Antisemitismus

Offenbacher Rabbiner auf Straße angefeindet

»Beschimpfungen passieren ganz oft«: Rabbiner Mendel Gurewitz Foto: Rafael Herlich

Der Offenbacher Rabbiner Mendel Gurewitz ist auf der Straße von einer Gruppe junger Männer lauthals beschimpft worden. Sie hätten Wörter wie »Scheiß Jude«, »Free Palästina« und »Gaza« gebrüllt, als er vergangene Woche auf dem Weg zur Synagoge war, berichtete Gurewitz am Dienstag. Die Polizei ermittelt wegen Beleidigung. Die Personalien von Verdächtigen seien festgestellt worden, sagte ein Polizeisprecher.

»Beschimpfungen passieren ganz oft«, sagte der Rabbiner, der immer mit Kippa auf die Straße geht. Doch dieses Mal seien sie so laut und wiederholt gerufen worden, dass er auf die Gruppe zugegangen und sie angesprochen habe. Ein Beteiligter habe eingelenkt: »Mein Freund meint das nicht so«, der aber habe widersprochen: »Doch, ich meine das so!« Augenzeugen hätten die Polizei gerufen. Die habe ihn dann aus dem Gottesdienst herausgeholt, um sechs Verdächtige zu identifizieren.

arabisch Einer von ihnen habe ihm auf den Kopf zugesagt: »Sie kennen mich doch vom KOMM-Center!« In diesem Einkaufszentrum war der Rabbiner vor fünf Jahren von sechs bis acht arabisch aussehenden Jugendlichen beschimpft, geschubst und bedrängt worden. Der Fall hatte bundesweit Aufsehen erregt. Nach Ermittlungen der Polizei hatten sechs Jugendliche den Rabbiner um Entschuldigung gebeten und waren zu einem Gespräch in die jüdische Gemeinde gekommen. Gurewitz hatte danach seine Anzeige zurückgezogen.

In einem Schreiben des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Offenbach, Alfred Jacoby, und seinem Stellvertreter und Zentralratsvizepräsident Mark Dainow ans KOMM heißt es: »Schändlich ist, dass Ihre Security-Mitarbeiter dem Rabbiner in keiner Weise halfen, sondern ihn noch aufforderten, Fotos, die er zur Dokumentation des Geschehenen machte, von seinem Handy zu löschen.«

Henryk Fridman, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Offenbach, sagte der Zeitung »Offenbach-Post«: »Der Rabbi hat mich während der Attacke angerufen, ich habe alles mit angehört. Es ist ein großes Glück für Gurewitz gewesen, dass er bei der Verfolgung durch die Jugendlichen im KOMM-Parkhaus durch einen zufällig vorbeifahrenden jüdischen Mitbürger gerettet wurde.«

Hass Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) verurteilte den aktuellen verbalen Angriff. »Wir stehen für Weltoffenheit und religiöse Freiheit«, betonte er in einer Stellungnahme. Der Vorfall aber zeige, dass es auch Menschen gebe, die die demokratischen Grundwerte nicht teilten oder sich von ihrem Hass fehlleiten ließen.

»Umso wichtiger ist es, nicht nachzulassen im gesellschaftlichen Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und religiöse Intoleranz«, betonte Oberbürgermeister Felix Schwenke. ja/epd

Jüdischer Friedhof Worms

Historische Grabsteine beschmiert

Möglicherweise sind 50 bis 100 Grabsteine im ältesten Teil des »Heiligen Sands« in Mitleidenschaft gezogen worden

 10.07.2020

Podcast

»Eine Erfolgsgeschichte«

In der ersten Folge der neuen Reihe spricht Zentralratspräsident Josef Schuster über den Neuanfang jüdischen Lebens in Deutschland und aktuelle Herausforderungen

 09.07.2020

Stuttgart

Hausmusik

In diesem Jahr wurde der Internationale Karl-Adler-Wettbewerb digital ausgetragen

von Brigitte Jähnigen  09.07.2020

Trauer

Die letzte Ruhe

Auf dem Alten Israelitischen Friedhof ist Ulrich »Uri« Siegel sel. A. beerdigt worden

von Helmut Reister  09.07.2020

München

Künstlerische Intervention

Sebastian Jung hat ein Relief geschaffen, dass sich mit dem rechtsextremen NSU auseinandersetzt

von Helmut Reister  09.07.2020

Kompakt

Rundgang, Spenden, Mediathek

Meldungen aus der IKG

 09.07.2020

Kiel

Unterstützung für den Synagogenbau

Ministerpräsident Daniel Günther und Antisemitismusbeauftragter Peter Harry Carstensen besuchten die Jüdische Einheitsgemeinde

von Heike Linde-Lembke  09.07.2020

Kompakt

Förderung, Zuschuss, Bibliothek

Meldungen aus den Gemeinden

 09.07.2020

Corona-Krise

Ein Service für alle Fälle

Ein QR-Code soll das Ausfüllen von Anmeldezetteln überflüssig machen

von Elke Wittich  09.07.2020