Wiesbaden

»Gefühl von Heimat«

Ein stolzes Doppeljubiläum konnte die Jüdische Gemeinde Wiesbaden am Sonntag feiern: Auf den Tag genau vor 50 Jahren war die Synagoge in der Friedrichstraße eröffnet worden, am 22. Dezember wird es genau 70 Jahre her sein, dass sich die Gemeinde wiedergegründet hat.

Das Jubiläum wurde mit einer würdigen Feier begangen, die der Kinderchor der Frankfurter I. E. Lichtigfeld-Schule unter Leitung von Martina Georgi musikalisch umrahmte.

Die Wiedergründung sei das Werk mutiger Männer und Frauen, die damit das Fundament für das heute wieder blühende Gemeindeleben gelegt haben, bemerkte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Mark Dainow aus Offenbach.

glasfenster »Wer in dieser Synagoge sitzt, kommt nicht umhin, die wunderbaren Glasfenster zu bewundern. Bei der Einweihung vor heute genau 50 Jahren staunten alle über dieses Schmuckstück, das neu in Wiesbaden entstanden war. Und bis heute zieht diese Synagoge ihre Besucher in den Bann«, schwärmte Dainow. Der Vizepräsident bekannte, in der Wiesbadener Synagoge immer wieder »wohlige Gänsehaut« zu bekommen. Vor fast 40 Jahren hatte er hier geheiratet.

Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) würdigte die ungeheure Integrationsleistung der Jüdischen Gemeinde, die sich »zu Recht offen, selbstbewusst und sympathisch« in der Stadt präsentiere. »Hier fand schon Integration statt, da kannten wir das Wort noch gar nicht.« »Und«, bekannte der Oberbürgermeister, »die Gemeinde kann stolz darauf sein, was sie in den letzten 70 Jahren aufgebaut hat.« Die Migranten aus der früheren Sowjetunion habe sie »nicht nur mit offenen Armen, sondern auch mit offenem Herzen« empfangen und ihr »in dieser wunderbaren Synagoge das Gefühl von Heimat gegeben«.

gemeinschaft Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) überbrachte die Glückwünsche von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und zeigte sich, auch als Wiesbadener, erfreut über die Lebendigkeit der Jüdischen Gemeinde. Wiesbadens US-Standortkommandant Colonel Todd J. Fish würdigte die seit Kriegsende bestehende Freundschaft zwischen Amerikanern und der Jüdischen Gemeinde. Er sei dankbar dafür, dass ihre Türen für die jüdischen Soldaten der US Army offen stünden. »Das macht uns zu zwei Nationen, aber zu einer Gemeinschaft.«

Der Sprecher der Gemeinde, Jacob Gutmark, konnte in der voll besetzten Synagoge zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Gutmark erinnerte an die große Tradition des jüdischen Volkes seit der Befreiung durch Moses von der ägyptischen Sklaverei und an das gemeinsame Kulturerbe deutsch-jüdischer Geschichte. Das Datum 11. September gebe zudem Anlass, der Opfer der Terroranschläge des Jahres 2001 in den USA zu gedenken.

Lesen Sie mehr in der kommenden Ausgabe am Donnerstag.

München

Jahrestag, Literatur, Restitution

Meldungen aus der IKG

 06.12.2021

Ausstellung

Berliner erzählen von ihrem »jüdischen Berlin«

Im Frühjahr hatte sich das Centrum Judaicum mit der Frage »Was ist Ihr jüdisches Berlin?« an alle Berliner gewandt

 06.12.2021

Nordrhein-Westfalen

Veranstalter ziehen positive Bilanz des Jubiläumsjahrs »1.700 Jahre jüdisches Leben«

Generalsekretärin des Vereins: »Das große Interesse hat uns überwältigt«

 06.12.2021

Düsseldorf

Rosenmontagszug nach Protest der Jüdischen Gemeinde verschoben

Nun soll Ende Mai Karneval gefeiert werden. Grund für die Verschiebung ist der Protest mehrerer Verbände

 06.12.2021

Corona

Doppelt schutzbedürftig

Kinder mit Einschränkungen leiden während der Pandemie besonders stark – so wie Daniel aus Villingen

von Christine Schmitt  05.12.2021

Porträt der Woche

»Berlin hat mich verändert«

Dan Allon ist Künstler und beschäftigt sich mit seiner Familiengeschichte

von Jérôme Lombard  05.12.2021

Lichterfest

Gemeinsam zuversichtlich

In ganz Deutschland beteiligen sich Politik und Gesellschaft öffentlich an den Feierlichkeiten zu Chanukka

von Brigitte Jähnigen  05.12.2021

Nordrhein-Westfalen

Zedaka in Kall

Die ZWST hilft Flutopfern mit »Tiny Houses«

von André Anchuelo  03.12.2021

Berlin

»Papier ist geduldig«

Fachleute appellieren an künftige Bundesregierung, angekündigte Förderung jüdischen Lebens umzusetzen

 03.12.2021