Berlin

Kleine Botschafter

Joshua Lupemba (r.) wurde für sein Projekt »Bridges of Hope« von Israels Botschafter Ron Prosor und seiner Frau Hadas ausgezeichnet. Foto: Ruthe Zuntz

So ein Scheck über 10.000 Euro ist ziemlich schwer – anderthalb Kilo bestimmt – und groß. Etwa 1,40 mal 1 Meter misst die stabile Pappe, die Vivica Bree am Mittwochabend vergangener Woche von der Bühne trägt und mit der sie sich dann neben Anina Pommerenke, Joshua Lupemba und Cihan Sügür stellt. Vier Gewinnerinnen und Gewinner, die an diesem Abend in der israelischen Botschaft nicht nur für Innovation und Engagement stehen, sondern auch für das deutsch-israelische Miteinander.

»Ein Land, das man
mit eigenen Augen gesehen hat, kann man nicht hassen.«
Botschafter Ron Prosor

Alle vier waren einst mit Delegationen der Botschaft in Israel und erlebten hautnah den Alltag, über den andere nur theoretisch berichten. Somit sind sie zu Menschen geworden, die der offizielle Botschafter Israels in Deutschland, Ron Prosor, »kleine Botschafter« nennt. Und diesen vielen kleinen Botschaftern wird eine wichtige Aufgabe zuteil: eine echte Brücke zwischen Deutschland und Israel zu sein. »Diejenigen, die Israel erleben – das hält Jahre«, betonte Prosor in seiner kurzen Ansprache.

Bei israelischen Familien zu wohnen, die israelische Realität zu erleben, ob als Jugendlicher oder als Erwachsener – das prägt.

Eine dieser kleinen Botschafterinnen ist Miki Hermer, Bildungsreferentin für Antisemitismus. Sie war im November 2025 mit 17 anderen Mitreisenden als Teil der Advocacy Group in Israel und erzählt von vielen Eindrücken, an die sie bis heute denken muss. Wie die Begegnung mit Dror und den »Shuva Achim« im Süden Israels. Die Straßenkreuzung des Moschavs wurde am 7. Oktober 2023 zu einer Art Anlaufpunkt für alles: Essen, Notfallsets, Socken. Mittlerweile, fast drei Jahre später, sind aus den zwei Tischen von damals ein Stützpunkt und eine Anlaufstelle für den alltäglichen Bedarf von Soldatinnen und Soldaten geworden. »Es gibt immer warmes Essen, es gibt Liebe, Hoffnung – klingt so cheesy –, aber wenn man vor Ort ist, ist es einfach überwältigend«, sagt Hermer in ihrer Rede.

Kunst und Kultur verbinden

Auch Daniel Brunet ist einer der Botschafter aus dem Alltag. Er leitet das English Theatre Berlin und war vor elf Jahren mit einer Delegation in Israel. »Diese Reise war prägend und eine, die sehr in Erinnerung bleibt.« Heutzutage, 2026, fühle sich diese Reise allerdings wie eine aus einer anderen Zeit an, sagt Brunet. Wie offen man komplexe Situationen ansprach, habe ihn sehr beeindruckt. Und als Theatermensch sei ihm insbesondere ein Besuch in einem Theater in Jaffa in Erinnerung geblieben, in dem Araber und Juden zusammenarbeiteten. »Kunst und Kultur verbinden, Reisen in Delegationen verbinden.« Brunets Überzeugung: »Wenn wir einander wirklich auf der menschlichen Ebene kennenlernen können, bin ich fest überzeugt, dass dies ein Weg zu Verständigung und weniger Streit ist.«

Die zentrale Botschaft des Abends brachte Botschafter Ron Prosor auf den Punkt: »Ein Land kann man nur hassen, solange man es sich abstrakt vorstellt. Doch ein konkretes Land, das man mit eigenen Augen gesehen und mit dessen Einwohnern man gesprochen hat, kann man nicht hassen«, so Prosor. Deswegen wolle man ein »lebendiges Netzwerk von Brückenbauern etablieren«. Wie das interkulturelle Musikprojekt »Bridges of Hope« von Joshua Lupemba, das christliche und jüdische Jugendliche aus Berlin und Tel Aviv über gemeinsame Hip-Hop-Produktionen zusam­menbringt, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.

»Mir ist ein lebendiges, authentisches Land begegnet.«
Vivica Bree

Oder das Projekt von Vivica Bree (hannoverimpuls) für die »FemEntrepreneur­ship Bridge Hannover–Israel«, die Gründerinnen aus der Tech- und MINT-Szene beider Länder mit internationalen Investoren vernetzt. »Ich hatte das Gefühl, mit frei und demokratisch denkenden Menschen in einem Land in Kontakt zu kommen, die auch offen über die politische Situation reflektieren und mit denen ich offen in den Austausch gehen und all meine Fragen stellen konnte.« Ihr sei ein »lebendiges, authentisches, freundliches Land begegnet«. Dass nun ihr Team diesen Preis erhält, sei »schon sehr besonders«. Und die nächste Reise ins Land? Ist sicher schon geplant.

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