädagogin, lebt am Bodensee und fand im Alter die große Liebe

von Matthias Messmer  18.01.2026

Gelnhausen

»Stopp! So geht das nicht!«

Die Stadt wollte das Rabbinerhaus aus dem 16. Jahrhundert verkaufen. Ein Förderverein schritt ein und entwickelt nun ein Konzept als »Ort des Dialogs«

von Eugen El  18.01.2026

Dessau-Roßlau

Buch zur jüdischen Geschichte Anhalts vorgestellt

Ein neues Buch informiert über jüdische Orte in Anhalt und soll zum Besuch anregen

 16.01.2026

Weimar

Trauer um Raymond Renaud

Der französische Überlebende des NS-Konzentrationslagers Buchenwald wurde 102 Jahre alt

 15.01.2026

Antisemitismus

Schriftstellerin Funk lebt lieber in Tel Aviv

Künstlerinnen und Künstler aus Israel klagen seit Langem über Schwierigkeiten in Deutschland

 15.01.2026

Hamburg

Espresso für die Seele

Der Jugendkongress der ZWST und des Zentralrats ist für viele das Highlight des Jahres. Hier findet eine Generation, die gestalten möchte, Impulse, Gespräche und Resilienz

von Eugen El  15.01.2026