Erfurt

Hoher Besuch in der Alten Synagoge

Ankunft an der Synagoge in Erfurt: Bodo Ramelow (Die Linke), Königin Máxima und König Willem-Alexander (v.l.) Foto: dpa

In der Alten Synagoge in Erfurt hat das niederländische Königspaar am Mittwoch seinen Besuch in Thüringen fortgesetzt. König Willem‐Alexander und Königin Máxima wurden von Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) und dem Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, während eines Rundgangs mit der Geschichte der Juden in Erfurt und im Freistaat vertraut gemacht. Im Gewölbekeller besichtigten sie sich den einmaligen jüdischen Goldschatz.

Nach Besuchen in der KZ‐Gedenkstätte Buchenwald und der Anna‐Amalia‐Bibliothek sowie des Goethe‐Schiller‐Archivs in Weimar wollte das Königspaar am Nachmittag zum Leibniz‐Institut für Photonische Technologien (IPHT) in Jena weiterreisen.

Am Dienstagabend waren Willem‐Alexander und Königin Máxima auf der Wartburg bei Eisenach zu Gast. Die niederländischen Monarchen setzen ihren Besuch Mitteldeutschlands am Donnerstag in Leipzig und Wittenberg fort. Am Freitag endet ihre Reise in Dessau und Oranienbaum.

Pogrom Gemeindevorsitzender Schramm sagte in Erfurt, die älteste bis zum Dach erhaltene Synagoge Mitteleuropas stehe symbolisch für die Geschichte der Juden in Thüringen. Vom Pogrom des Jahres 1349, bei dem das jüdische Leben in der Stadt faktisch ausgelöscht wurde, konnte sich die Gemeinde lange nicht erholen. Erst nach über drei Jahrhunderten siedelten sich wieder Juden in Erfurt an. Den Holocaust der Nationalsozialisten überlebten nach seinen Angaben nur 15 Frauen und Männer aus der Gemeinde.

Nach einem Zwischenhoch durch die Umsiedlung deutscher Juden in Polen sei ihre Zahl zwar noch einmal auf 300 angestiegen, doch habe Stalins Antisemitismus auch vor der DDR nicht haltgemacht, erläuterte der Vorsitzende der Landesgemeinde dem Königspaar. Nach einer Auswanderungswelle in den Westen lebten 1989 noch etwa 30 Juden in Erfurt. Inzwischen sind es wieder 900 Gemeindemitglieder. Etwa 95 Prozent stammen aus der ehemaligen Sowjetunion.

Der 1998 bei Bauarbeiten gefundene Goldschatz gilt sowohl nach seinem Umfang als auch in seinem Erhaltungszustand als weltweit einzigartig. Er soll vom Bankier Kalman von Wiehe vor dem Pestpogrom von 1349 versteckt worden sein. Mit einem Gesamtgewicht von 28 Kilogramm setzt sich der Schatz unter anderem aus 3141 Silbermünzen, 14 Silberbarren und über 700 teilweise mit Edelsteinen besetzten Einzelstücken gotischer Gold‐ und Silberschmiedekunst zusammen. epd

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