Frankfurt

Hoffen auf ein Ende der Gewalt

Beim Open-Air-Abschlussgottesdienst des 3. Ökumenischen Kirchentages in Frankfurt: Bischof Georg Bätzing Foto: imago images/Hartenfelser

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sind einen Tag vor Beginn des Ökumenischen Kirchentages (ÖKT) erstmals zu einem Gedankenaustausch in Frankfurt zusammengekommen. Dabei sprachen sie vor allem über die Gewalteskalation im Nahen Osten, Herausforderungen in der Corona-Pandemie und den wachsenden Antisemitismus.

»Wir hoffen, dass die Gewalt bald ein Ende findet.«

Zentralratspräsident Josef Schuster

Zentralratspräsident Schuster und Bischof Bätzing zeigten sich angesichts der aktuellen Lage im Nahen Osten sehr besorgt. »Die vom Gazastreifen ausgegangene Aggression gegen Israel ist inakzeptabel. Aber nur gemeinsam können Auswege aus dem jahrzehntelangen Konflikt gefunden werden. Wir hoffen, dass die Gewalt rasch ein Ende findet. Der Nahe Osten braucht Frieden«, sagte Schuster.

Fahnen Bischof Bätzing zeigte sich erschüttert über die nächtlichen Angriffe auf Synagogen in Deutschland und die Verbrennung von israelischen Fahnen am 11. und 12. Mai. »Diese Form des Protestes verurteile ich auf das Schärfste. Es darf nicht zugelassen werden, dass ein politischer Konflikt mit religiösem Fanatismus verbunden und aufgeladen wird. Angriffe auf Synagogen sind purer Antisemitismus, der mit nichts zu rechtfertigen ist.«

Mit Blick auf die Corona-Pandemie erklärten die Gesprächspartner: »Der Erhalt des Lebens ist in unseren Religionen ein hohes Gut. Daher halten wir Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Eindämmung der Pandemie für sinnvoll und notwendig. In unseren Gemeinden erleben wir seit dem ersten Lockdown vor etwa einem Jahr eine große Solidarität und Fürsorge, gerade für die Risikogruppen. Wir sollten in unserem Verhalten weiterhin Vorbilder sein im Kampf gegen die Pandemie.«

Verschwörungsmythen Zentralratspräsident Schuster verwies zudem darauf, dass die Corona-Krise die Verbreitung von antisemitischen Verschwörungsmythen verstärke: »Antisemitismus ist unter den Corona-Leugnern das verbindende Element. Es ist zu befürchten, dass dieses Phänomen mit dem Ende der Pandemie nicht verschwindet. Dieser Antisemitismus muss konsequent und nachhaltig bekämpft werden.«

»Die Bekämpfung des Antisemitismus ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Hier spielt auch die kirchliche Bildungsarbeit eine wichtige Rolle. Im Religionsunterricht, in den Katholischen Schulen und in der Erwachsenenbildung sollte noch stärker über das Judentum, die christlich-jüdischen Beziehungen und den Antisemitismus aufgeklärt werden«, stimmte der Bischof Schusters Worten zu.

Impulse Vom Ökumenischen Kirchentag, der vom 13. bis 16. Mai in Frankfurt stattfand, erhoffte sich Bischof Bätzing »kräftige Impulse nicht nur für die Ökumene der Christen, sondern auch für das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen oder auch ohne religiöse Beheimatung«.

Georg Bätzing ist Bischof von Limburg und war 2020 zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt worden. Er folgte Reinhard Kardinal Marx, der nicht mehr zur Wahl antrat, im Amt nach. ja

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