Interview

»Identitäten sind ein Teil der Lösung«

Daniel Aschheim Foto: pr

Herr Aschheim, das »Project TEN« (Gib!) feiert seinen vierten Geburtstag. Was hat es mit diesem Projekt auf sich?
Es ist eine Hilfsorganisation, die junge jüdische Erwachsene im Alter von 19 bis 35 Jahren aus Israel und der ganzen jüdischen Welt zusammenbringt, um aktiv zu helfen. Wir haben regelmäßig Freiwillige aus Australien, England, Amerika, Kanada. Aus Deutschland leider nur zwei.

Wie sieht die Arbeit der Volunteers aus?

Wir unterscheiden zwischen vier Bereichen. Zum einen informelle Bildung, wie Jugendorganisationen zu gründen oder Kindern Sport als Empowerment nahezubringen. Zwei weitere Bereiche betreffen das Gesundheitswesen, wo wir uns besonders um Ernährung, Hygiene und Erste Hilfe kümmern, und wir helfen der Bevölkerung, nachhaltige und lokale Landwirtschaft zu betreiben.

Was ist das Besondere an »TEN«, verglichen mit anderen Hilfsorganisationen?
Wir haben Zentren direkt vor Ort, die alle von der Jewish Agency geführt und betrieben werden und 365 Tage im Jahr voll besetzt sind. Außerdem arbeiten wir vor Ort mit mindestens einer lokalen Hilfsorganisation zusammen, um auch wirklich auf die Bedürfnisse der Bevölkerung einzugehen.

Wie lange dauert der Freiwilligendienst?

Bei uns ist fast alles möglich. Angefangen mit einmonatigen Sommerprogrammen über dreimonatige Basiskurse bis hin zu fünfmonatigen Programmen in Israel oder einem einjährigen Praktikum als Projektkoordinator.

Welchen Lernerfolg erhoffen Sie sich bei den Freiwilligen durch ihre Erfahrungen?
Sie nehmen zum einen aktiv an Tikkun Olam, der Verbesserung der Welt, teil, einem der wichtigsten jüdischen Werte. Zweitens: Sie kommen mit jüdischen Menschen aus aller Welt, auch aus Israel, zusammen.

Wieso ist das der Jewish Agency so wichtig?
Die Jewish Agency hat bereits Programme wie etwa Taglit oder Masa. »Project TEN« gibt den Teilnehmern etwas, was noch über die Werte dieser Projekte hinausgeht. Viermal habe ich als Soldat deutsche Taglit-Gruppen begleitet und bin Zeuge dieser typischen Identitätskrise deutscher Juden geworden. Die haben sich gefragt: Was bin ich eigentlich: israelisch, deutsch, jüdisch, russisch, ukrainisch?

Machen Sie es den jungen Menschen mit neuen potenziellen Identitäten da nicht noch schwerer?
(Lacht) Wir wollen ihnen zeigen, dass ihre Identitäten ein Teil der Lösung und nicht des Problems sind. Zusätzlich fühlen sich die Freiwilligen den Israelis im Ausland nicht unterlegen, wie etwa, wenn sie mit anderen Jewish-Agency-Projekten als Fremde nach Israel kommen. Im Ausland sind alle gleich.

Welche Ziele verfolgt die Jewish Agency langfristig mit diesem Projekt?
Ein zusätzliches Ergebnis könnte sein, dass »Project TEN« das Ansehen der Juden und Israels vor der Weltgemeinschaft durch seine Unterstützung verbessert.

Etwas, worauf sich die Jewish Agency sonst nicht besonders konzentriert ...
Es war nicht einfach, dieses Projekt durchzubekommen, es ist noch immer umstritten.

Ist das ein Hinweis auf eine mögliche Veränderung innerhalb der Jewish Agency?
Es spiegelt den Wandel der vergangenen Jahre wider. Bis vor etwa fünf Jahren gab es keinen einzigen arabischen Mitarbeiter in der Jewish Agency, und keinerlei Gelder gingen in Projekte für die nichtjüdische Bevölkerung. Jetzt arbeiten wir daran, die israelische Gesellschaft als Ganze zu stärken.

Mit dem Marketingdirektor der Jewish Agency für »Project TEN« sprach Naomi Bader.

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