Interview

Fünf Minuten mit …

Michael Yedovitzky Foto: Gregor Zielke

Interview

Fünf Minuten mit …

Michael Yedovitzky über die Jewish Agency, Alija und junge Juden

von Detlef David Kauschke  02.03.2015 19:15 Uhr

Herr Yedovitzky, in manchen europäischen Ländern denken immer mehr Juden über eine Zukunft in Israel nach. Gilt das auch für Deutschland?
Wir können nicht feststellen, dass sich angesichts der aktuellen Ereignisse in Europa die Situation hierzulande verändert hätte. In unseren Büros verzeichnen wir nicht mehr, aber auch nicht weniger Anfragen. Unserer Auffassung nach ist die Situation in Deutschland, wie eben auch in Nordamerika oder anderen Teilen der Welt, stabil.

Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern?
Die Situation beispielsweise in Frankreich stellt sich ganz anders dar. Dort gibt es weitaus mehr Juden, die das Land verlassen oder entsprechende Pläne haben. Im vergangenen Jahr waren es 7000, doppelt so viele wie im Vorjahr.

Wie sieht die deutsche Alija-Statistik aus?

Unverändert sind es pro Jahr etwa 130 bis 140 Olim. Aber nicht alle Einwanderer bitten die Jewish Agency um Unterstützung, manche erledigen die notwendigen Formalitäten auch direkt bei den zuständigen Behörden in Israel. Unterm Strich stellen wir in den vergangenen Jahren bei der Zahl der Einwanderung aus Deutschland weder eine Zu- noch eine Abnahme fest.

Sie waren am vergangenen Wochenende Gast des Jugendkongresses. Wie ist der Trend unter jungen Juden in Deutschland?
Beim Jugendkongress haben mich einige junge Teilnehmer angesprochen, hauptsächlich hatten sie Fragen zur aktuellen Situation in Israel. Einige von ihnen fragten auch nach den Details einer Alija. Ich habe mich bemüht, die passenden Antworten zu geben.

Ist es nicht Ihre Aufgabe, für die Alija zu werben?
Wir sehen unsere Hauptaufgabe darin, die hiesigen jüdischen Institutionen zu unterstützen. Wir wollen insbesondere bei jüngeren Juden die jüdische Identität stärken. Unser Anliegen ist es, sie mit ihren jüdischen Wurzeln noch enger zu verbinden und auch ihre Verbindung zur jüdischen Welt und insbesondere zu Israel zu stärken.

Und dann?
Dann liegt es an den jungen Menschen selbst, zu entscheiden, welchen Weg sie weiter gehen. Die einen gründen hier eine jüdische Familie, schicken später ihre Kinder in jüdische Kindergärten oder Schulen, andere engagieren sich in ihren Gemeinden, und andere wiederum entscheiden sich für die Alija. Wir sind Teil der freien Welt, alle Optionen stehen offen.

Und wenn das Gefühl der Verunsicherung zunimmt?

Wo immer es eine Gefährdung gibt, steht die Jewish Agency zur sofortigen Hilfe bereit. Aber grundsätzlich sollten Juden lieber aus ehrlicher Überzeugung statt wegen einer konkreten Bedrohung den Weg nach Israel finden.

Mit dem Direktor der Abteilung für Deutschland und Zentraleuropa der Jewish Agency sprach Detlef David Kauschke.

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 29.06.2026

Festival

Trotz Rekordhitze: Tausende Gäste bei Jüdischer Woche in Leipzig

Trotz der sommerlichen Hitze und damit verbundener Programmänderungen seien die Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet auf großen Zuspruch gestoßen

 29.06.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  28.06.2026

Erinnerung

Kunst mit Haltung

Das musikalisch-szenische Projekt »Und dennoch morgen« der Europäischen Janusz Korczak Akademie feierte im Gasteig Premiere

von Ellen Presser  28.06.2026

Israeltag

Wenn Freunde feiern

Rund 2000 Münchnerinnen und Münchner kamen auf dem Odeonsplatz zusammen, um ihre Solidarität mit dem jüdischen Staat zu demonstrieren

von Ellen Presser  27.06.2026

Porträt der Woche

Einfach sie selbst

Hannah Kruse ist Lehrerin, engagiert sich politisch und lebt seit ihrer Transition als Frau

von Alicia Rust  27.06.2026

Glosse

Danke, Felix!

Acht Jahre lang hat Felix Klein die wohl anstrengendste Religionsgemeinschaft dieser Welt ertragen. Nun scheidet er aus dem Amt. Eine etwas andere Würdigung

von Leeor Engländer  27.06.2026

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026