Berlin

Mit großer Vorsicht – Gastronomen in den Startlöchern

Froh, ihr Lokal endlich wieder zu öffnen: Beba-Chefin Shani Leiderman Foto: pr

Berlin

Mit großer Vorsicht – Gastronomen in den Startlöchern

Am 15. Mai dürfen Restaurants und Cafés wieder öffnen

von Ralf Balke  14.05.2020 09:25 Uhr

Wochenlang herrschte in Restaurants, Cafés und Kneipen gähnende Leere. Wohl kaum eine andere Branche wurde von der Corona-Krise derart schwer getroffen wie das Gastgewerbe. Selbst wer es irgendwie schaffte, durch Lieferdienste oder Außer-Haus-Verkauf den Betrieb am Laufen zu halten, verzeichnete Umsatzverluste von bis zu 90 Prozent.

Doch jetzt gibt es Licht am Ende des Tunnels. Ab dem 15. Mai dürfen in Berlin die Lokale wieder öffnen – aber nur unter Einhaltung strenger Hygienevorgaben und mit eingeschränkten Öffnungszeiten. Zwischen den Tischen muss grundsätzlich ein Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt sein, das Personal darf nur mit Mundschutz arbeiten, und wenn möglich, sollen Gäste ihre Kontaktdaten hinterlegen. Ob das alles reibungslos klappt, wird sich noch zeigen.

TERRASSE »Ich bin auf jeden Fall froh, dass es endlich wieder losgeht«, beschreibt Shani Leiderman die Stimmung wohl vieler Kollegen. Sie betreibt das Restaurant »Beba« im Gropius-Bau, das jüdische Gerichte aus aller Welt neu interpretiert. Sogar ein eigenes Gewächshaus für frische Kräuter hat sie angelegt. »Mit dem Beginn des Shutdowns hatten wir an einigen Tagen in der Woche einen Bestell- und Lieferservice eingerichtet.« Offensichtlich mit Erfolg.

»Viele unserer Stammkunden aus der israelischen und jüdischen Community haben uns die Treue gehalten.« Jetzt soll auch der Betrieb vor Ort wieder hochgefahren werden.

Es gibt viele neue Vorschriften, das stellt die Gastronomen vor erhebliche Herausforderungen.

Vorteilhaft für den Neustart ist die Tatsache, dass das Beba über eine Terrasse verfügt, sodass Außengastronomie möglich ist und der vorgeschriebene Mindestabstand problemlos eingehalten werden kann. »Dort steht jetzt ein Caravan, der wie eine offene Bar funktionieren soll.«
Auch die Räumlichkeiten selbst sind recht weitläufig und haben hohe Decken. Ein Gefühl der Enge kann so gar nicht erst aufkommen. »Trotzdem ist alles neu, und wir müssen überlegen, wie wir genau vorgehen sollen.«

AUBERGINE Mit dem Außer-Haus-Verkauf von Sandwiches sowie einem Tagesgericht hat nun auch das »Djimalaya« angefangen, das es gleich zweimal gibt: in der Invalidenstraße in Mitte und im Bikini-Haus am Zoo. »Natürlich freue ich mich, unsere Gäste wieder begrüßen zu können«, sagt Ofer Melech. »Schließlich macht es einen großen Unterschied, ob man Gerichte zum Mitnehmen anbietet oder einen Ort hat, wo Menschen zusammensitzen und Mitarbeiter sich um die Besucher kümmern.«

Viel Zuspruch bekamen die Restaurantbetreiber während des Shutdowns von Freunden und Stammgästen.

Der Gastronom bietet israelische Gerichte an, darunter auch gegrillte Lammhüfte oder Gefüllte Aubergine. Aktuell feilt er noch an Konzepten, wie die Auflagen erfüllt werden können. »Es sollen überall Desinfektionsmittel verfügbar sein. Außerdem arbeiten wir an einer digitalen Speisekarte, um Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren.«

Auch seine Restaurants sind hell und recht großzügig konzipiert, sodass die Abstandsregeln ohne größere Schwierigkeiten beachtet werden können. »Trotzdem ist alles ungewohnt, wir müssen viele Details beachten.« Und sie dann auch umsetzen.

SCHABBATSPEISEN Schrittweise in Gang bringen will auch Ariel Ehrenberg seinen »Bobbe Speisesalon« in Berlin-Wilmersdorf. »Große Ungewissheit prägt diese Zeit«, sagt der Betreiber des koscher zertifizierten Res­taurants. »Seit dem 16. März hatten wir geschlossen, und unser gesamtes Team befand sich in Kurzarbeit.«

Auch er macht nach dem 15. Mai wieder auf. »Aber mit großer Vorsicht«, wie er betont. »Wir müssen immer damit rechnen, dass es zu erneuten Einschränkungen kommen kann – darauf wollen wir vorbereitet sein und entsprechend unser Angebot anpassen und weiterentwickeln.« Mut zum Durchhalten machten Ehrenberg während des Shutdowns Freunde und Stammgäste, die immer wieder betonten, wie sehr sie den Bobbe Speisesalon vermissen würden.

Was auf jeden Fall neu sein wird, sind Angebote am Freitag für Schabbatspeisen zum Mitnehmen. »Jetzt wollen wir unseren kleinen Beitrag zu einer Rückkehr in eine kulinarische und gastronomische Normalität leisten.«

Eröffnung

Ausstellung in Osnabrück beleuchtet Antisemitismus

2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Osnabrück zum 600. Mal. Mit einer Ausstellung erinnert das Museumsquartier an diese frühe Phase jüdischer Geschichte. Auch die Wurzeln des Antisemitismus werden sichtbar

 19.03.2026

Musik

»Die Verbundenheit zwischen Juden und Iranern zeigen«

Alexey Kochetkov und Kioomars Musayyebi haben ein Konzert mit jüdischer-persischer Musik gegeben. Ein Gespräch über Santur-Klänge, Politik und eine besondere Freundschaft

von Katrin Richter  19.03.2026

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026

Angriffe

Schmierereien und Drohungen: Antisemitismus an NS-Gedenkstätten nimmt zu

Lehrer hätten bereits Führungen abgesagt, aus Angst, dass Schüler das Programm boykottieren

von Leticia Witte  18.03.2026

Ehrung

Ein pflichtbewusster Optimist

Fritz Neuland war einer der Wiederbegründer und später Präsident der Münchner Kultusgemeinde. Nun ist eine Straße nach ihm benannt

von Esther Martel  16.03.2026

Auftakt

Schutzversprechen für die jüdische Gemeinschaft

Im Alten Rathaus am Marienplatz begann die Münchner »Woche der Brüderlichkeit« 2026

 16.03.2026

Dresden

Stimme der Aufklärung

Die 90-jährige Schoa-Überlebende Renate Aris erhält für ihr Engagement als Zeitzeugin das Bundesverdienstkreuz

 15.03.2026

Berlin

Signale am Gleis 17

Aktivisten möchten aus dem ehemaligen Bahnwärterhaus eine Info-Werkstatt zur Schoa machen

von Christine Schmitt  15.03.2026

Porträt

Im Einsatz für andere

Jutta Josepovici arbeitete für die ZWST und die Frankfurter Jüdische Gemeinde

von Eugen El  15.03.2026