Buber-Rosenzweig-Medaille

Klare Kante gegen rechts

Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt Foto: imago images/Hartenfelser

Buber-Rosenzweig-Medaille

Klare Kante gegen rechts

Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt, wird für sein Engagement gegen Antisemitismus ausgezeichnet

von Dieter Schneberger  04.03.2022 13:00 Uhr

Der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, ist kein Leisetreter – und das hat nicht nur mit seiner markanten Stimme zu tun. Seit Jahren bezieht der 65-Jährige laut und öffentlich Stellung gegen rassistische Hetze und Judenhass. »Meine Devise lautet ‚Haltung zeigen, klare Kante zeigen und handeln‘«, knarzt der Zwei-Meter-Mann im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Über die Auszeichnung mit der Buber-Rosenzweig-Medaille freut sich der volksnahe Fischer sehr. Er sei stolz, sie am 6. März in Osnabrück zusammen mit Alon Meyer, dem Vorsitzenden des jüdischen Turn- und Sportverbands in Deutschland, Makkabi, überreicht zu bekommen. »Ich denke, es trifft die zwei Richtigen. Wir arbeiten mit der gleichen Einstellung und Energie gegen rechte Hassprediger, Rassisten und Antisemiten.« Außerdem verbinde ihn mit Meyer eine langjährige Freundschaft.

flausen Fischer ist im mittelhessischen Lich geboren und im Alter von 14 Jahren nach Frankfurt gekommen. Die gesellschaftlichen und politischen Debatten in der Stadt haben ihn geprägt. Seit 22 Jahren ist er Präsident von Eintracht Frankfurt und hat in dieser Zeit der »launischen Diva« die Flausen ausgetrieben. Nicht zuletzt die mehr als 50 angebotenen Sportarten, die Europapokalteilnahmen der Profikicker und der Anstieg der Mitgliederzahl von 4800 im Jahr 2000 auf rund 98.000 heute zeugen von der positiven Entwicklung.

Fischer hatte Ende 2017 mit einem Interview in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« bundesweit für Furore gesorgt. Es vertrage sich nicht mit der Satzung des Vereins, als Mitglied die AfD zu wählen, eine Partei, »in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen« gebe. Die AfD-Landessprecher schäumten und zeigten ihn an. Das Ermittlungsverfahren wurde jedoch wenig später eingestellt. »Auch die Beschwerden dagegen wurden abgeschmettert«, sagt Fischer.

Während viele den Eintracht-Boss für seine deutlichen Worte lieben, gehen andere deswegen an die Decke. Er habe wegen des Streits mit der AfD zahlreiche Beleidigungen und sogar Morddrohungen erhalten, sagt Fischer. Zurückweichen werde er deswegen aber nicht. Auch nicht der Verein. »Rassistische und judenfeindliche Beleidigungen dulden wir bei der Eintracht nicht. Das geht vom Stadionverbot bis hin zum Entzug der Mitgliedschaft.«

aufarbeitung Fischer wird auch deswegen geehrt, weil er die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Vereins angestoßen hat. Der Leiter des Eintracht-Museums, Matthias Thoma, habe mehrere Bücher über verfolgte Eintracht-Sportler geschrieben, erzählt er. Für viele seien auch Stolpersteine verlegt worden. Schließlich habe das Fritz-Bauer-Institut im Auftrag der Eintracht über die Vereinsführer in der NS-Zeit recherchiert. Das habe etwa zur Aberkennung der Ehrenpräsidentschaft von Rudolf Gramlich (1908–1988) geführt, der Mitglied in der NSDAP und der Waffen-SS war.

»Rassistische und judenfeindliche Beleidigungen dulden wir bei der Eintracht nicht. Das geht vom Stadionverbot bis hin zum Entzug der Mitgliedschaft.«

Peter Fischer

Der Rauswurf von Gramlich hat den Holocaust-Überlebenden Helmut »Sonny« Sonneberg wieder zurück in den Verein geführt. Auf Betreiben von Fischer ist der 90-Jährige inzwischen »Lebenslanges Mitglied«.

»Sonny ist einer von den Überlebenden von dieser Nazi-Drecks-Killermaschine, die mir immer wieder die Kraft geben, klare Kante zu zeigen und keinen Millimeter zurückzuweichen«, bekennt Fischer in einer Dokumentation des Hessischen Rundfunks über Sonnebergs Leben. Am 16. März werden sein jüdischer Freund und er bei Markus Lanz davon erzählen.

hanau Dass in Deutschland noch immer Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion ausgrenzt werden, nagt an dem Protestanten und früheren Basketballer. Der rassistische Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 hat ihn zutiefst erschüttert, wie er betont. In der Folge nimmt er an zahlreichen Kundgebungen, Mahnwachen und Veranstaltungen in der Stadt teil und knüpft Kontakte zu Angehörigen der Opfer.

Er sei sehr froh, dass er »Außenminister der Eintracht« sein dürfe und regelmäßig mit Vertretern aus Politik, Kunst, Medien und Kirchen zusammentreffen könne, sagt Fischer. Wie zuletzt am 13. Februar in Berlin, wo er als unabhängiges Mitglied der Bundesversammlung den Bundespräsidenten mit wählen durfte. Er habe sich sehr gefreut über die Wertschätzung, die ihm und der Eintracht dort entgegengebracht worden sei. Eine Zeit lang habe er auch mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und SPD-Chef Lars Klingbeil geplaudert.

Baden-Württemberg

»Voices of Hope« - Stuttgart ist Bühne für Jewrovision

Die Veranstalter sprechen vom größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas: Am Freitag startet die Jewrovision in Stuttgart. Vorbild ist der ESC, der parallel in Wien stattfindet - jedoch mit anderen Tönen

von Leticia Witte  12.05.2026

Monacensia

Münchner Schau zum Archiv von Rachel Salamander

Dem Jüdischen wieder Präsenz geben in der Gesellschaft: Das war das Ziel, das die Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander mit ihrer Buchhandlung erreichen wollte. Nun wird ihr Archiv nach und nach erschlossen

von Barbara Just  11.05.2026

Jewrovision

»Wir eröffnen die ganze Sache …«

Unsere Autorin war bei den Proben des »Juze Emet Nürnberg. Am Echad Bayern« dabei. Nur über den Auftritt darf sie noch nichts verraten

von Katrin Diehl  11.05.2026

Porträt der Woche

Berlinerin mit Klartext

Lala Süsskind ist wie die Jüdische Allgemeine Jahrgang 1946. Sie war Gemeindechefin, WIZO-Präsidentin – und engagiert sich weiterhin

von Christine Schmitt  11.05.2026

Zentrum

Jüdische Präsenz

Mit der neuen Hauptsynagoge »Ohel Jakob« ist die jüdische Gemeinde ins Herz der Stadt zurückgekehrt

von Luis Gruhler  11.05.2026

Berlin

Jüdische Gemeinde übt massive Kritik an Antisemitismus-Papier der Linken

Der Gemeinde-Vorsitzende Gideon Joffe bezeichnet das Konzept der Partei als »feige« und spricht von einem »Feigenblatt«

 11.05.2026

Berlin

Gedenken zum ersten Todestag von Margot Friedländer

Zum ersten Todestag von Margot Friedländer gibt es auf dem jüdischen Friedhof eine Gedenkveranstaltung. Berlins Regierender Bürgermeister findet emotionale Worte zum Jahrestag

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Gedenken

»Beklemmende Aktualität«

Charlotte Knobloch und Josef Schuster sprachen zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau

von Vivian Rosen  10.05.2026