Oldenburg

International und bunt

Ohne Hilfe ging es nicht: Gemeindevorsitzende Sara-Ruth Schumann (l.) bedankte sich bei Zentralratspräsident Dieter Graumann (M.) und Landesverbandschef Michael Fürst (r.) für die Unterstützung seit 20 Jahren. Foto: Kay Michalak / Fotoetage

»Bei uns Juden verläuft die Zeitrechnung etwas anders, rasanter und intensiver«, deswegen sei es wichtig und richtig, das 20-jährige Bestehen der wiedergegründeten Oldenburger Gemeinde zu feiern, betonte Zentralratspräsident Dieter Graumann am Sonntag. Dieser Tag sei nicht nur ein Versprechen, er sei ein Feiertag für alle Juden in Deutschland.

Die Gründung war ein enormer Vertrauensbeweis von Juden, ihre Kinder und Kindeskinder Deutschland anzuvertrauen. Deswegen dürfe man sich nicht von der Vergangenheit gefangen halten lassen, sondern müsse mit Fantasie statt Empörungsritualen in die Zukunft blicken. Er sei sich sicher, dass das in Oldenburg gelingen könnte.

Graumann nutzte den Besuch in Oldenburg, um sich wie seine Amtsvorgänger Paul Spiegel sel. A. und Charlotte Knobloch vor den 200 Festgästen im Kulturzentrum PFL in das Goldene Buch der Stadt einzutragen, das Oberbürgermeister Gerd Schwandner eigens mitgebracht hatte. Die Internationalität der Gemeinde, die sich dadurch ausgezeichnet habe, dass die Unterzeichner des Gründungsprotokolls aus zwölf verschiedenen Ländern kamen, habe wunderbar in das internationale Konzept der Stadt gepasst, betonte Schwandner bei seiner Grußrede.

Ebenso sei ihre Integrationsfähigkeit Vorbild für die Kommune. Als Dankeschön überreichte der Oberbürgermeister der Gemeindevorsitzenden Sara-Ruth Schumann eine Sammlung wertvoller israelischer Münzen.

Zuwanderung Einer der Wegbegleiter der Oldenburger Gemeinde im engsten Sinne ist der Grünenpolitiker Jürgen Trittin. Als die ersten Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion nach Niedersachsen kamen, war er der zuständige Minister, der sich um sie kümmerte.

Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst, habe man die Zuwanderung geordnet und gesichert. Der Fraktionsvorsitzende der Partei Bündnis 90/Die Grünen im Bund sprach denn auch bei dem Jubiläumsfest ein Grußwort.

Der Staatssekretär im Kultusministerium, Stefan Porwol, überbrachte die Grüße der Landesregierung. »Ich komme zwar ohne volle Taschen und habe auch kein Geschenk dabei, aber es ist auch nicht irgendeine Dienstreise, die ich hier nach Oldenburg mache«, sagte er. Niedersachsen habe allen Grund, stolz auf seine jüdischen Gemeinden zu sein.

Die jüdische Gemeinde Oldenburg sei ein wichtiger Faktor im gesellschaftlichen Leben der Stadt geworden. »Sie ist eine sprechende Minorität, die auf die Stadt positiv ausstrahlt.« Dass dies so geschehen konnte, sei ein großes Verdienst der Mitglieder und ihrer Vorsitzenden Sara-Ruth Schumann.

Dank Landesvorsitzender Michael Fürst würdigte Schumanns Arbeit am eindringlichsten. Der niedersächsische Landesverband sei wohl der mit der größten religiösen Vielfalt. Zu ihm gehören liberal-konservative und orthodoxe Gemeinden gleichermaßen. Ohne Schumann wäre eine Gemeinde, in der gleichberechtigt gebetet werden kann, nicht möglich gewesen. »Sie regieren nicht nur mit harter Hand. Leider habe ich keinen jüdischen Orden, den ich Ihnen verleihen kann, ich kann nur mit einem Staatsvertrag kommen.«

»Ihr Geld ist bei uns gut angelegt, wie Sie sich überzeugen können«, hatte Schumann die Gäste aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik willkommen geheißen, mehr Geld aus dem Staatsvertrag sei aber dennoch willkommen. Ihr Kommen und der Besuch des Zentralratspräsidenten sowie vieler befreundeter Gemeindevorsitzender zeige ihr, dass auch kleine Gemeinden wichtige Baustein jüdischen Lebens sein könnten.

Schumann zeichnete nach, wie aus der kleinen Gruppe von 34 Juden, die sich in der Galerie 42 in der Achternstraße trafen, eine Gemeinde von mehr als 300 Mitgliedern geworden ist und sprach ihren Dank an Kulturdezernenten der Stadt, der Landesregierung und des jüdischen Landesverbandes und des Zentralrats der Juden aus.

Urkunde Die Gemeinde hat in vielen Dingen Geschichte geschrieben, wie auch Michael Fürst immer wieder betonte und wie es Michael Daxner in seinem Festvortrag eindringlich beschrieb. Der Soziologe war Mitunterzeichner der Gründungsurkunde vor 20 Jahren. Mit Bea Wyler, so Daxner, hatten die Oldenburger die erste Frau als Rabbinerin, mit Alina Treiger die erste Rabbinerin, die auch in Deutschland ausgebildet wurde.

Und selbst die musikalische Begleitung, Isidoro Abramowicz, ist ein »Spross« der Gemeinde. Der Kantorenstundent kam zum Jubiläum extra aus Israel und begleitete den städtischen Jugendchor unter der Leitung von Svetlana Gelbard und den Pianisten Michael Shalamov. Sein Jubiläumsgeschenk war das »Mi Sheberach«, das sein Freund Chaim Feifel komponiert hat.

Am Nachmittag feierte die Gemeinde mit Bürgern und Mitgliedern und zeigte beim Tag der Offenen Tür Räume und Synagoge, von denen sich auch Dieter Graumann tief beeindruckt zeigte.

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