Interview

Fünf Minuten mit…

Back to the roots, Marat Schlafstein möchte das Jüdische bei der Jewrovision thematisieren. Foto: Daniela Incoronato

Herr Schlafstein, das Jugendzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München richtet bereits zum zweiten Mal die Jewrovision aus. Diesmal springen Sie für Berlin in die Bresche, das als Erstplatzierter aus Finanzgründen absagen musste. Was bedeutet das für Sie?
Vor allem macht es viel Arbeit. Die Jewrovision hat riesige Dimensionen angenommen, deshalb müssen viele finanzielle Mittel akquiriert werden. Wir rechnen alleine beim traditionellen Mini-Machane mit 700 Jugendlichen. Das ist ein enormer Erfolg, und es wird damit die größte Jewrovision aller Zeiten. Acts aus zwölf Gemeinden werden auf der Bühne stehen. Insgesamt kommen Jugendliche aus ungefähr 45 Gemeinden.

Was außer Musik soll die Jewrovision noch leisten?
Hinter unserem Engagement steckt für uns Münchner auch ein großer sozialer Faktor. Wir können die Jugendlichen in die Planung involvieren und ihnen dabei zeigen, was sonst nur Eventmanager, professionelle Sänger oder Tänzer mitbekommen. Es ist eine Veranstaltung von Jugendlichen für Jugendliche. Einige Hauptamtliche unterstützen sie dabei, aber sie erleben etwas, was sie sonst in diesem Alter sicher nicht erleben könnten.

Das Motto 2012 lautet »back to the roots«. Welche Wurzeln sind damit gemeint?
Bei der Jewrovision im vergangenen Jahr hat uns der jüdische Aspekt ein bisschen gefehlt. Für uns ist es wichtig, dass sich die Jugendlichen im Vorfeld unserer Veranstaltung mit der jüdischen Geschichte, mit ihren Wurzeln und ihrer Herkunft auseinandersetzen. Es geht uns nicht nur ums Tanzen und die Fixierung auf gesellschaftliche Themen. Es ist schließlich immer noch eine Jewrovision und keine Eurovision.

Das klingt in etwa nach einer »Mottoshow« wie bei »Deutschland sucht den Superstar« ...
Ganz falsch ist dieser Vergleich vielleicht nicht. Aber der Unterschied ist: Bei uns muss man sich kein Lied aussuchen, das zum Motto passt. Die Songs können auch aktuell sein, aber dazu schreibt jedes Jugendzentrum einen eigenen Text, der sich auf das Thema bezieht. Die Jugendzentren setzen sich also damit auseinander und bereiten die Show vor. In der Intensität gehen wir also ein Stückchen weiter als die »Mottoshows« bei DSDS.

Wie groß ist das Team in München, das an der Vorbereitung der Jewrovision arbeitet?
Täglich damit beschäftigt ist ein Team aus 20 Personen, darunter alle hauptamtlichen Mitarbeiter des Jugendzentrums und viele ehrenamtliche. Viel Unterstützung bekommen wir auch vom Vorstand der IKG München. Der Vorstand bringt gute Ideen ein, aber wir haben auch das Glück, viel Vertrauen zu genießen. Das ermöglicht uns erst, gute Arbeit zu machen.

Ist das Heimspiel ein Vorteil, oder stehen die Teilnehmer aus München dadurch unter einem größeren Druck?
Egal, wo wir hinfahren, haben wir den Anspruch, die bestmögliche Leistung abzuliefern. Allein deshalb ist der Druck bei uns schon groß. Doch das gilt nicht nur für den Act. Wir haben auch den Druck, die Jewrovision so erfolgreich wie möglich über die Bühne zu bringen und bei den Gästen einen guten Eindruck zu hinterlassen. Schließlich wollen wir die beste Jewrovision aller Zeiten ausrichten.

Mit dem Organisator der Jewrovision 2012 und Leiter des Münchner Jugendzentrums Neshama sprach Zlatan Alihodzic.

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