Hamburg

Neuengamme wird eine Stiftung

Die Gedenkstätte Neuengamme bei Hamburg Foto: imago/Hauke Hass

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme soll ab 2020 eine Stiftung öffentlichen Rechts werden. Das hat der Hamburger Senat beschlossen. Bisher war die Gedenkstätte der Kulturbehörde unterstellt, die die städtische Erinnerungskultur, darunter auch das Dokumentationszentrum »denk.mal Hannoverscher Bahnhof« und weitere Gedenkstätten, kontinuierlich ausbaute.

Ziel ist es, nicht nur die Erinnerung an die Gräueltaten des NS-Regimes wachzuhalten, sondern Deutschlands dunkelste Zeit weiter zu erforschen. Die Bedeutung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme ist stetig gewachsen. Der Status als Stiftung würde ihr eine größere Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit geben, so der Senat.

»Mehr als 70 Jahre nach Ende der NS-Gewaltherrschaft und in einer Zeit von zunehmendem Populismus brauchen wir eine starke Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit, die auch Stellung zu den NS-Verbrechen bezieht. Mit der Gründung der Hamburger Stiftung ›Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen‹ wollen wir die politische Unabhängigkeit der demokratischen Erinnerungskultur und ihrer Gedenkstätten dauerhaft sicherstellen«, sagt Kultursenator Carsten Brosda (SPD).

Reflexion Außerdem solle die Stiftung über die Folgen der NS-Verbrechen informieren und den Umgang mit dem historischen Geschehen bis in die Gegenwart kritisch reflektieren. Der Senat werde alles dafür tun, die neue Stiftung zu stärken und intensiver mit Bürgerinitiativen für die Hamburger Erinnerungsorte vernetzen.

»Die Hamburger Gedenkstätten sind in den letzten Jahren immer bedeutungsvoller geworden«, sagt Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, der die neue Struktur mit seinem Team erarbeitet hat. Die Besucherzahl des Areals weit draußen vor der Stadt verdoppelte sich in den vergangenen zehn Jahren auf 130.000 Gäste.

Pro Jahr werden 300 Seminare angeboten und 2000 Schulklassen über das Gelände geführt.

Jährlich werden mehr als 300 Seminare und Veranstaltungen durchgeführt und mehr als 2000 Schulklassen und andere Gruppen durch die Stätte begleitet. Garbe erwartet von dem Stiftungskonzept, dass dieser Erfolg sich fortsetzt.

Bewahrung »Gedenkstätten und Lernorte haben die Aufgabe, durch die Bewahrung von Berichten, Dokumenten und baulichen Relikten die Erinnerung an die NS-Verbrechen wachzuhalten und über die historischen Geschehnisse zu informieren«, sagt Garbe.

Auch sei es wichtig, Bezüge zu den Erfahrungen heutiger Generationen herzustellen und die Bedeutung der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus aufzuzeigen. Als Einrichtungen mit den vielfältigen Aufgaben einer außerschulischen Bildungsstätte brauchten Gedenkstätten und Lernorte einen hohen Grad an Selbstständigkeit.

Zur KZ-Gedenkstätte Neuengamme gehören auch die drei Außenstellen Bullenhuser Damm, Plattenhaus Poppenbüttel und die Gedenkstätte Konzentrationslager und Strafanstalten Fuhlsbüttel, das während des NS-Regimes gefürchtete »Kola-Fu«. Auch »denk.mal Hannoverscher Bahnhof« soll Neuengamme übernehmen.

Vom Hannoverschen Bahnhof wurden zwischen 1940 und 1945 mehr als 8000 Juden, Roma und Sinti in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert.

Leitung »Wir werden eine moderne Leitungsstruktur und eine Dachorganisation schaffen, die das eigenverantwortliche Handeln der Stiftung fördert und stärker in den öffentlichen Fokus bringt«, sagt Garbe. Das Stiftungsgesetz regelt alle Fragen zu Stiftungszweck, Nutzungsrecht, Stiftungsvermögen sowie den Organen wie Stiftungsrat, Fachkommission, Beirat und Vorstand, das Rechnungswesen und die Finanzkontrolle, Personalvertretung und Personalüberleitung.

Der Hamburger Senat gibt der KZ-Gedenkstätte damit eine Struktur, wie sie auch die anderen sieben großen KZ-Gedenkstätten in Deutschland aufweisen, die ebenfalls vom Bund mitfinanziert werden.

Hamburg

Jüdische Zukunft an der Elbe

Debattieren, begegnen und einander stärken: Mehr als 400 junge Erwachsene setzten beim Jugendkongress ein Zeichen

von Joshua Schultheis, Mascha Malburg, Moritz Piehler  05.03.2026

Berlin

Jüdisches Krankenhaus sucht weiter nach neuem Träger

Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin soll zunächst weiter in Eigenverwaltung saniert werden. Der Krankenhausbetrieb wird in dieser Zeit in vollem Umfang aufrechterhalten

 05.03.2026

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

München

Verbunden aus Überzeugung

Die IKG ehrte Personen, die sich für die jüdische Gemeinschaft einsetzen

von Esther Martel  04.03.2026

Bedrohung

»Abstrakte Gefährdungslage«

Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind die jüdischen Gemeinden in Deutschland alarmiert. Zugleich geht der Zentralrat davon aus, dass der Kampf gegen die Mullahs langfristig Sicherheit schafft

von Helmut Kuhn  04.03.2026

»Schir Haschirim« in Berlin

Acht Kapitel Geheimnisse

In der Synagoge Pestalozzistraße wird das Hohelied Salomos in einer Vertonung des israelischen Komponisten Daniel Akiva uraufgeführt

von Christine Schmitt  04.03.2026

Programm

Kleine Großstadtdetektive, ein musikalischer Golem und Gespräche: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. bis zum 12. März

 03.03.2026