Bildung

Neue Klasse

Mit der Masorti-Schule öffnet die vierte jüdische Grundschule in der Hauptstadt. Es sind noch Plätze frei

von Christine Schmitt  30.07.2018 20:20 Uhr

Alef, Bet, Gimmel: An der neuen Masorti-Grundschule soll auch Hebräisch unterrichtet werden. Foto: Uwe Steinert

Mit der Masorti-Schule öffnet die vierte jüdische Grundschule in der Hauptstadt. Es sind noch Plätze frei

von Christine Schmitt  30.07.2018 20:20 Uhr

Der Wunsch vieler Eltern, deren Kinder die Masorti‐Kitas besuchen, wird bald in Erfüllung gehen: Am 20. August, wenn in Berlin das neue Schuljahr beginnt, wird die private Masorti‐Grundschule starten. Geplant sind zunächst zwei Klassen, die die ersten vier Klassenstufen abdecken sollen. Geplant ist, die Schule nach und nach bis zur sechsten Stufe auszubauen. Das Profil der Schule soll reformpäda­gogisch angelegt werden. Kinder von Vaterjuden werden ebenso herzlich aufgenommen wie Inklusionskinder.

»Ganz wichtig ist uns das jahrgangsübergreifende Lernen, das Lernen nach dem Wochenplan mit Feiertagen und Schabbat sowie außerdem das projektorientierte individuelle Arbeiten«, sagt Michele Tichauer, Leiterin der neuen Schule. Sie ist Berlinerin und hat in Heidelberg studiert. Bevor sie die Leitung der neuen Schule übernahm, arbeitete sie in der Schulentwicklung und war in der Lehrerfortbildung tätig.

Neben Deutsch wird der Unterricht auch auf Hebräisch und Englisch stattfinden. Am Ende der sechsten Klasse sollen sich die Kinder in den drei Sprachen gut verständigen können. Auch Deutsch als Fremdsprache steht auf der Agenda. Sie ist für Kinder gedacht, deren Familien gerade aus dem Ausland nach Berlin zugezogen sind und Hebräisch oder Englisch sprechen.

gleichberechtigung Das jüdische Profil soll sich durch die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen im religiösen Alltag auszeichnen. Es soll ein kreativer Umgang mit dem Erlernen von Gebeten und Feiertagstraditionen vermittelt werden. »Wir möchten, dass die Kinder verstehen, was sie tun, erklären können, warum es für sie persönlich wichtig ist – und vielfältige traditionelle Erklärungen kennen.« Tora und rabbinische Literatur stehen ebenfalls auf dem Stundenplan. Sie werden aber keinen Vorrang vor anderen Unterrichtsfächern haben. »Die Tora geht auf keinen Fall auf Kosten des Matheunterrichts«, sagt Leiterin Tichauer.

»Schon bis zum Beginn der Sommerferien hatten wir zahlreiche Anmeldungen«, sagt Michele Tichauer. Mehr als 44 Kinder könnten allerdings in diesem Sommer nicht aufgenommen werden. Viele Lehrer und Erzieher hätten sich trotz des herrschenden Lehrermangels in Berlin bei der Masorti‐Schule beworben. Das Team mit Lehrern und Hort stehe, sagt Tichauer.

Mietvertrag Der Mietvertrag ist gerade frisch unterschrieben. Ein Jahr lang zog das »Immobilien‐Team«, das sich aus Eltern der Masorti‐Kita zusammensetzt, durch die Stadt, um geeignete Räume zu finden. 30 Immobilien haben sie besichtigt. Nun können Lehrer, Erzieher und Schüler in ein Haus am Adenauerplatz ziehen.

Auch das pädagogische Konzept hat die Hürde im Berliner Senat geschafft. Immer wieder musste nachgebessert werden, sodass es mittlerweile auf mehr als 30 Seiten angewachsen ist. »Die Mitarbeiter des Senats sind uns wohlwollend begegnet«, betont Schulleiterin Michele Tichauer.

Inzwischen sind auch die Möbel bestellt und werden wohl rechtzeitig vor Unterrichtsbeginn geliefert, hofft Tichauer. Die neue Schule hat auch viele Sachspenden erhalten. »Und wir freuen uns natürlich auch über weitere finanzielle Unterstützung«, sagt Tichauer.

Mit einer wenige Meter entfernten Gemeinschaftsschule hofft sie auf eine Kooperation, sodass gemeinsame Projekttage entstehen können und die Sporthalle mit genutzt werden kann.
Zunächst ist die Masorti‐Grundschule auf einer Etage untergebracht, auf der sich vier große Räume befinden. »Das Tolle ist, dass wir zusätzlich Zimmer anmieten können, wenn wir wachsen«, sagt Tichauer. Es wird zwei Lerngruppen mit maximal 22 Schülern geben, eine für die ersten beiden Klassenstufen und eine gemeinsam für die Jahrgänge drei und vier. Denn es wird jahrgangsübergreifend unterrichtet.

Jahrgangsübergreifend Jede Gruppe wird zwei Klassenlehrer haben. Bis zum sechsten Jahrgang sind nur verbale Beurteilungen geplant. Wenn ein Schüler zum Gymnasium wechselt, wird er dann ein benotetes Zeugnis erhalten.

Die Masorti‐Grundschule wird die Schüler und Schülerinnen den ganzen Tag über, von acht bis 18 Uhr, betreuen. Auch die Hausaufgaben können die Kinder noch in der Schule machen.
Ganz wichtig sei auch der Kontakt zwischen den Lehrern und den Schülern. »Jeder Pädagoge soll jedes Kind kennen, damit man einen vertrauten und familiären Charakter der Schule aufrechterhalten kann«, erklärt Tichauer.

Mit der Gründung von Kindergärten haben die Mitglieder des Vereins Masorti und Rabbinerin Gesa Ederberg bereits einige Erfahrungen. Vor mehr als zehn Jahren entstand die erste Masorti‐Kita mit sieben Kindern in einem Haus an der Wilhelmsaue. Heute gibt es zwei Kitas in der Nähe des Heidelberger Platzes mit mehr als 70 Kindern. Die Familien drängten schon seit Jahren auf die Einrichtung einer Schule, damit die Kinder eine Fortsetzung der Masorti‐Pädagogik erfahren, betont Tichauer.

Grundschultypen Allerdings sei die Gründung einer Schule »doch noch mal etwas ganz anderes als die eines Kindergartens«. Mit der im August eröffnenden Masorti‐Schule wird es in Berlin dann vier verschiedene jüdische Grundschulen geben. Die größte ist die Heinz‐Galinski‐Schule an der Waldschulallee, deren Träger die Jüdische Gemeinde zu Berlin ist.

Die Jüdische Traditionsschule Or Avner von Chabad Lubawitsch liegt nur wenige Kilometer entfernt am Spandauer Damm. Und die dritte bisherige jüdische Grundschule liegt in Prenzlauer Berg. Es ist die Grund‐ und Gemeinschaftsschule Beth‐Zion der Lauder Foundation.

In der Masorti‐Grundschule sind zum kommenden Schuljahr noch einige Plätze frei. Interessierte sollten sich möglichst schnell melden. Das Schulgeld ist einkommensabhängig.

Kontakt: schule@masorti.de

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