Feier

Offenbach tanzt

Begleitet von Musik, Gesang und Tanz liefen die Gemeindemitglieder mit der Tora zur nahe gelegenen Synagoge. Foto: Rafael Herlich

Mit einer großen Feier hat die Jüdische Gemeinde Offenbach eine neue Tora eingebracht. Gemeindemitglieder hatten die Tora zum 20. Dienstjubiläum von Rabbiner Mendel Gurewitz gespendet.

An der Veranstaltung am Sonntagnachmittag im Foyer des Offenbacher Rathauses nahmen Gäste aus Politik, Kirche und Stadtgesellschaft teil. Der Sofer Josef Dan Hranowsky reiste aus Antwerpen an, um in Anwesenheit der Feiergäste die letzten Buchstaben der Tora im Rathaus zu vervollständigen.

premiere »Dies ist das Werk von vielen in dieser Gemeinde und außerhalb«, freute sich Rabbiner Mendel Gurewitz. »Zum ersten Mal seit der Schoa wird in Offenbach eine neue Tora geschrieben – ein historischer Tag für die Stadt.«

Während des Schreibens der Tora hallten Gitarren-, Akkordeon- und Klarinettenklänge durch das Rathaus. Kinder liefen durch die Räume, es herrschte ausgelassene Stimmung an dem sonst eher ruhigen Ort. Gegen 16 Uhr erklang das Schofar – und Mendel Gurewitz rief einen Besucher auf, den letzten Buchstaben der Tora zu schreiben.

Wenig später setzten sich die Gemeindemitglieder – von Musik, Gesang und Tanz begleitet – in Bewegung und liefen mit der in die Höhe gehaltenen Tora zur nahe gelegenen Synagoge. Unter den neugierigen, manchmal verdutzten Blicken von Passanten passierte die Gruppe den Büsing-Park, dessen Wege nach den Offenbacher Rabbinern Max Dienemann und Salomon Formstecher sowie der 1935 von Dienemann ordinierten Rabbinerin Regina Jonas benannt sind.

synagoge Nach etwa 20 Minuten erreichte der Umzug die 1956 eröffnete Offenbacher Synagoge. Sie befindet sich in direkter Nachbarschaft zum »Capitol«, einem heute als Konzerthalle genutzten Bau, der 1916 als Synagoge eingeweiht und 1938 geschändet, aber nicht völlig zerstört wurde.

Zu den Festrednern in der Synagoge gehörten Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU), Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrats der Juden und stellvertretender Vorsitzender der Offenbacher Gemeinde, sowie Jakob Gutmark, Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen.

Lesen Sie einen ausführlichen Bericht über die Tora-Einbringung in unserer Ausgabe am Donnerstag.

Politik

Aus ihren Leben

Die Ausstellung »An eine Zukunft glauben ...« stellt jüdische Biografien der parlamentarischen Gründergeneration vor

von Katrin Richter  30.01.2026

München

Brandstifter von jüdischem Altenheim 1970 womöglich ermittelt  

56 Jahre nach einem Anschlag auf ein jüdisches Altenheim in München verdächtigen Ermittler nun einen schon verstorbenen Neonazi. Was sie auf dessen Spur führte

von Hannah Krewer  30.01.2026

Interview

»In eine Synagoge bin ich das erste Mal in Deutschland gegangen«

Ab den 90er-Jahren fingen viele sowjetische Juden in Deutschland noch einmal von vorn an. Sind sie angekommen? Ein Gespräch über Flüchtlingsheime, nicht anerkannte Diplome und die Wiederentdeckung jüdischer Traditionen

von Mascha Malburg  29.01.2026

Meinung

Die Täter müssen sich schämen

Ein Missbrauchsskandal erschüttert derzeit die jüdische Gemeinschaft Deutschlands. Wer solche Taten besser verhindern will, muss Betroffene in die Lage versetzen, angstfrei über ihre schrecklichen Erfahrungen sprechen zu können

von Daniela Fabian  29.01.2026

Urteil

Fristlose Kündigung eines Rabbiners bestätigt

Die Jüdische Gemeinde Berlin hatte im Sommer 2023 einem Rabbiner wegen sexueller Übergriffigkeit fristlos gekündigt. Eine Klage des Mannes dagegen wurde jetzt auch in zweiter Instanz zurückgewiesen

 29.01.2026

Holocaust-Gedenktag

»Mama, wo sind all die Menschen?«

Tova Friedman sprach im Deutschen Bundestag über ihre Deportation nach Auschwitz, das Grauen im KZ und darüber, was das Überleben mit ihr gemacht hat. Wir dokumentieren ihre Rede

von Tova Friedman  28.01.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 29. Januar bis zum 5. Februar

 28.01.2026

Meinung

Was würden Saba und Safta sagen?

Sie würden uns zurufen: »Wehrt euch gegen diesen Hass! Schließt euch mit denen zusammen, die in Deutschland bisher schweigen, aber dennoch die Mehrheit darstellen«

von Avitall Gerstetter  28.01.2026

Berlin

Feuer im Jüdischen Krankenhaus: Kein antisemitisches Motiv

In der Nacht kommt es zu einem Feueralarm. Ein Patient steht im Verdacht, einen Brand verursacht zu haben. Viele Details sind weiterhin unklar

 28.01.2026 Aktualisiert