München

Mutig und couragiert

Ihre Entscheidungen sind schon seit über 70 Jahren vergangen, doch vergessen ist das Handeln von Anna Zeitler und Andor Cziller bis heute nicht. Als während der NS-Zeit viele Deutsche wegschauten, entschloss sich die bayerische Bäuerin Anna Zeitler (1896–1977), genau dies nicht zu tun – und rettete die beiden jüdischen Kinder Shlomo und Josef Szlamkiewicz auf ihrem Bauernhof in Wiesau vor der Verfolgung. Zuvor war ihnen als Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald während eines Todesmarsches die Flucht gelungen.

Nicht weniger mutig: der Ungar Andor Cziller (1908–1974), der das Leben der jüdischen Familie Csillag rettete. Als die Nationalsozialisten Ungarn besetzten, standen die Csillags bereits auf der Deportationsliste. Cziller bewahrte sie vor der Deportation, indem er den zwei Töchtern der jüdischen Familie die persönlichen Ausweisdokumente seiner Familie gab und sie in seiner Wohnung nahe Budapest aufnahm.

Erinnerung Am Donnerstagabend nun sind Anna Zeitler und Andor Cziller postum als »Gerechte unter den Völkern« ausgezeichnet worden. »Wir ehren heute zwei herausragende Persönlichkeiten, die unter Einsatz ihres Lebens in der Zeit des Holocaust das Leben jüdischer Mitbürger gerettet haben«, sagte die bayerische Staatssekretärin Carolina Trautner bei der Würdigung im Münchner Kultusministerium.

Die Auszeichnung des Staates Israel und der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem überreichte die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich. Entgegengenommen wurde die Ehrung von Anna Zeitlers Enkel Georg. »In Israel war es von Anfang an wichtig, bei der Erinnerung an die ermordeten Juden auch die nicht-jüdischen Retter hervorzuheben«, hob Simovich in Anwesenheit von Schülern der Mittelschule Wiesau hervor.

»Ich möchte ganz offiziell, aber auch persönlich, Danke sagen für ihre Zivilcourage, menschliche Werte jederzeit hochzuhalten. Ich kann ihnen versichern, wir werden sie nicht vergessen«, sagte Simovich in Erinnerung an die beiden Geehrten. »Sie sind als Vorbilder im Gedächtnis unseres Staates verewigt. Anna Zeitler und Andor Cziller lehren uns, dass jeder Mensch einen Unterschied machen kann.«

Risiko Der Ehrentitel »Gerechter unter den Völkern« wurde nach Israels Staatsgründung 1948 eingeführt, um Nichtjuden, die während der NS-Zeit unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Ermordung retteten, für ihre Hilfe und Courage auszuzeichnen. Die Auswahlkriterien sind hoch: So muss der Ausgezeichnete nachweislich ein persönliches Risiko eingegangen sein und darf keine Gegenleistung für die gewährte Hilfeleistung verlangt haben.

Insgesamt hat Yad Vashem bislang mehr als 26.500 Männer und Frauen als »Gerechte unter den Völkern« ausgezeichnet. Unter ihnen sind rund 550 Deutsche, etwa der Unternehmer Berthold Beitz, seine Frau Else und Oskar Schindler. ppe

Hamburg

Stadt will Synagoge wieder aufbauen

Bürgerschaftsfraktionen stellten Antrag zur Neuerrichtung des von den Nazis zerstörten Gotteshauses vor

 28.01.2020

Israel-Jacobson-Preis

Armin Laschet erhält Auszeichnung

NRW-Ministerpräsident wird von der Union progressiver Juden für Verdienste um Stärkung jüdischen Lebens geehrt

 28.01.2020

Berlin

Wagnis Erinnerungskultur

Was passiert, wenn keine Zeitzeugen mehr da sind? Eine Tagung der Initiative Kulturelle Integration ging der Frage nach

von Ralf Balke  28.01.2020

Brief

Wie erinnert ihr euch heute?

Unsere Autorin schreibt über ihren Großvater – er hat Auschwitz und einen »Todesmarsch« überlebt

von Eva Lezzi  26.01.2020

Porträt der Woche

Die Umweltrebellin

Maayan Bennett absolvierte ein Freiwilligenjahr und engagiert sich für Klimaschutz

von Matilda Jordanova-Duda  26.01.2020

Gedenken

»Sie werden Zeugen der Zeitzeugen«

Aron Schuster über Besuche von Jugendlichen in Auschwitz und den »Marsch der Lebenden«

von Ayala Goldmann  26.01.2020

Berlin

»Die Bühne muss mobil sein«

Kulturmanager Peter Sauerbaum über Pläne für ein jüdisches Theaterschiff und Bildungsarbeit mit Schülern

von Christine Schmitt  25.01.2020

München

Judenfeindliche Demo abgesagt

Rechtspopulistische »Pegida« wollte direkt vor Synagoge und zu Schabbatbeginn gegen Beschneidung demonstrieren

 24.01.2020

München

Gefährdung, Präsenz, Porträt

Meldungen aus der IKG

 23.01.2020