München

Grüne Mizwot

Der Europäische Tag der jüdischen Kultur am 29. September war zugleich Auftakt zu den Jüdischen Kulturtagen am Jakobsplatz. Bei beiden Veranstaltungen wurde das Anliegen der Leiterin des IKG-Kulturzentrums, Ellen Presser, deutlich, das Judentum in seiner Vielfältigkeit zu zeigen.

»Das lebendige und vielschichtige Judentum der Gegenwart wie der Vergangenheit in allen Facetten authentisch und greifbar zu präsentieren« – so formulierte auch Präsidentin Charlotte Knobloch ihren Anspruch an beide Veranstaltungen.

Seit September 2007 beteiligt auch die IKG sich nach ihrem Umzug in das neue Gemeindezentrum am Europäischen Tag der jüdischen Kultur. Das Spektrum der einzelnen Veranstaltungen umfasste wie in den vergangenen Jahren auch schon den jüdischen Staat ebenso wie das jüdische Leben in München mitsamt den Aktivitäten und Veranstaltungen der Kultusgemeinde.

FOTOS Das Schwerpunktthema in diesem Jahr lautete »Jewish Heritage and Nature – Judentum und Natur«. In München wurde es aufgegriffen mit einer Ausstellung, die noch bis zum 18. Oktober im Foyer des Gemeindehauses zu sehen ist. Die Vernissage der Fotoausstellung mit farbigen Naturbildern – eine Kooperationsveranstaltung des IKG-Kulturzentrums und des Jüdischen Nationalfonds KKL – zog viele begeisterte Zuschauer an.

Die Aufnahmen stammen von Susanne Martin und aus den Beständen des Jüdischen Nationalfonds aus Jerusalem sowie aus dem Münchner Büro des KKL von Katja Tsafrir und Stephanie Reisinger. Gemäß dem Motto des Tages waren die Bilder ergänzt mit Zeilen aus der Bibel: »Siehe das Wort des Ewigen haben sie verworfen, welche Weisheit haben sie nun?«, steht zum Beispiel neben einer Ansicht von Kranichen auf dem Acker.

Die Heilige Schrift erwies sich einmal mehr als unerschöpfliche Quelle, die zusammen mit den Fotos zeigt, wie sehr das jüdische Volk schon seit über zwei Jahrtausenden mit der Natur verbunden ist und welch tiefes biologisches und ökologisches Verständnis es hat.

Neben der Ausstellung gab es eine Menge zu entdecken an diesem besonderen Tag, der die Natur aus jüdischer Perspektive erlebbar machte. So referierte der Religionspädagoge Marcus Schroll in seinem Vortrag zum Thema »Der Mensch und seine Verantwortung gegenüber Tieren aus jüdischer Perspektive«. Aus der herausgehobenen Stellung, die der Mensch nach jüdischer Überzeugung im Universum innehabe, erwachse eine besondere Verantwortung für Natur, Tiere und Mitmenschen, ist Schroll überzeugt. Er untermauerte seine Vorstellung mit einer Fülle an Zitaten aus Tora und Talmud. In allem, was der Mensch tue, müsse er Respekt gegenüber dem Schöpfer aller Dinge zeigen, so Schroll.

Wildkatzen Dem Motto »Judentum und Natur« näherte sich der israelische Dokumentarfilm Eretz Bereshit – Land of Genesis auf seine ganz eigene Weise. Der international renommierte und preisgekrönte Regisseur Moshe Alfert begleitete drei Tierfamilien – Wölfe, Wildkatzen und Steinböcke – durch die vier Jahreszeiten. Der Zuschauer erlebt den Kampf der Tiere um Nahrung und die Sorge um ihren Nachwuchs. Faszinierende Bilder zeigen Israel als Naturparadies – und bestätigen einmal mehr die Überzeugung, dass der Erhalt der ökologischen Ausgewogenheit unabdingbar ist, um dauerhaft die Lebensqualität in Israel zu gewährleisten.

Begonnen hatte der Veranstaltungstag am Vormittag, als Chaim Frank die Besucher zu einem Rundgang einlud, um »auf jüdischen Spuren durch die Münchner Innenstadt« zu spazieren. Etwas später öffneten sich die Tore der Synagoge Ohel Jakob. Zahlreiche interessierte Besucher nahmen an Führungen samt Vorträgen von Marian Offman und Eric Lehmann im Zelt Jakobs teil.

Zum Ausklang des Abends stand das Konzert Die Jahreszeiten in Gebeten und Volksliedern auf dem Programm. »Bei diesem Konzert geht es um die Natur des Menschen«, erläuterte Ellen Presser, Leiterin des IKG-Kulturzentrums, zu Beginn der Veranstaltung. Im musikalischen Dialog mit Gott drücke sich die Dankbarkeit für die Schöpfung aus, erklärte Presser.

Der Kantor der IKG München und Oberbayern, Moshe Fishel, wurde am Klavier von Yoed Sorek begleitet. Bekannte Lieder und Gebete zu den wichtigen Feiertagen wie beispielsweise Hallelu und Adon Olam trug Kantor Fishel vor: eine beeindruckende Reise durch die Welt des religiösen jüdischen Gesangs, die die preisgekrönte Kontrabassistin Talia Schwarzwald kongenial begleitete.

Spezialitäten Der gut besuchte Bücherflohmarkt im Foyer des Gemeindehauses am Jakobsplatz und die wie immer köstliche koschere Bewirtung mit israelischen Spezialitäten durch das Restaurant »Einstein« bis zum späten Abend machten den Europäischen Tag der jüdischen Kultur komplett.

Mit dem ebenso speziellen wie zukunftsweisenden Verhältnis des Judentums zu Natur und Tierwelt sowie den vielen Zitaten aus Tora und Talmud neigte sich so ein Tag dem Ende zu, der genügend Ideen lieferte, um über diese wichtigen Themen weiterhin nachzudenken.

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