Magbit

Keren Hayesod ganz oben

Hummus, Pita, Salat, eisgekühlter Sauvignon Blanc, blau-weiße Fähnchen, Abendsonne, 24 Grad: ein Hauch von Israel auf der Dachterrasse des Amano Grand Central Hotels in Berlin-Mitte. Keren Hayesod hatte am Mittwochabend zu einem »Magbit Summer Event« gebeten, rund 130 Gäste waren der Einladung gefolgt.

Ein fröhlicher, freundlicher Auftakt, zum Abschluss und Höhepunkt der Konzertauftritt der israelischen Musiklegende Matti Caspi. Doch dies war dann eher ein Ausklang in Moll, denn im Laufe des Abends verbreitete sich die Meldung vom tödlichen Terroranschlag in Tel Aviv.

Auch zuvor hatte Gastgeber Nathan Gelbart, Vorsitzender von Keren Hayesod Deutschland, bereits recht ernste Töne angeschlagen, als er vom zunehmenden Antisemitismus in Europa sprach. Er konstatierte einen bislang noch nicht da gewesenen Hass: »Und dieser Hass auf das jüdische Volk ist nichts anderes als der Hass auf den Staat Israel. Da gibt es keinen Unterschied.«

israel-kritik Das Märchen von der sogenannten Israel-Kritik sei ausgeträumt, stellte Gelbart fest. Wer meine, Israel boykottieren zu müssen, wolle nichts anderes, als aus dem Land ein neues jüdisches Ghetto machen. Es gehe der BDS-Bewegung und den anderen vermeintlichen Kritikern darum, Israel auszuhungern, in finanzieller, akademischer und kultureller Hinsicht.

Umso wichtiger sei es jetzt, an der Seite des jüdischen Staates zu stehen. »Und es gibt keine andere Organisation, die die israelische Zivilgesellschaft dermaßen unterstützt wie der Keren Hayesod.« Gelbart warb um Spenden für konkrete Vorhaben, unter anderem für ein Behindertenprojekt und ein Einwandererprogramm. Mit einem Zitat von Anne Frank appellierte er an die Großzügigkeit der Gäste: »Niemand ist je durch Geben arm geworden.«

Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman dankte für die Unterstützung. Er sei gekommen, um die jahrzehntelange Partnerschaft zwischen Keren Hayesod und Israel zu würdigen. Die Spendensammelorganisation sei stets präsent und immer im Einsatz: »Keren Hayesod hat dabei geholfen, den zionistischen Traum zu realisieren.« Und dabei komme die Unterstützung allen Menschen in Israel zugute, unabhängig von Sprache, Religion und Kultur. »Ich danke Ihnen für unermüdlichen Einsatz für Israel und das jüdische Volk«, sagte der Botschafter den Gästen. Die ließen sich nach dem Grußwort die koscheren Speisen schmecken, die Kaschrut-Aufsicht des Abends hatte Rabbiner Yehuda Teichtal.

gastredner Als Gastredner verwies dann Schriftsteller und Publizist Henryk M. Broder auf die unmittelbare Nähe zum Berliner Hauptbahnhof, den man von der Dachterrasse aus sehen kann. »Das Bedürfnis von Juden, in der Nähe eines Bahnhofs zu siedeln, ist schon relativ alt«, merkte er sarkastisch an und meinte, dass es sicherlich ratsam wäre, wieder an das Packen der Koffer zu denken. Denn die Situation in Deutschland, die für Juden noch vor einigen Jahren vergleichbar idyllisch gewesen sei, werde immer prekärer: »Wir haben das Ende der Schonzeit erreicht.«

Die jüdische Gemeinde in Deutschland leide unter einem rasant zunehmenden Bedeutungsverlust, und das finde er gar nicht so falsch, schließlich sei man keine große Gemeinde. »Wir werden auf den Boden der Realität gebracht: Wir sind nicht wichtig.«

Eines werde angesichts dieser Entwicklungen aber auch wieder deutlich: »Israel ist eine Lebensversicherung für jeden einzelnen Juden.« Israel sei der Jude unter den Staaten und werde nicht dafür kritisiert, was es tut, sondern werde angegriffen, weil es genau das sei. »Aber wir werden Antisemitismus und Antizionismus nicht aus der Welt schaffen«, sagte er. Das könne man nicht ändern, zwinge einen aber auch dazu, sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen.

Jeder solle da leben, wo er will, meinte Broder. Doch der Preis, den im Ausland lebende Juden dafür zu zahlen hätten, sei die Unterstützung für Israel. Israel müsse unterstützt werden, und das nicht aus Wohltätigkeit, sondern aus ganz eigennützigen Gründen: »Wir investieren damit, wenn schon nicht in unsere eigene, dann vielleicht doch in die Zukunft unserer Kinder.« ddk

München

Verloren und verstreut

Die Historikerin Julia Schneidawind stellte im Gemeindezentrum ihre Dissertation über deutsch-jüdische Privatbibliotheken vor

von Nora Niemann  20.02.2024

München

Direktor des Jüdischen Museums unerwartet gestorben

Bernhard Purin war weltweit als Experte für Judaica geschätzt

 20.02.2024

Zentralrat

Jüdische Gemeinde Berlin jetzt im Zentralrat-Präsidium

Zuvor hatte es Streit zwischen der Gemeinde und dem Zentralrat gegeben

 20.02.2024

Ehrung

Pianist Igor Levit erhält Buber-Rosenzweig-Medaille

Levit wolle vor allem als ein Mensch wahrgenommen werden, der politisch mitgestalten möchte, schrieb das Präsidium des Koordinierungsrats

 20.02.2024

Frankfurt am Main

Gemeinde-App gestartet

Mit der Anwendung will die Jüdische Gemeinde ihre Mitglieder und die Öffentlichkeit auf dem Laufenden halten

 18.02.2024

Sachsen

Wachsende Unruhe

Wie die jüdische Gemeinschaft im Freistaat damit umgeht, dass die AfD immer stärker wird. Ein Besuch in Dresden und Leipzig

von Matthias Meisner  18.02.2024

Porträt der Woche

Auf Reisen

Nogah Wank Avdar ist Madricha, aktiv bei »Meet a Jew« und fliegt zum BBYO-Treffen

 18.02.2024

Biografie

Erinnerungen eines Jahrhundertzeugen

Albrecht Weinberg ist einer der letzten Schoa-Überlebenden. Zusammen mit einem Journalisten hat der bald 99-Jährige seine Erinnerungen aufgeschrieben

 18.02.2024

Jubiläum

Väter wie Sterne

Die Gemeinde der kaukasischen Juden in Deutschland feierte ihr zehnjähriges Bestehen

von Mascha Malburg  17.02.2024