Ordination

Made in Potsdam

Strahlende Gesichter am Ende der Feier, es wird gesungen und geklatscht. Die neuen Rabbinerinnen und ein Rabbiner sehen etwas geschafft, aber glücklich aus, als sie stolz dem Publikum und den Fotografen ihre Urkunden präsentieren. Wenige Minuten davor haben Irene Muzas Calpe aus Spanien, Ann Gaëlle Attias aus Frankreich und Andrés Bruckner aus Kolumbien die weißen Gebetsmäntel mit der Aufschrift Masorti umgelegt bekommen.

Nachdem die Torarollen aus dem Schrank herausgenommen worden waren, beteten die drei gemeinsam. Nun können sie in ihre neuen Gemeinden ziehen und dort als Rabbiner amtieren. Alle drei haben ihre Abschlüsse des Zacharias Frankel College in Potsdam für konservatives Judentum an der Uni absolviert und werden demnächst im spanischen Barcelona, im französischen Toulouse und in Bochum arbeiten.

zusammenhalt Es sei wichtig, den Zusammenhalt der Juden im In- und Ausland zu stärken, betont Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, bei seiner Ansprache am Sonntag im Audimax der Universität Potsdam. Zu der Feier kamen zahlreiche Freunde, Verwandte, Studierende und Rabbiner.

»Jeder gute Rabbi ist von Natur aus international.«

Sandra Anusiewicz-Baer

»Rabbiner made in Potsdam« – dazu leiste das Zacharias Frankel College einen wichtigen Beitrag. Die Abschlüsse würden im Ausland so sehr geschätzt, dass die beiden Rabbinerinnen nach Spanien und Frankreich aufbrechen werden, während Andrés Bruckner in Bochum amtieren wird, meint Abraham Lehrer.

Fundament Alle drei kommen aus dem Ausland und hätten an der Uni Potsdam »die einzigartige Möglichkeit ergriffen, Theologie, Recht und praktische Weltweisheit miteinander zu verbinden«, sagt der Präsident der Universität, Oliver Günther. »Am Puls der Zeit und auf dem Fundament der Tradition werden sie zukünftig als Gelehrte und Seelsorgerinnen, als Pädagogen, Predigerinnen und Projektmanager jüdisches Leben in Deutschland und Europa bereichern und neue Impulse geben.«

»Jeder gute Rabbi ist von Natur aus international«, meint Sandra Anusiewicz-Baer, Leiterin des Zacharias Frankel College. Rabbinerin Gesa Ederberg würdigte bei Irene Muzas Calpe ihre Begeisterung fürs Lernen, ihre unendliche Neugierde für alles, die Leidenschaft, das Gelernte weiterzugeben, sowie ihre Liebe für die Menschen und Israel.

Sie werde eine Bereicherung für das jüdische Volk sein, wo immer sie ihm dienen wird. Ann Gaëlle Attias wurde von Rabbiner Stephen Berkowitz geehrt, der sie bereits vor zehn Jahren als Studentin unterrichtet hatte. »Ich erinnere mich an deine Leidenschaft, eine intellektuelle Neugier und deinen Eifer, noch tiefer in die Bedeutung der Texte einzudringen. Ich spürte damals, dass du die rabbinische Tradition weiter erforschen und dich stärker in der organisierten jüdischen Gemeinschaft engagieren wolltest.«

Er sei Zeuge beim raschen Reifen eines Rabbiners und eines wahren Gelehrten, sagte Professor Admiel Kosman über Andrés Bruckner. »Andrés kam nach Potsdam mit dem solidesten Fundament, das ein zukünftiger Rabbiner braucht: ein gutes Herz, hohe Tugenden, Demut und Unkompliziertheit.«

Die feierliche Zeremonie im Audimax war die erste Ordination von Rabbinern in Brandenburg seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die feierliche Zeremonie im Audimax sei die erste Ordination von Rabbinern in Brandenburg seit dem Zweiten Weltkrieg, teilte die Universität mit. Zuvor habe es aber bereits zwei Ordinationen von Absolventen des College in Berlin gegeben. »Der Zentralrat würdigt Ihre Arbeit und steht fest zum College als Ausbildungsstätte. Heute und in Zukunft«, so Lehrer.

Karriere Alle drei haben bereits bürgerliche Karrieren hinter sich. Ann Gaëlle Attias (48), die aus einer sefardischen Familie aus Marokko stammt, war Fernsehjournalistin, Irene Muzas Calpe (48) war Lehrerin, und Andrés Bruckner (32) hat an der Börse in Kolumbien gearbeitet. »Sie bringen also Lebenserfahrung mit, ehe sie sich für das Rabbinat als ihren weiteren Lebensweg entschieden haben, und diese wird ihren Gemeindemitgliedern zugutekommen«, schrieb Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, in seinem Grußwort. Es sei ihm eine große Freude, dass die jüdische Gemeinschaft in Europa wieder von dem segensreichen Engagement des College profitieren könne und damit ein Zeichen setze für die Vielfalt des Judentums.

Nach Universitätsangaben arbeitet das College seit 2013 als Rabbinerseminar unter der religiösen Aufsicht der Ziegler School of Rabbinic Studies in Los Angeles. Es verbindet die strikte Einhaltung jüdischer Gesetze und Rituale mit der Interpretation zeitgenössischer Werte.

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