Berlin

In seinem Kiez

»Ich werde immer ein Israeli sein, aber Berlin ist auch Heimat für mich«: Ilan Goren Foto: Gregor Zielke

An seinen ersten Eindruck von Berlin kann sich Ilan Goren noch gut erinnern: »Ich habe einfach meine Augen geschlossen. Die Verbundenheit mit diesem Ort spürte ich gleich.« Er sei keine mystische Person, sehe keine Geister mit weißen Gewändern umherschweben. Aber in Berlin spüre man die Lagen der Geschichte, diese Energie, all die Menschen, die schon an diesen Orten waren. »Auch jetzt noch fühle ich es in meinem Körper – nicht nur wegen all der Schmerzen die ich durch das Joggen hier hatte.«

Berlin, das ist für den israelischen Journalisten ein Ort zum Atmen. Die Atmosphäre in Israel sei stets spannungsvoll, das Leben in Tel Aviv sehr hektisch. Berlin sei hingegen ein entspannter, lebenswerter Ort.

Schtetl Auch davon handelt sein Buch Wo bist du, Motek?, aus dem er am Donnerstagabend in der »Einstein Kaffeerösterei« liest. Neben seinen eigenen Erinnerungen berichtet Goren auch von denen seines Urgroßvaters Juda Hellwinkel. Dieser kommt in den Goldenen Zwanzigern vom polnischen Schtetl nach Berlin, um dort sein Glück als Elektroingenieur zu suchen.

Diametral zu Urgroßvater Judas Geschichte erfährt der Leser mehr über das Leben des Autors selbst, der nach dem Tod der Mutter von Jerusalem nach Berlin flüchtet. Mit dem Tagebuch des Großvaters im Gepäck, erkundigt der Israeli das um 100 Jahre gealterte Berlin. Goren nennt es »rückwärts Alija machen«.

»Ich liebe Berlin, seine Offenheit, seinen Geist. Nach einer Weile begann ich mich wie ein Berliner zu verhalten – nur noch im eigenen Kiez unterwegs, gegen Touristen wettern, Sonntagabend ›Tatort‹ ansehen«, ein sehnendes Lächeln huscht über Gorens Gesicht, »ich werde immer ein Israeli sein, aber Berlin ist auch Heimat für mich.«

Ilan Goren liest am Donnerstagabend, den 14. November, um 19.30 Uhr aus seinem Roman »Wo bist du, Motek? Ein Israeli in Berlin.« Einstein Kaffeerösterei, Franklinstraße 12, 10587 Berlin.

Lesen Sie mehr in der kommenden Ausgabe.

Jewrovision

Feuerwerk von Talenten

Leipzig feiert ein Comeback, andere Jugendzentren wie Bremen, Hamburg oder Westfalen schließen sich für Auftritte zusammen. Der Countdown zum größten Event für jüdische Jugendliche läuft

von Christine Schmitt  22.04.2026

Programm

Chassidischer Workshop, uralter Blockbuster und eine vergessene Heldin: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. April bis zum 30. April

 22.04.2026

Berlin

Israelischer Starkoch auf den Spuren seiner deutschen Großmutter

Schnitzel - das klingt erst einmal sehr deutsch. Dieses Schnitzel allerdings kommt anders daher. Ein Besuch im Berliner Restaurant »Berta«, das ein israelischer Starkoch nach seiner deutschen Großmutter benannt hat

von Nina Schmedding  22.04.2026

78 Jahre Israel

Masal Tow

Auf den Gedenktag Jom Hasikaron folgt der Unabhängigkeitstag Jom Haazmaut. Wir haben Jüdinnen und Juden gefragt, was sie dem Land wünschen

von Katrin Richter  21.04.2026

Gesellschaft

»Ich lasse das nicht in mein Leben«

Yuval Amshalem zieht der Liebe wegen nach Berlin. Bei der Online-Wohnungssuche sah der 24-Jährige sich mit einem antisemitischen Shitstorm konfrontiert, auf den der AI-Experte entspannt reagiert. Ein Gespräch über Ziele im Leben

von Sophie Albers Ben Chamo  21.04.2026

Berlin

Abbruch nach Antisemitismus bei Makkabi-Spiel

Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts der antisemitischen Volksverhetzung und Beleidigung

 20.04.2026

Essay

Darf es mir gut gehen …?

Die Welt brennt an allen Ecken und Enden. Unsere Autorin Barbara Bišický-Ehrlich plädiert für die Hoffnung als Lebensprinzip in dunklen Zeiten

von Barbara Bišický-Ehrlich  20.04.2026

Porträt der Woche

Der Klang eines neuen Lebens

Hannah Katz stammt aus Boston und fühlt sich, auch wegen der Musik, in Berlin zu Hause

von Alicia Rust  19.04.2026

Gedenken

Das Buch der Erinnerung

Zu Jom Haschoa las Ilan Birnbaum aus den Schilderungen seines Vaters

von Luis Gruhler  19.04.2026